Ladenschluss: "Inkompetenz des Landratsamts"

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Martin Schön fordert, dass das Landratsamt nicht bloß „Gesetz-Durchdrücken“ betreibt.

Schönau am Königssee – Natürlich handele das Landratsamt richtig, wenn es aufgrund anonymer Beschwerden eingreift, sagt Martin Schön, Piraten-Chef im Berchtesgadener Land. Aber:

Im Vorfeld waren am Königssee mehrere Ladenbesitzer aufgefordert worden, ihre Geschäfte sonntags nicht mehr zu öffnen. Wegen des unzureichenden Warensortiments. Und trotzdem wirft er der Behörde Inkompetenz vor. „Das Kernproblem wird dabei nicht gelöst“, so Schön im Interview.

Martin Schön hat sich umgehört. Am Königssee, in Berchtesgaden. Das Thema beschäftigt die Gemüter. Hochemotional wird es geführt. Doch dabei geht es nur allein darum, „Felle zu sichern“, sagt Schön. „Natürlich erkenne ich die Interessenlage der Menschen“. Jeder möchte Geld verdienen, der Neid werde größer. Schön habe mit mehreren Personen gesprochen, die zum Thema aber nichts sagen konnten, wollten, nichts dazu beitragen durften. „Es läuft genauso, wie es eigentlich nicht laufen sollte“, sagt er. Und er sagt auch, dass das Landratsamt durchaus registriert habe, dass die Debatte „dramatische Ausmaße“ annimmt. Doch ihren Standpunkt ändern und andere Lösungsvorschläge in den Raum stellen, werde das Landratsamt wohl nicht. „Die ziehen das durch“, sagt Schön.

Das war der Protest in Schönau am Königssee:

Ein Sarg als Zeichen des Protests

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Der Behörde wirft er eine „arge Oberflächlichkeit“ vor. Vordergründig solle Recht geschaffen werden, obwohl die Rechtslage bei Weitem nicht so eindeutig sei, wie es dargestellt werde. Um einen Interessenausgleich gehe es dem Landratsamt schon lange nicht mehr. Vielmehr verliere es sich in einem „diffusen Sprachgebrauch“ beim Versuch der Regulierung. Nach Meinung von Schön reagiert man im Landratsamt nichts weiter als „verkrampft, verunsichert und inkompetent“. Der Vorwurf: „autoritäres Machtgehabe“. Der Interessenausgleich bleibe auf der Strecke. „Die Behörde bemüht sich erst gar nicht“. Fehlende Kompetenz? Schön ist sich da nicht so sicher. Weiß aber, dass die aktuellen Ladenöffnungszeiten definitiv nicht mehr zeitgemäß daherkommen. Sonntagsruhe? Schön und gut. Aber im Internet ist sonntags auch die Hölle los.

Der Pirat sagt, dass das Internet keine Öffnungszeiten kenne. Er fordert eine Liberalisierung, er pocht auf neue „Service-Ideen“, zeitgemäße Geschäftsmodelle, die Ladeninhabern in Tourismusregionen das Leben nicht schwer machten. „Die Praxis der Händler am Königsee, mit ihrem spezifischen Angebot sich ein Stück des Kuchens zu sichern, ist doch eine Lösung“, so Schön. „Kleinkrämerische“ Auseinandersetzungen hält er für wenig zielführend. Schöns Ansinnen ist es, die betroffenen Königssee-Geschäftsinhaber mit den Verantwortlichen vom Landratsamt an einen Tisch zu bringen. Um gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Kein bloßes „Gesetz-Durchdrücken“, sagt er, sondern reden. Zur Wahrung aller Interessen.

kp

Quelle: BGland24.de

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