Gerücht aus Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen

„Mann durch Tragen einer Maske gestorben“: „Querdenker“ verbreiten bedenkliche Falschmeldung

Bad Tölz-Wolfratshausen - Tod durch Maske? Immer neue Gerüchte um angebliche Todesfälle im Zusammenhang mit der Maskenpflicht machen die Runde. Nun soll ein Mann in einer Behinderteneinrichtung gestorben sein. Doch es handelt sich zum wiederholtem Male um eine Falschmeldung.

Das Tragen von Masken gilt in der Bekämpfung gegen die Ausbreitung des Coronavirus weltweit als eine der zentralen Maßnahmen. Auch in Deutschland müssen die Menschen seit Ende April in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Einkaufen oder in Restaurants einen Mund-Nasen-Schutz tragen, um eine Übertragung von Sars-Cov-2 zu vermeiden bzw. die Wahrscheinlichkeit einer Infektion zu vermindern. Inzwischen ist die Maske auch für viele Schulkinder ein treuer Begleiter geworden.

Bad Tölz-Wolfratshausen: Mann soll durch Tragen von Maske gestorben sein

Doch nun tauchen in sozialen Netzwerken immer wieder die Behauptungen auf, das Tragen einer Alltagsmaske stelle eine Gefahr für das Wohl des Trägers dar - speziell für Kinder und ältere Menschen. Vor allem Corona-Skeptiker und Leugner verbreiten diese Geschichten. Eine neuer Fall in Bad Tölz sorgt derzeit für Aufsehen. Wie unser Partnerportal merkur.de berichtet, teilte Tobias Schmid, Sprecher der Organisation „Querdenken 8041“, die regelmäßig zu Demos gegen die Corona-Politik aufruft, dem Tölzer Kurier mit, er habe „von verschiedenen Seiten“ den Hinweis bekommen, dass im Landkreis „in einer Behinderten-Werkstatt ein Mann tot umgefallen ist, der mit Maske arbeiten musste“.

In einer anonymisierten Mail soll Schmid erläutert haben, dass der Mann während der Arbeit einfach tot umgefallen sei. Des Weiteren habe der Mitarbeiter, der nach dem Zusammenbruch des Mannes den Notarzt gerufen habe, für sein Handeln Ärger mit seinem Chef bekommen.

Integrierte Leitstelle Oberland (ILS) spricht von Gerücht ohne Wahrheitsgehalt

Dieses Gerücht entspricht aber wohl in keiner Weise der Wahrheit. Die Integrierte Leitstelle Oberland (ILS) müsste über einen solchen Notarzt-Einsatz informiert sein, da diese für die Koordination der Rettungsdienste zuständig ist. Sohrab Taheri-Sohi, Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), das für die ILS Oberland zuständig ist, erklärte auf merkur-Nachfrage allerdings, dass es im gesamten Rettungsdienstbereich der ILS Oberland in den vergangenen Wochen keinen Einsatz dieser Art in einer Behinderteneinrichtung gab. „Es kommt in letzter Zeit aber immer wieder vor, dass solche Gerüchte gestreut werden“, sagte Taheri-Sohi.

merkur.de erkundigte sich zudem noch bei den Oberland-Werkstätten in Gaißach und Geretsried nach einem möglichen Fall. Auch dort eine eindeutige Antwort: „Es kam generell zu keinem Todesfall in der letzten Zeit in einer unserer Einrichtungen. Erst recht nicht aufgrund der Maskenpflicht.“

Immer neue Gerüchte um Todesfälle: Polizei warnt vor Falschmeldungen

In den vergangenen Wochen machten bereits immer mehr Meldungen die Runde, Kinder seien infolge des Tragens eines Mundschutzes gestorben. So auch in Schweinfurt: Auf Facebook wurde ein Beitrag verbreitet, dass ein sechsjähriges Mädchen durch das Tragen einer Maske erst bewusstlos wurde und dann starb.

„Das sind Internetmärchen, die seit Dienstag auf verschiedenen Social-Media-Kanälen in der Region verbreitet werden“, nahm dazu eine Sprecherin der Polizei Unterfranken Stellung. Auch von dem angeblich maskenbedingten Tod zweier Kinder in Ostfriesland und in Wiesbaden ist in sozialen Netzwerken die Rede. Die zuständigen Staatsanwaltschaften in Wiesbaden und Aurich (Ostfriesland) teilten allerdings der dpa mit, dass ihnen keine solchen Fälle bekannt seien.

Tod durch Maske „unmöglich“

Dennoch stellen sich einige Eltern die Frage, ob Masken für Kinder gefährlich sein könnten. Die Bewertung von Experten ist eindeutig: Die Behauptung, Masken könnten für Kinder eine Gefahr darstellen, ist falsch. Wenn es sich um eine luftdurchlässige Community-Maske handelt, besteht für das Kind keine Gefahr.  Der Berliner Mediziner und Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, bezeichnet es auf dpa-Anfrage sogar als „unmöglich“, dass ein Kind durch das Tragen einer Alltagsmaske ums Leben kommen könne. Auch kleine Kinder könnten einen Mundschutz tragen.

mz

Rubriklistenbild: © Lino Mirgeler

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