So kracht's Silvester - aber richtig

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Landkreis - Ab heute schlagen vor allem Männerherzen wieder höher. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern und Böllern in den heimischen Geschäften beginnt. Doch Böller ist nicht gleich Böller!

Bunt, knallig, laut und fröhlich - so soll es an Silvester in den meisten Haushalten zugehen. Getreu nach dem Motto 'höher, schneller, bunter'. 2009 wurden Böller und Raketen im Wert von 113 Millionen Euro gezündet. Was passiert in diesem Jahr?

“Männer wollen einen mächtigen Bums. Sie wollen den Reiz des Risikos - auf die Idee käme eine Frau gar nicht“, sagt Alfred Gebert, emeritierter Professor für Psychologie und Soziologie der Fachhochschule Münster. “Der Unterschied zwischen dem, was Männer und Frauen für Silvesterknaller ausgeben, ist nicht riesengroß. Die Männer suchen allerdings eher Sachen, die laut knallen und Krach machen, während Frauen eher Dinge wollen, die schön aussehen - zum Beispiel Fontänen oder Goldregen.“ Grund für das alles nach Aussage des Psychologen: “Frauen sind durch die Erziehung immer noch höflicher und zurückhaltender, sie nehmen auch mehr Rücksicht auf andere.“ Das alte Rollenmuster schlage immer noch durch - auch in der Mittelschicht.

Die Polizei warnt aber bereits im Vorfeld des Verkaufes vor Feuerwerkskörpern von zweifelhafter Herkunft. Wichtig sei die sogenannte BAM- oder CE-Kennzeichnung. Pyrotechnische Gegenstände werden je nach Verwendungszweck und Gefährlichkeit außerdem in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die in Deutschland handelsüblichen pyrotechnischen Gegenstände für Silvester sind in die Kategorie II, frei ab 18 Jahren, eingestuft. Nur das so genannte Kleinstfeuerwerk der Kategorie I, z.B.: Knallerbsen oder Wunderkerzen, darf von Personen ab 12 Jahren erworben werden. Strafbar macht sich übrigens auch, wer Feuerwerk der Kategorie II an Personen unter 18 Jahren weitergibt.

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Die Gefährlichkeit von in Deutschland nicht zugelassener Pyrotechnik liegt vor allem in dem verwendeten Explosivstoffinhalt. So stellten die Sprengstoffexperten des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) bei sichergestellten pyrotechnischen Gegenständen aus der tschechischen Republik fest, dass als Explosivstoff Blitzknallsätze auf Chloratbasis statt wie in Deutschland üblich, Schwarzpulver verwendet werden. Die Gefährlichkeit dieser pyrotechnischen Gegenstände begründet sich jedoch nicht nur in der verwendeten Explosivstoffmischung, sondern auch in der Art ihres Aufbaus, wie dies eben auch bei einem besonders gefährlichen Kracher der Fall ist, dem „LA BOMBA“.

So begrüßen die Menschen das neue Jahr

Deshalb empfehlen die Aktion „Das sichere Haus“ DSH und die Feuerwehren, auf Folgendes zu achten:

1. Zulassung: Man sollte nur solche Feuerwerkskörper verwenden, die von der Bundesanstalt für Materialforschung zugelassen sind. Sie sind an den aufgedruckten Buchstaben „BAM“ zu erkennen. Natürlich sollte man keinesfalls selbst Feuerwerkskörper herstellen.

2. Gebrauchsanweisung: Sie ist auf jedem Feuerwerksartikel und auf der Verpackung aufgedruckt. Vor dem Zünden auf jeden Fall in aller Ruhe lesen und auch beachten.

3. Vorbereitungen: Raketen nur senkrecht starten. Am besten eine schwere Wein- oder Sektflasche als Startrampe benutzen. Noch besser ist es, diese Flasche vor dem Raketenstart in die Erde einzugraben. Ein Getränkekasten verbessert die Standsicherheit.

4. Vorsichtsmaßnahmen: Raketen, Knallkörper und andere Feuerwerksartikel nie in geschlossenen Räumen zünden. Immer auf den Sicherheitsabstand zwischen Feuerwerkskörper und Menschen achten. Fenster und Dachfenster schließen, damit abstürzende Raketen oder Leuchtkugeln nicht in die Wohnung gelangen. Die Raketen nie gegen Hindernisse wie Dachvorsprünge oder Bäume auf die Reise schicken.

5. Thema Kinder: Feuerwerkskörper gehören nicht in Kinderhände. Feuerwerkskörper der Klasse II wie Raketen, Kanonenschläge, Blitze und Böller dürfen nur an Menschen über 18 Jahren abgegeben und auch nur von ihnen gezündet werden. Auch das für Kinder zugelassene Kleinstfeuerwerk der Klasse I sollte nur unter Aufsicht von Erwachsenen abgebrannt werden.

6. Thema Alkohol: Alkohol vermindert das Reaktionsvermögen. Deshalb sollte, wer Alkohol genossen hat, das Feuerwerk lieber nur als Zuschauer miterleben.

7. Verboten: Niemals gezündete Knallkörper auf Menschen oder Tiere werfen, mehrere Feuerwerkskörper zu einem Bündel vereinen oder die Zündschnur verkürzen. Gezündetes Feuerwerk nicht aus dem Fenster oder vom Balkon werfen. Blindgänger und Versager auf keinen Fall ein zweites Mal zünden. Besonders gefährlich für die Ohren sind Knaller und Böller, die nahe des Trommelfells gezündet werden.

Woher kommt die Tradition, zum neuen Jahr Feuerwerke zu zünden?

Bereits die alten Germanen sollen ihr neues Jahr mit sehr viel Lärm begrüßt haben – um böse Geister zu vertreiben. Dafür nutzten sie Rasseln und Peitschen. Im Mittelalter wurden daraus dann Glockengeläut und Trompetenfanfaren. Mit der Entwicklung von Schwarzpulver ging man in der Renaissance langsam zu Schüssen aus Büchsen und Gewehren über – aus denen sich das Feuerwerk entwickelte. Anfangs war es aber nur Kirchen und Königen vorbehalten. Mit der Entwicklung der Pyrotechnik wurde es aber langsam auch zur bürgerlichen Tradition. 1838 gründete Georg Berckholz dann die erste deutsche Feuerwerksfirma.

Achtung vor dem Rauch der Böller

Asthmatiker stellen sich an Silvester lieber nicht direkt in die Windrichtung des Rauchs von Raketen und Böllern. Das kann zu akuten Beschwerden führen. Besser sei es, das Feuerwerk mit Sicherheitsabstand oder gleich vom geschlossenen Fenster aus zu beobachten, empfiehlt Prof. Harald Morr von der Deutschen Lungenstiftung in Hannover. Andernfalls laufen Betroffene Gefahr, zu viel Feinstaub einzuatmen. Das könne zu akuten Atembeschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Asthmaanfällen führen.

Ein buntes Feuerwerk enthält einer aktuellen Studie aus Spanien zufolge etliche giftige Metallverbindungen, deren wenige Mikrometer große Partikel tief in die Lunge vordringen. Gerade zu Silvester ist laut Morr damit zu rechnen, dass die Luft mit Schadstoffen belastet ist. Daher sollten Lungenkranke auch einen Spaziergang im neuen Jahr lieber auf eine Zeit verschieben, zu der sich der Rauch ganz verzogen hat. Die Studie habe ergeben, dass die Schadstoffbelastung auch noch einige Tage nach dem Feuerwerk deutlich erhöht sei.

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