Kommunalwahl Bayern 2020: Bürgermeisterkandidat für Traunreut

18 Fragen an Martin Czepan (Bündnis 90/Die Grünen)

Will in Traunreut Bürgermeister werden: Martin Czepan (Bündnis 90/Die Grünen).
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Will in Traunreut Bürgermeister werden: Martin Czepan (Bündnis 90/Die Grünen).

Traunreut - Am 15. März 2020 finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Auch in Traunreut wird der Bürgermeister gewählt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. Dieses Mal: Martin Czepan (Bündnis 90/Die Grünen).

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Die Antworten auf unseren Fragebogen:

1. Name

Martin Czepan

2. Partei

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Liste 2

3. Alter

63

4. Wohnort

Traunreut seit 1983

5. Geburtsort

Heidenheim

6. Familienstand

verheiratet

7. Kinder

keine

8.  Wie verlief Ihre bisherige politische Karriere?

  • Seit 1988 Engagement in verschiedenen Umweltorganisationen (ROBIN WOOD, Bund Naturschutz, Bundesvorstand DAS BESSERE MÜLLKONZEPT). 
  • Mitbegründung der AGENDA 21 in Traunreut. 
  • Seit 1996 bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Kreisvorstand, Ortsvorstand. 
  • Seit 2002 Stadtrat und Referent für Umwelt in Traunreut. 
  • 2002 - 2014 und ab 2016 Kreisrat. 
  • Mitglied im Kreisentwicklungs- und Verkehrsausschuss 
  • Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderung.

9. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Zum einen Nelson Mandela. Obwohl er jahrelang im Gefängnis saß, hat er sich erfolgreich für die Aussöhnung der Bevölkerungsgruppen in Südafrika eingesetzt. Zum anderen Sepp Daxenberger, weil es ihm in Waging gelungen ist, bei wichtigen Entscheidungen einen Konsens aller Fraktionen zu erreichen.

10. Was verbindet Sie mit Ihrer Kommune? Was ist das Besondere Ihrer Kommune?

Traunreut ist meine Heimat geworden. Die Aufbauleistung der Einwohner nach dem Krieg und das Zusammenfinden der Menschen aus allen Teilen Europas war eine außergewöhnliche Leistung, die auch heute noch unsere Wertschätzung verdient. Traunreut bietet eine hohe Lebensqualität: Es gibt ruhige und zentrumsnahe Wohnquartiere mit viel Grün. Die Betriebe, Einkaufszentren und Geschäfte lassen sich per Fuß und Fahrrad gut erreichen. Traunreut besitzt ausgezeichnete Kitas und Schulen. Es gibt ein vielfältiges Angebot für Sport und Kultur, welches von engagierten Mitgliedern in den Vereinen getragen wird. Traunreut ist Spitzenreiter beim Klimaschutz: Ein Großteil der Wohnungen und Betriebe wird mit Strom und Fernwärme aus dem Biomasseheizkraftwerk und der Geothermie versorgt.

11. Warum sind Sie genau der Richtige?

Wir stehen in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen, weltweit und auch in Traunreut. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, müssen aber den Flächenverbrach reduzieren um die Artenvielfalt zu erhalten. Der Umstieg auf Erneuerbare Energien ist notwendig und die Energiepreise müssen bezahlbar bleiben. Gleiches gilt für die Mobilität. Der Verwaltungs- und Vermögenshaushalt muss konsolidiert werden, damit das Angebot an sozialen und kulturellen Leistungen erhalten werden kann. In den vielen Jahren bei BSH, den Umweltorganisationen und in der Politik habe ich für diese Herausforderungen wertvolle Erfahrungen sammeln können. In fachlicher Hinsicht, durch Führungsverantwortung und vor allem in der Teamarbeit.

12.  Was wurde in der vergangenen Amtszeit verpasst? Was wollen Sie besser machen?

Es fehlt der rote Faden bei der Stadtentwicklung. Für Traunreut braucht es einen Masterplan, der die Ziele und Meilensteine für die nächsten 10 bis 15 Jahre definiert. Sollten einzelne Vorhaben nicht umsetzbar sein, müssen Alternativen gefunden werden, wie z.B. beim Wohnungsbau.

13. Was ist für Sie die größte Herausforderung Ihrer Kommune? Wie stehen Sie dazu und was gedenken Sie zu tun?

Traunreut muss als attraktiver Wohnort und Wirtschaftsstandort gestärkt werden und gleichzeitig müssen wir für den Erhalt unserer Lebensgrundlagen sorgen. Bevor wir weitere Flächen am Ortsrand zubauen, sollte zunächst die Innenstadt weiter entwickelt werden. Als erstes müssen wir die vielen leer stehenden Häuser und Wohnungen wieder einer Nutzung zuführen. Ein großes Potenzial bieten auch die vielen ebenerdigen Parkplätze, welche 30 bis 40 Prozent der Fläche in der Innenstadt belegen. Damit die Innenstadt belebter wird, brauchen wir mehr und sichere Wege und Plätze für Fußgänger und Radfahrer in Traunreut.

14. Was sind – neben den größten Herausforderungen – Ihre drei wichtigsten Ziele in den kommenden sechs Jahre? Was wollen Sie für die Menschen in ihrer Kommune erreichen?

Treffpunkte vor allem für Jugendliche und Senioren in der Kernstadt und in den Außengemeinden schaffen. Dank der vorhandenen Ressourcen an erneuerbaren Energien können wir in Traunreut in den nächsten 10 Jahren den Umstieg auf eine klimaneutrale und preiswerte Energieversorgung schaffen. Wir müssen dringend den Verwaltungs- und Vermögenshaushalt konsolidieren, damit wir zukünftig die laufenden Ausgaben für soziale und kulturelle Zwecke leisten können und noch Spielraum für Investitionen haben.

15. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Kommune und was gedenken Sie hier zu tun?

Zunächst müssen Anreize geschaffen werden, dass die vielen leer stehenden Häuser und Wohnungen genutzt werden. Verfügbare Flächen müssen zügig erschlossen werden. Mit der Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises haben wir einen leistungsfähigen Bauträger, der unsere Anforderungen umsetzt. Damit Kaufpreise und Mieten bezahlbar bleiben, müssen bestehenden Standards und Vorschriften, wie z.B. die Stellplatzverordnung, kritisch hinterfragt werden.

16. Der Klimaschutz ist im Moment in aller Munde. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema und was gedenken Sie hier zu tun?

Bereits seit den 90er Jahren setze ich mich tatkräftig für den Klimaschutz ein. Das von mir initiierte Biomasseheizkraftwerk, der Ausbau der Fernwärme und der daraus resultierende Bau des Geothermiekraftwerks haben gezeigt, dass Klimaschutzmaßnahmen nicht zwangsläufig zu höheren Energiepreisen führen müssen. Wir müssen den Ausbau der Fernwärme in der Kernstadt konsequent weiterführen, denn die Geothermie bietet noch ein enormes Potenzial. Für die Außengemeinden brauchen wir dezentrale oder individuelle Versorgungskonzepte. Um eine Verkehrswende zu ermöglichen müssen bessere und sichere Wege für Fußgänger und Radfahrer geschaffen werden. Das Angebot an Bus und Bahn muss vor allem qualitativ verbessert werden und der Citybus, welcher bereits zu 90 Prozent durch Zuschüsse finanziert wird, sollte für alle Bürger kostenlos sein.

17. Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und neue Düngeverordnung: Wie stehen Sie zu den Protesten der heimischen Landwirte und gedenken Sie in diesem Punkt zu handeln? Falls ja, wie?

Die Landwirte wurden in den letzten Jahrzehnten durch die Fördervorgaben und die Macht der Nahrungsmittelkonzerne zu einer immer mehr industriellen Produktion genötigt. Dies hat zu einem Verdrängungswettbewerb und dem Verlust vieler Existenzen geführt. Zusätzlich gefährdet sind die Landwirte durch den enormen Flächenfraß vor allem im unseren Landkreis. Hier können wir die Landwirte vor Ort konkret unterstützen. Deswegen haben wir uns als einzige Fraktion im Stadtrat gegen den Bau der nicht notwendigen Osttangente eingesetzt, welche ca. 3 Hektar Wald, Wiesen und Felder vernichten würde. Wir hoffen, dass im neuen Stadtrat ein Umdenken einsetzt oder die Eigentümer ihre Fläche nicht verkaufen. Unterstützen können wir unsere heimischen Landwirte auch, indem wir die Direktvermarktung fördern. Die Initiative der Steiner Brauerei mit der regionalen Braugerste ist ein gelungenes Beispiel hierfür. Auch der Urlaub auf dem Bauernhof sollte stärker unterstützt werden.

18. Gibt es noch ein wichtiges Anliegen, das Sie Ihren Wählern gerne mit auf den Weg geben würden? Falls ja, welches?

Unser Handeln muss sich viel stärker als bisher am Erhalt unserer Lebensgrundlagen orientieren. Wir dürfen unsere knappen Mittel nicht in den Ausbau einer Straßeninfrastruktur stecken, die nicht notwendig ist und die Natur zerstört, sondern müssen mehr in Bildung, preiswerten Wohnraum, schnelles Internet und Erneuerbare Energien investieren. Das Zusammenleben und die Zusammenarbeit in unserer Stadt müssen wieder viel stärker geprägt sein von gegenseitiger Wertschätzung, Respekt und Vertrauen.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten der Kandidatin/des Kandidaten wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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