Krailling-Prozess: Das sagte der Onkel

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München - Der mutmaßliche Mörder der Kraillinger Schwestern Chiara und Sharon hat am Dienstag vor dem Landgericht sein Schweigen gebrochen. Dabei ging er vor allem auf die Zeugen los.

Der mutmaßliche Mörder der Kraillinger Schwestern Chiara und Sharon hat vor dem Münchner Landgericht alle Vorwürfe zurückgewiesen. Er sei unschuldig, sagte der 51-jährige angeklagte Onkel der Kinder am Dienstag. „Nachdem ich jetzt fast ein Jahr verhaftet bin, möchte ich zu den bisher gemachten Aussagen Stellung nehmen.“ Es gebe „sehr unterschiedliche Wahrnehmungen“ der Zeugen, die sich teils widersprächen und teils falsch seien. Wenn er manche Zeugen nicht erwähne, heiße das nicht, dass deren Aussage richtig gewesen sei - möglicherweise sei der Zeuge einfach zu unwichtig gewesen. Den Ermittlern warf er vor, sie hätten nicht genug Fotos vom Tatort gemacht. Daraufhin ging ein ungläubiges Raunen durch den Zuschauerraum. Dort saßen auch Familienangehörige, teils mit Tränen in den Augen.

Die Anklage weise „gravierende Fehler“ auf, sagte der angeklagte Postbote. Er habe entgegen der Sachverständigengutachten keine Wunde an der Nase gehabt, die von einem Kampf hätte stammen können. Auch sei es einem einzelnen Mann gar nicht möglich, zwei Mädchen auf einmal zu kontrollieren. Er habe in seinen 50 Lebensjahren nie jemandem ernsthaft etwas zuleide getan.

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Die Staatsanwaltschaft sieht jedoch weiter keinen Grund, an der Mordanklage zu zweifeln. „Er hat Hypothesen aufgestellt, die sich aus unserer Sicht so nicht halten lassen“, sagte Oberstaatsanwältin Andrea Titz zu den Aussagen. Seine Darstellung sei zwar in sich verständlich. Aber: „Aus unserer Sicht ist das in keinster Weise glaubwürdig. Wir gehen weiter von seiner Täterschaft aus.“

Der verschuldete Familienvater soll die Kinder in der Nacht zum 24. März 2011 in ihrer Wohnung in Krailling ermordet haben. Die Anklage wirft ihm vor, er habe auch die Mutter der Kinder töten wollen, um einen Erbstreit zugunsten seiner Ehefrau zu entscheiden.

Bisher hatte der 51-Jährige vor Gericht keine Aussage gemacht. Nun rechnete er vor, die Familie habe nicht mehr ausgegeben als eingenommen, vielmehr seien im Jahr rund 22.000 Euro übriggeblieben. Damit „sollte man über die Runden kommen“. Auch hätte der Tod der Mutter der getöteten Schwestern wegen einer testamentarischen Erbregelung für seine Frau nur 3,50 Euro im Monat gebracht. Dafür würde niemand zwei Kinder töten.

Erneut ließ der Angeklagte das Blitzlichtgewitter der Fotografen ohne sichtbare Regung über sich ergehen. Ursprünglich sollte am Dienstag bereits das Urteil gesprochen werden, doch am Vortag hatte der Angeklagte überraschend eine Aussage angekündigt. Sein Verteidiger Adam Ahmed wollte zudem neue Anträge stellen.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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