Ein Kuss mit Folgen

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Rosenheim – Er war eigentlich nur auf ein Abenteuer aus, gelandet ist der Kosovare aber auf der Anklagebank. Jetzt muss er sogar in den Knast: Sechs Monate - ohne Bewährung!

Die 24-Jährige mit dem zart-dunklen Teint, die dem Kosovaren nun vor dem Schöffengericht auf der Zeugenbank gegenüber saß, sei ihm ins Auge gestochen, also hatte der jetzt Angeklagte versucht, sie anzuflirten. Die Verständigung war holprig, denn die junge Rumänin und der 45-Jährige hatten nur eine gemeinsame Sprache, nämlich Deutsch – und diese beherrschen beide nur rudimentär. Der Angeklagte berichtete, er habe versucht, mit der jungen Frau ins Gespräch zu kommen. Als er nach einem Gang zur Toilette zurückkam, war die 24-Jährige verschwunden und der Angeklagte fuhr in Richtung Heimat die Münchenerstraße stadtauswärts. Auf Höhe der Auerbrauerei entdeckte er die Frau wieder, stadtauswärts laufend. Er hielt an – und ab diesem Zeitpunkt unterscheiden sich die Schilderungen des Angeklagten und der Zeugin.

Nach seinen Angaben lud er die Frau ein, sie nach Hause zu bringen, was sie dankbar annahm. Der 45-Jährige habe sie, gemäß ihren Angaben chauffiert und sie gefragt, ob man sich nicht einmal wiedersehen könne. Diesem Vorschlag habe sich die Rumänin nicht abgeneigt gezeigt und so habe er ihr seine Visitenkarte gegeben. Die junge Frau hätte ihn zum Abschied geküsst und er ihr einen Kuss auf die Wange gegeben – man habe sich in aller Freundschaft getrennt.

Den Angaben der Gegenseite zu Folge, habe der Angeklagte sie hartnäckig mit dem Auto verfolgt und sie nachdrücklich zum Einsteigen aufgefordert. Aus Angst sei sie dieser Aufforderung schließlich nachgekommen. Der Angeklagte sei im Wagen höflich und charmant gewesen, jedoch habe er begonnen, sie an Oberschenkel und Busen zu streicheln. Als sie sich dagegen verwahrte, hätte er damit aufgehört. Als sie ihren Fahrer schließlich zum Anhalten genötigt habe, hätte er sie in den Haaren am Kopf gefasst, herangezogen und sie gegen ihren Willen auf den Mund geküsst. Dabei hätte er sie schmerzhaft über der Oberlippe gebissen. Die Rumänin habe zwar zugestimmt, sich wieder mit ihm treffen zu wollen, dies aber lediglich deshalb, um aus dem Auto zu kommen. Ein schmerzhaftes Bissmal über dem Mund habe sie davongetragen, was ihr Hausarzt in einem Attest bestätigte.

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft reduzierte die versuchte sexuelle Nötigung auf den Kussversuch des Gärtnereiangestellten, der aber dennoch nicht hingenommen werden könne. Er beantragte neun Monate Gefängnis.

Rechtsanwalt Dr. Werner Schopp führte aus, dass die Glaubhaftigkeit der Zeugin doch sehr in Frage zu stellen sei. „Wer steigt aus Angst in ein Auto, das rund sechs Meter entfernt steht?“ Schließlich seien an besagter Stelle Radweg und parkende Autos zu passieren gewesen. Möglicherweise nicht willentlich könnte sich die Zeugin jedoch einladend, oder zumindest missverständlich verhalten haben. Zumal sie wörtlich gesagt hatte: „Wenn ich etwas nicht verstanden habe, dann hab ich es eben so stehen lassen.“ Damit gäbe es nicht ausräumbare Zweifel. Deshalb sei sein Mandant freizusprechen, zumal dieser sich seit 13 Jahren völlig unbescholten in Deutschland aufhalte.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber kam zu der Überzeugung, der Angeklagte habe versucht der Geschädigten mit Gewalt einen Kuss aufzuzwingen. Damit hätte er sich der versuchten sexuellen Nötigung schuldig gemacht. Er wurde zu sechs Monaten Haft verurteilt. Weil er nicht geständig, also ohne Einsicht sei, könne er auch keine Bewährung erhalten.

Rechtsanwalt Rupp kündigte noch im Gerichtssaal an, er werde Berufung einlegen.

au/Oberbayerisches Volksblatt

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