Kommunalwahl Bayern 2020: Bürgermeisterkandidat von Chieming

18 Fragen an Sebastian Heller (Bündnis 90/Die Grünen)

Chiemings Bürgermeisterkandidat Sebastian Heller (Bündnis 90/Die Grünen)
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Chiemings Bürgermeisterkandidat Sebastian Heller (Bündnis 90/Die Grünen)

Chieming - Am 15. März 2020 finden in Bayern die Kommunalwahlen statt. Auch in Chieming wird der Bürgermeister gewählt. Wir stellen Ihnen die Kandidaten vor. Dieses Mal: Sebastian Heller (Bündnis 90/Die Grünen).

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Die Antworten auf unseren Fragebogen:

1. Name

Sebastian Heller

2. Partei

Bündnis 90/Die Grünen

3. Alter

61 Jahre

4. Wohnort

Chieming (seit 1981)

5. Geburtsort

Rosenheim/Heilig Blut

6. Familienstand

verheiratet

7. Kinder

2 erwachsene Kinder

8.  Wie verlief Ihre bisherige politische Karriere?

  • seit 2008 im Gemeinderat
  • seit 2015 Asyl- und Migrationsbeauftragter der Gemeinde Chieming 
  • seit 2017 Kreisrat 
  • Mitglied im Haushalts- und Umweltausschuss 
  • Mitglied des Aufsichtsrates der landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft
  • Verbandsrat bei der Heimat.Chiemgau

9. Wer sind Ihre politischen Vorbilder?

Sepp Daxenberger, 1. hauptamtlicher grüner Bürgermeister in Bayern, Landtagsabgeordneter (1990 – 1996 und 2008 – 2010)

10. Was verbindet Sie mit Ihrer Kommune? Was ist das Besondere Ihrer Kommune?

Die Gemeinde Chieming ist für mich seit fast 40 Jahren Lebensmittelpunkt und Heimat. Mich beeindruckt das lebendige und vielfältige Gemeindeleben. Ob nun in unseren Vereinen oder in den Kirchengemeinden: die Menschen packen an, wenn sie gebraucht werden und stehen füreinander ein. Ganz besonders konnten wir das bei der Aufnahme von Flüchtlingen in die 2016 eröffnete Gemeinschaftsunterkunft erleben.

11. Warum sind Sie genau der Richtige?

Lokaler Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum und Baugrund, bedarfsgerechte Weiterentwicklung der Betreuungsangebote für Kinder und Jugendliche, sowie für pflegebedürftige Mitbürger sind die herausragenden Herausforderungen der Gegenwart. Gerade die sozialen Themenfelder kenne ich aus langjähriger beruflicher Erfahrung als Fachreferent beim Caritasverband der Erzdiözese München und Freising. Neben dem kommunalpolitischen Fachwissen braucht der Bürgermeister aber vor allem Begeisterungsfähigkeit und Führungskompetenz. Die Fähigkeit, Menschen zu führen und für die gemeinsamen Aufgaben zu motivieren, habe ich in der langjährigen Leitung gemeinnütziger Sozialeinrichtungen wie den Heilpädagogischen Zentren in Ruhpolding und Piding erworben. Die konstruktive und wertschätzende Personalführung zeigt sich dabei als Schlüsselkompetenz, ebenso die zugewandte Kommunikation und das genaue Zuhören. Genau darauf kommt es auch im Bürgermeisteramt an. Nur damit erreicht man die Bürgerschaft, die Mitarbeiter im Rathaus, sowie die Behörden, Planungsbüros und sonstigen Partner für eine erfolgreiche Gemeindearbeit. Nicht zuletzt sind betriebswirtschaftliche Kenntnisse von Nöten, die ich als Sozialbetriebswirt mitbringe.

12. Was wurde in der vergangenen Amtszeit verpasst? Was wollen Sie besser machen?

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13. Was ist für Sie die größte Herausforderung Ihrer Kommune? Wie stehen Sie dazu und was gedenken Sie zu tun?

Für mich ist die demographische Entwicklung in der Gemeinde eine der größten Herausforderungen. Fast 22% der Gemeindebürger sind 65 Jahre oder älter, Tendenz weiterhin steigend. In der Folge nimmt auch die Zahl der Pflegebedürftigen zu, die überwiegend von Familienangehörigen gepflegt und versorgt werden. Menschen mit Pflegebedarf wollen so lange es geht im vertrauten Umfeld bleiben. Damit dies besser möglich wird und zugleich ihre pflegenden Angehörigen entlastet werden, möchte ich eine Tagespflegeeinrichtung aufbauen. Darüber hinaus gilt es, geeignete Wohnräume für Betreutes Wohnen bereit zu stellen.

14. Was sind – neben den größten Herausforderungen – Ihre drei wichtigsten Ziele in den kommenden sechs Jahre? Was wollen Sie für die Menschen in ihrer Kommune erreichen?

  • Verbesserung der belastenden Verkehrssituation an der Chieminger Ortsdurchfahrt Alle sind sich in der Gemeinde Chieming einig, dass sich die Situation bei der Ortsdurchfahrt deutlich verbessern muss. Als Bürgermeister werde ich mich für eine Lösung einsetzen, die ökologisch wie ökonomisch sinnvoll ist und zeitnah Verbesserungen bringt. Dazu werde ich mit dem sogenannten Lärmaktionsplan die Ausweitung der auf einem Teilstück bereits bestehenden Verkehrsberuhigung anpacken. Tempo 30 statt Tempo 50 halbiert nahezu die Lärmbelastung und hebt die Verkehrssicherheit deutlich. Der mautpflichtige Durchgangsverkehr ist auf den mautpflichtigen Straßen (Bundesstraßen, Autobahn) zu halten. Flankierende Gestaltungsmaßnahmen können die Aufenthaltsqualität an der Hauptstraße spürbar heben. 
  • Arbeit und Wirtschaft Die örtlichen Unternehmen und Betriebe sind zentrale Säulen für lokale Arbeitsplätze und für die Gemeindefinanzierung. Die größte Herausforderung für die örtlichen Arbeitgeber stellt derzeit der Fachkräftemangel dar. Als Bürgermeister möchte ich sie bei der Gewinnung und der Bindung von Mitarbeitern unterstützen. Das reicht von der Suche nach bezahlbarem Wohnraum bis zu verlässlichen Betreuungsangeboten für deren Kinder an Schultagen und in den Ferien. 
  • Nachhaltiger und sanfter Tourismus Neben den Handwerksbetrieben, dem Gewerbe und den Dienstleistern bilden Beherbergungsbetriebe und Gastronomie einen wichtigen Wirtschaftsfaktor. Als Bürgermeister werde ich mit den Vermietern, den Gastwirten und der gemeindlichen Tourist Info einen orts- und seeverträglichen Qualitätstourismus weiter entwickeln.

15. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Ihrer Kommune und was gedenken Sie hier zu tun?

Nach der Gemeinde Übersee hat die Gemeinde Chieming mit durchschnittlich 10 € derzeit die höchste Kaltmiete zwischen Rosenheim und Salzburg (Quelle: empirica-regio). Darüber hinaus fehlen sozial gebundene Wohnungen für einkommensschwächere Mitbürger. Auch steigen die Preise für Bauland, das zudem extrem knapp ist, nach wie vor. Für mich als Bürgermeister sehe ich hier als wichtigste Aufgabe, insbesondere im Innenraum bebaubare Flächen zu generieren und das Bauen im Bestand zu forcieren. Da in Zeiten von Niedrigzinsen Grundstücksbesitzer kaum Interesse am Verkauf haben, möchte ich vor allem mit Erbpachtlösungen attraktive Angebote erarbeiten. Ebenso gilt es, Leerstände zu identifizieren und mit den Eigentümern ins Gespräch kommen, wie diese Flächen nutzbar gemacht werden können. Beim Bau von Wohnungen werde ich vor allem mit den örtlichen Immobilienunternehmen und mit der landkreiseigenen Wohnbaugesellschaft zusammenarbeiten.

16. Der Klimaschutz ist im Moment in aller Munde. Wie wichtig ist Ihnen dieses Thema und was gedenken Sie hier zu tun?

Der Klimaschutz ist und bleibt auch in der Gemeinde Chieming das beherrschende Thema. Neben der konsequenten Energieeinsparung ist die zentrale Herausforderung die CO2 neutrale Strom- und Wärmeerzeugung. Dazu eignet sich in der Gemeinde insbesondere die Sonnenenergie. Darüber hinaus muss die regenerative Wärmeerzeugung weitaus mehr in den Fokus genommen werden. Als Bürgermeister werde ich das gemeindliche Klimaschutzkonzept effizient weiter entwickeln. Bau- und Sanierungswillige sollen verstärkt durch Beratungsangebote der lokalen Fachplaner und der landkreiseigenen Energieberatung unterstützt werden. Als weiterer Schwerpunkt ist ein klimafreundliches Mobilitätskonzept zu entwickeln. Dazu gehören örtliche Angebote des öffentlichen Nahverkehrs (Dorflinie, Ruftaxi u. ä.) und eine deutlich verbesserte regionale ÖPNV – Versorgung.

17. Volksbegehren „Rettet die Bienen“ und neue Düngeverordnung: Wie stehen Sie zu den Protesten der heimischen Landwirte und gedenken Sie in diesem Punkt zu handeln? Falls ja, wie?

Sowohl der deutliche Erfolg des Volksbegehrens als auch die lautstarken Proteste der Landwirte zeigen, dass wir zum einen dringenden Handlungsbedarf beim Artenschutz haben und zum andern aber die Landwirte sich nicht ausreichend für ihre Leistungen zum Erhalt einer intakten Kulturlandschaft und für den Trinkwasserschutz wertgeschätzt fühlen, bzw. entsprechend entlohnt werden. Den Wert und den Erfolg der bäuerlichen Arbeit ausschließlich über den Produktpreis zu messen, den national wenige große Handelsunternehmen und international der Weltmarkt bestimmen, greift zu kurz. Als Bürgermeister sehe ich vor allem die Aufgabe, die Bevölkerung und die Landwirte für die gemeinsamen Ziele von Artenschutz und Pflege der Kulturlandschaft auf „Augenhöhe“ zueinander zu bringen. Mit dem örtlichen Lebensmittelhandel gilt es, die regionale Wertschöpfung weiter voranzubringen und mit der Wiederbelebung des Chieminger Regionalmarktes die Direktvermarktung anzukurbeln.

18. Gibt es noch ein wichtiges Anliegen, das Sie Ihren Wählern gerne mit auf den Weg geben würden? Falls ja, welches?

Ich bin ein überzeugter Vertreter der repräsentativen Demokratie und der kommunalen Selbstverwaltung. Diese Prinzipien haben sich in der Vergangenheit bewährt. Damit sich aber die Gemeinde-Demokratie lebendig weiter entwickelt, braucht es darüber hinaus eine aktive und wertschätzende Bürgerbeteiligung, die über die gesetzlichen Standards hinausgeht. Um herauszuarbeiten, wohin sich die Gemeinde entwickeln soll, wo sie in 10, 20 oder 30 Jahren stehen soll, ist eine öffentliche Debatte nötig, an dessen Ende ein Gemeindeentwicklungsplan steht. Diesen Plan möchte ich, fachlich moderiert, zusammen mit dem Gemeinderat, der Verwaltung und der interessierten Bürgerschaft erarbeiten.

Anmerkung der Redaktion: Die Antworten der Kandidatin/des Kandidaten wurden 1:1 von der Redaktion übernommen, inhaltlich nicht überarbeitet und müssen deswegen nicht die Meinung der Redaktion widerspiegeln.

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