Kreisvorsitzende des DEHOGA-Kreisverbandes Rosenheim äußert sich

„Das Beherbergungsverbot ist dramatisch“ - Stornierungsbeispiel bestätigt die Lage

Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gastgewerbeverbandes (DEHOGA) und Gastwirtin des Hotel zur Post in Rohrdorf
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Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gastgewerbeverbandes (DEHOGA) Rosenheim und Gastwirtin des Hotel zur Post in Rohrdorf

Landkreis - Die Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel beraten am Mittwoch über Corona-Maßnahmen. Auch das umstrittene Beherbergungsverbot soll Thema sein. Die Kritik daran wächst. Auch aus der Region kommen kritische Stimmen.

„Das Beherbergungsverbot ist für die Hotellerie und auch für das Gastgewerbe dramatisch. Viele Hotels haben mit erheblichen Stornierungen zu kämpfen und allein das negativ besetzte Wort „Beherbergungsverbot“ führt dazu, dass viele Menschen jetzt nicht mehr verreisen werden“, so Theresa Albrecht, Kreisvorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gastgewerbeverbandes (DEHOGA) Rosenheim und Gastwirtin des Hotel zur Post in Rohrdorf gegenüber rosenheim24.de. „Viele Betriebe haben jetzt schon aufgegeben oder stehen vor der Insolvenz - und ein Ende ist nicht abzusehen.“

Beherbergungsverbot für das Gastgewerbe dramatisch

Die derzeit geltende Regelung sei laut Albrecht völlig praxisfern. „Über 10.000 Hoteliers in Deutschland sollen ständig nachsehen, was sich wie verändert. Es kann nicht die Aufgabe der Betriebe sind, das zu überprüfen, bzw. zu „Hilfssheriffs“ des Staates zu werden.“ Auch sei nichts mehr planbar, sowohl für die Hotels als auch für die Gäste, wenn sich kurz vor Anreise sich beispielsweise wieder alles ändere.

„Dabei hat die Hotellerie in den letzten Monaten bewiesen, dass sie die richtigen Hygienekonzepte haben, um Gäste weiter zu beherbergen. Die Gäste stecken sich nicht in der Hotellerie an, sondern auf Parties etc.“, so Albrecht. „Und immer noch mehr Verbote führen dazu, dass die Akzeptanz bei den Deutschen sinkt. Wenn man jetzt innerhalb Deutschlands auch nicht mehr verreisen darf, werden die Deutschen wieder in ausländische Hochrisikogebiete fahren und sich dort anstecken. Dann reisen sie an der Grenze ein und dort kontrolliert niemand, ob sie wirklich einen Test machen oder nicht. Das Ergebnis ist fatal.“ Ihrer Meinung nach wäre es besser, die Menschen hätten die Möglichkeit in einem kontrollierten Rahmen, sie in Betrieben mit guten hygienischen Konzepten, innerhalb Deutschlands verreisen zu lassen.

Stornierungsbeispiel zeigt dramatische Lage

Ein Stornierungsbericht eines Betriebes mit zehn Zimmern im Landkreis, der unserer Redaktion vorliegt, bestätigt die Lage im Landkreis. Der Betrieb hatte mit dem Beherbergungsverbot elf Stornierungen und somit einen Umsatzausfall von 4.862,35 Euro. Neue Buchungen kommen nicht dazu. „Die große Mehrzahl der Betriebe sind kleine und mittelgroße Betriebe (über 80 Prozent)“, weiß Albrecht. „Die Gesetzgebung ist somit sehr folgenschwer für unsere Betriebe.“

Auch Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer der Dehoga Bayern sieht das so. Im Gespräch mit rosenheim24.de erklärt er: „Ganz grundsätzlich sehen wir das Verbot als unverhältnismäßig an. Es ist aus unserer Sicht weder erforderlich noch verhältnismäßig.“ Laut Geppert gebe es keine Daten und Studien, die belegen würden, dass Gaststätten und Herbergen Infektionsherde seien. „Man schafft nur Verwirrung und Unsicherheit. Ich verstehe es nicht, dass Personen aus Risikogebieten verboten wird irgendwo zu übernachten, sie sich sonst aber frei bewegen können.“

Auch Geppert bestätigt die Stornierungswellen, die schon vor In Kraft treten des Verbotes kamen, allein mit dem Begriff „Beherbergungsverbot“. „Man sollte endlich die wahren Ursachen erforschen. Man hat keine Probleme in organisierten Bereichen wie dem Gastgewerbe“, so Geppert. „Der entscheidende Maßstab ist, ob man Ketten nachvollziehen kann oder nicht und nicht die Inzidenzzahl.“

Positionen im Streit um Beherbergungsverbot auch auf Biundesebene verhärtet

Im Streit um die Beherbergungsverbote vieler Bundesländer zum Schutz vor Corona-Infektionen sind die Positionen vor dem Treffen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten auch auf Bundesebene festgefahren. Regierungschefs wie Manuela Schwesig (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern und Markus Söder (CSU) in Bayern verteidigten diese Maßnahme mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen.

jb

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