Kommunalwahl Bayern 2020: Bürgermeisterkandidat für Ainring

18 Fragen an Martin Öttl (Freie Wähler)

Bürgermeisterkandidat in Ainring: Martin Öttl (Freie Wähler).
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Bürgermeisterkandidat in Ainring: Martin Öttl (Freie Wähler).

Ainring - Am 15. März 2020 finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Auch in Ainring wird der Bürgermeister gewählt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. Dieses Mal: Martin Öttl (Freie Wähler).

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Die Antworten auf unseren Fragebogen:

1. Name

Martin Öttl

2. Partei

FREIE WÄHLER Ainring

3. Alter

39 Jahre

4. Wohnort

Bach (bei Thundorf) – seit Geburt!

5. Geburtsort

Freilassing

6. Familienstand

verheiratet

7. Kinder

2 Töchter (Carolina und Mathea, 6 und 3 Jahre alt)

8.  Wie verlief Ihre bisherige politische Karriere?

Ich bin seit einigen Jahren bei den Freien Wählern politisch aktiv, aber ich habe noch kein Amt oder Mandat. Ich denke aber, dass man das auch nicht unbedingt haben muss, wenn man sich für seine Heimat engagieren will. Ich kann die anstehenden Themen unvoreingenommen anpacken und auch andere Blickwinkel einbringen. Es gibt mit mir kein weiter so im politischen Trott.

9. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

In der Kommunalpolitik sind das Ainrings Altbürgermeister Hans Waldhutter, der mit viel Herzblut die Gemeinde in einer schwierigen Phase übernommen hat und die Basis für die sehr positive Entwicklung der Gegenwart gelegt hat. Mir fällt auch der frühere Gemeinderat Peter Rottmair ein, ohne den es den Radweg von Ainring nach Thundorf nicht gegeben hätte. 

Überregional sind Alois Glück und Sepp Daxenberger Vorbilder. Glück, weil er als sehr integre Persönlichkeit die christlichen Werte vertreten hat und zumeist Sachpolitik betrieben hat. Sepp Daxenberger war für mich der Inbegriff von Bürgernähe und Bodenständigkeit. Er hatte stets nur das Beste für seine Heimat im Sinn.

10. Was verbindet Sie mit Ihrer Kommune? Was ist das Besondere Ihrer Kommune?

Ich verbinde mit meiner Heimatgemeinde vor allem das Gefühl von Freundschaft und Gemeinschaft. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, wo jeder jedem geholfen hat. Auch in unseren Vereinen habe ich erlebt, was Zusammenarbeit und Zusammenhalt bedeuten und wie viel man damit erreichen kann. Dieses Gefühl geht leider immer mehr verloren und die Gemeinschaft muss wieder gestärkt werden.

11. Warum sind Sie genau der Richtige?

Als Familienvater kenne ich die Bedürfnisse der jungen Menschen und Familien aus eigener Erfahrung. In der Familie und im Beruf habe ich gelernt, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Ich bin ein großer Teamplayer und das Miteinander liegt mir sehr am Herzen. Ich bin ein positiver und ausgleichender Mensch und bin sehr bodenständig, ehrlich und heimatverbunden. Ich arbeite gerne mit und für Menschen und bin ein offener Typ.

12.  Was wurde in der vergangenen Amtszeit verpasst? Was wollen Sie besser machen?

Nach fast zwei Jahrzehnten mit einer absoluten Mehrheit im Gemeinderat hat unser Mitbewerber in vielen Dingen vergessen, dass Demokratie von Diskussion, Meinungsaustausch und Kompromissen lebt. Ich stehe für ein Miteinander im Gemeinderat und mit allen politischen Gruppierungen. Ich sehe mich als Vertreter aller Bürgerinnen und Bürger. Ich stehe für Kommunikation und Offenheit. Das gab es in Ainring viele Jahre nicht mehr.

13. Was ist für Sie die größte Herausforderung Ihrer Kommune? Wie stehen Sie dazu und was gedenken Sie zu tun?

Ich denke, das Thema Verkehr und Infrastruktur ist in Ainring ein großes Themenfeld. Angefangen bei der Anbindung von Mitterfelden an die Bundesstraße 20 bis hin zu Lärmschutz und einer Entwicklung hin zu mehr Nutzung des ÖPNV gibt es viele Bereiche, die dringend einer Optimierung bedürfen. Im Bereich Infrastruktur gilt es vor allem den Breitbandausbau voranzutreiben. Das wurde in den vergangenen Jahren doch etwas vernachlässigt.

14. Was sind – neben den größten Herausforderungen – Ihre drei wichtigsten Ziele in den kommenden sechs Jahre? Was wollen Sie für die Menschen in ihrer Kommune erreichen?

  • Ich will den riesigen Flächenverbrauch der vergangenen Jahre vor allem durch überbordende Gewerbeausweisungen eindämmen. Wir brauchen sinnvolle Nachverdichtung z.B. durch die Nutzung bisher leerstehender landwirtschaftlicher Gebäude in den verschiedenen Gemeindeteilen.
  • Ich will mehr Wohnraum zu vernünftigen Preisen und für alle Altersgruppen (auch altersgerechtes Wohnen) schaffen, beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugenossenschaft Rupertiwinkel. 
  • Ich will den Ausbau der Energieversorgung in allen Gemeindeteilen durch kleine, zentrale Heizkraftwerke prüfen und vorantreiben. Bevorzugt sollten dabei regenerative Energieträger zum Einsatz kommen.

15. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Kommune und was gedenken Sie hier zu tun?

Auch in Ainring gibt es Bedarf nach neuen Wohnungen. Dabei wollen wir aber behutsam und bedarfsgerecht an das Thema herangehen, um nicht Probleme von anderen Kommunen zu lösen und einen großen Zuzug zu forcieren. Gemeinsam mit bewährten und verlässlichen Partnern wie der Wohnungsbaugenossenschaft Rupertiwinkel können neue Wohnungen zu Top-Konditionen geschaffen werden. Wir möchten grundsätzlich unsere Dörfer nachverdichten und keine großflächigen Ausweisungen auf der grünen Wiese vorantreiben.

16. Der Klimaschutz ist im Moment in aller Munde. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema und was gedenken Sie hier zu tun?

Klimaschutz ist aktive Heimatliebe. Wir müssen mit Augenmaß vorangehen und die positiven Entwicklungen der Vergangenheit verstärken. In Hammerau wird es bald drei Wasserkraftwerke geben, zudem verfügt Mitterfelden über ein Fernheizkraftwerk, welches in Teilen mit Biomasse betrieben wird. Wir müssen dringend die regenerativen Energien stärken und beispielsweise Beschlüsse des alten Gemeinderates aufheben, wonach Freiflächenphotovoltaik-Anlagen nicht gewünscht sind. Ich möchte auch mit unseren Betrieben und Unternehmen sprechen, dass beispielsweise Home-Office wo möglich gefördert wird. Wir müssen Verkehr unterbinden und damit den Klimaschutz vorantreiben.

17. Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und neue Düngeverordnung: Wie stehen Sie zu den Protesten der heimischen Landwirte und gedenken Sie in diesem Punkt zu handeln? Falls ja, wie?

Unsere Gesellschaft neigt gerne zu Extremen. Natürlich ist es so, dass ein Rückgang gerade bei den so wichtigen Insekten zu verzeichnen ist. Aber andererseits gibt es auch die berechtigten Interessen der Landwirte. Ich bin sicher, dass sich auch hier ein Mittelweg finden lässt. Wir Freie Wähler Ainring haben beispielsweise einen Beschluss der Gemeinde Ainring erwirkt, dass auf gemeindlichen Flächen kein Glyphosat mehr verwendet werden darf. Wir folgen damit dem Vorbild der Milchwerke Berchtesgadener Land, die ihren Landwirten das ebenfalls untersagt hat. Dennoch muss auch ein landwirtschaftlicher Betrieb überleben und wirtschaften können. Wenn sich beide Seiten aufeinander zubewegen, dann gibt es Lösungen. Dazu muss man aber wieder lernen miteinander zu reden, vor allem mit den Landwirten. Das ist viel zu wenig passiert. Heutzutage wird ja schon fast vermittelt, dass Landwirte Umweltsünder sind. Das ist so nicht hinnehmbar, denn die Landwirtschaft hat unsere Gesellschaft und Heimat wie kein anderer Berufsstand geprägt. Dialog und Kommunikation sind der Schlüssel für die Zukunft. Auch Kommunen können zu einer Entschärfung beitragen, beispielsweise durch eine spätere erste Maat von Grünflächen, die für die Insekten sehr wichtig ist oder das Schaffen von Rückzugsräumen zum Überwintern. Letztlich geht es um alle Insekten und nicht nur die

Bienen. Die Honigbiene hat den Imker, der sich um sie kümmert; es sind die Wildbienen und anderen Insekten, auf die wir achten müssen.

18. Gibt es noch ein wichtiges Anliegen, das Sie Ihren Wählern gerne mit auf den Weg geben würden? Falls ja, welches?

Ja … und zwar die Bitte: Gehen Sie zur Wahl. Die Demokratie ist die einzige Staatsform, in der jeder selbst bestimmen kann, wie er künftig leben will. Zur Demokratie gehört Meinungsaustausch, Diskussion und Kompromissbereitschaft. Für Ainring wünsche ich mir, dass es keine absoluten Mehrheiten mehr gibt, denn Diskussionen und Entscheidungen in Hinterzimmern sind nicht förderlich für unsere Gesellschaft. Nur durch ein vernünftiges Miteinander können wir vorwärtskommen und uns positiv entwickeln – und genau für dieses Miteinander stehe ich. Die Alleingänge der letzten Jahre dürfen sich nicht mehr wiederholen. Das Amt des Bürgermeisters ist eine Berufung und kein Schritt auf einer Karriereleiter.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten der Kandidatin/des Kandidaten wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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