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Inzidenz in Bayern um 30 Prozent gesunken, aber...

Nach Bierwoche: Kulmbach bundesweiter Hotspot - Sorge um Volksfeste als „Superspreader-Events“ wächst

Das Gäubodenfest in Straubing gilt als Testlauf fürs Oktoberfest.
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Das Gäubodenfest in Straubing gilt als Testlauf fürs Oktoberfest.

Die aktuelle Corona-Welle ist im Großteil von Bayern weiter auf dem Rückzug. Mehrere wichtige Indikatoren wiesen am Freitag (12. August) klar nach unten. Allerdings gibt es einen deutlichen Ausreißer: In Kulmbach ist die Inzidenz auf 1426,6 gestiegen - den auch bundesweit mit Abstand höchsten Wert. Kurz vor dem aktuellen Anstieg hatte es dort die Kulmbacher Bierwoche gegeben. Was das bedeutet.

Bayern/Kulmbach/Rosenheim - „Corona ist mal wieder vorbei“, so könnte man zumindest die neuesten Zahlen des Robert Koch-Instituts interpretieren. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Bayern sank binnen Wochenfrist um rund 30 Prozent auf 336,1 (Vergleich: Bundesweiter Wert liegt bei 345,9) Vor drei Wochen hatte sie noch fast dreimal so hoch gelegen.

Bei den Inzidenzzahlen gehen Experten allerdings seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Allerdings werden auch für die bayerischen Krankenhäuser weniger Einweisungen im Zusammenhang mit Corona gemeldet. Laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gab es in den vergangenen sieben Tagen 878 Fälle - vor einer Woche waren es noch 1056, vor drei Wochen 1427.

Selbst auf den Intensivstationen weist die Tendenz derzeit stabil nach unten: Für Donnerstag meldete das bundesweite Intensivregister 195 Corona-Patienten. Eine Woche zuvor waren es noch 219, drei Wochen zuvor, Ende Juli waren es zwischenzeitlich mehr als 280.

Dennoch ist die Situation in den Intensivstationen weiter angespannt, wobei hier nicht nur Patienten, sondern auch andere Faktoren eine Rolle spielen, beispielsweise Infektionen beim Personal. Am Donnerstag meldeten 77 Stationen in Bayern eingeschränkten Betrieb, 41 teilweise eingeschränkten Betrieb und 57 regulären Betrieb. Hier ist die Entwicklung uneinheitlich: Sowohl die Zahl der Stationen mit regulärem als auch die mit eingeschränktem Betrieb ist leicht gestiegen.

Kulmbach ist aktuell Deutschlands Corona-Hotspot

Beim Blick auf die Landkreisebene zeigt sich ebenfalls ein deutlicher Rückgang: Vor einer Woche lagen noch 44 bei einer Inzidenz von mehr als 500. Am Freitag waren es nur noch vier - drei davon nur relativ knapp. Allerdings gibt es einen deutlichen Ausreißer: In Kulmbach ist die Inzidenz auf 1426,6 gestiegen - den auch bundesweit mit Abstand höchsten Wert.

Kurz vor dem aktuellen Anstieg hatte es dort die Kulmbacher Bierwoche gegeben. Einen direkten Zusammenhang nachzuweisen, ist schwierig, allerdings sagte Landrat Klaus Peter Söllner dem „Fränkischen Tag“: „Natürlich hat das Bierfest einen Effekt auf die Inzidenz, das ist völlig klar.“

War die Kulmbacher Bierwoche der Auslöser?

Auf Nachfrage von „inFranken.de“ erklärte Dieter Witterauf, Sprecher des Landratsamtes Kulmbach, hierzu: „Überall dort, wo Menschen auf dichtem Raum zusammenkommen, können sich Ansteckungen ergeben. Das gilt für jede Art von Großveranstaltung.“ Auch wenn viele das Bierfest als „Superspreader-Event“ auszumachen glauben, sei dies nicht zu beweisen, so die weiteren Ausführungen.

Ende Juli konnte in der Region Erlangen ein ähnliches Phänomen beobachtet werden, als die Corona-Zahlen nach der Bergkirchweih nach oben schnellten. Innerhalb kurzer Zeit war es zu einer massiven Zunahme der Corona-Fallzahlen gekommen. Die Inzidenzen der Stadt und des Kreises Erlangen-Höchstadt knackten sogar die 1000er-Marken. Einen vierstelligen Wert hatte der Landkreis zuletzt am 30. April aufgewiesen - damals hatte die 7-Tage-Inzidenz bei 1021,7 gelegen. Mittlerweile liegt der Wert wieder bei 388,8.

„Jeder Veranstaltungsbesuch ist mit einem möglichen Infektionsrisiko verbunden“

Spannend zu beobachten wird nun auch, wie sich die Corona-Zahlen in den nächsten Tagen und Wochen im Kreis Straubing-Bogen verändern - aktuell liegt die Inzidenz hier bei 255,5. Am Freitag (12. August) beginnt dort das Straubinger Gäubodenfest: Elf Tage lang blüht die Stadt dann auf, wenn sich das Riesenrad endlich wieder dreht und in den Festzeltern geschunkelt wird. Das zweitgrößte Volksfest Bayerns mit rund 1,4 Millionen Besuchern gilt als „Test-Fest für die Wiesn 2022“ in München und Rosenheim.

Im April fiel das Ja zum Gäubodenvolksfest nach den Corona-Zwangspausen. Damals konnte noch niemand ahnen, dass der diesjährige Sommer – anders als die zwei zuvor – hohe Inzidenzen bringen würde. Straubings OB Markus Pannermayr (CSU) erklärte in diesem Zusammenhang: „Jeder Veranstaltungsbesuch ist eine persönliche Entscheidung und mit einem möglichen Infektionsrisiko verbunden. Dazu gehört die ehrliche Feststellung, dass wir auch damit rechnen müssen, dass das Volksfest Auswirkungen auf das Infektionsgeschehen in der Region haben wird.“

Und auch die Verantwortlichen vom Klinikum St. Elisabeth in der Stadt haben ihre Bedenken. Christian Thiel, ärztlicher Leiter im Notfallzentrum, sagte der AZ: „Wir erwarten im Rahmen des Gäubodenvolksfestes leider auch vermehrt Personalausfall durch Covid-Infektionen beziehungsweise Quarantänepflichten der Covid-positiven Mitarbeiter. Zeitgleich wird der Patientenzustrom steigen.“

Gäubodenfest:

Anton Nothaft, seit 35 Jahren Festzelt-Wirt auf dem Gäubodenfest in Straubing, schätzt die Lage im Interview mit unserem Partnerportal merkur.de anders ein: „Wir wollen Corona auch nicht bagatellisieren. Aber wenn Wissenschaftler wie Professorin Ulrike Protzer vom Helmholtz-Zentrum in München äußern, dass sie keine Bedenken wegen des Oktoberfests haben, warum sollen wir Mitte August Bedenken mit dem Gäubodenfest haben?“ Und weiter: „Gerade erst fand in München ein Konzert mit 90.000 Besuchern statt – darüber wird nicht geredet.“

Frühestens Ende Herbst bzw. Anfang Winter wird man beurteilen können, welchen Einfluss Bier- und Volksfeste auf das Infektionsgeschehen wirklich hatten. Wenngleich es sich oft nur um Vermutungen handeln wird, sollten die Corona-Zahlen in den entsprechenden Regionen wieder stark ansteigen.

Zu Pandemie-Beginn wurde das Rosenheimer Starkbierfest als „Viren-Schleuder“ betitelt. Dieser Veranstaltung in der Inntalhalle wird bis heute ein hochprozentiger Beitrag zum Infektionsgeschehen nachgesagt und sorgte bundesweit für Aufregung. „Bayerns fatale Liebe zum Starkbier“ titelte das Magazin „Spiegel“ damals.

Nur wenige Tage vor dessen Start am 6. März 2020 hatte Mediziner Hierl dazu geraten, das Fest wegen zu hoher Infektionsgefahr abzusagen. Die Stadt – unter der damaligen Oberbürgermeisterin Gabi Bauer (CSU) – folgte dem Rat des Gesundheitsamt-Chefs aber nicht und entschied sich dazu, das beliebte Starkbierfest stattfinden zu lassen – um es nach drei feuchtfröhlichen Abenden dann doch wieder zu beenden.

Trotz all der Aufregung um das Starkbierfest bleiben Hierl und andere Experten bzw. Regionalpolitiker aber bei ihrer Meinung: Das Starkbierfest sei kein Superspreader-Event gewesen, sagen sie und beziehen sich immer wieder auf die Daten, die dem Gesundheitsamt in Rosenheim vorliegen. Die Infektionsketten, betonen sie, würden ganz klar andere Zusammenhänge aufzeigen. Zum Beispiel zu Reiserückkehrern aus Norditalien – und aus Ischgl.

Fakt ist, dass die beliebten Volksfeste in Bayern nach zwei Jahren Pause wieder stattfinden dürfen und für viel Vorfreude sorgen. Bereits Anfang Mai wurden die Rosenheimer Brauereien mit Reservierungsanfragen überschüttet. „Wir spüren großes Interesse und richtig große Vorfreude“, sagte Klaus Hertreiter, Geschäftsführer des Wirtschaftlichen Verbands, der die Rosenheimer Wiesn ausrichtet.

mz

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