Landeskirche entschuldigt sich bei Theologinnen

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Johannes Friedrich

Nürnberg - Sie hatten sich den Weg auf die Kanzel hart erkämpfen müssen und selbst dann blieb vielen Pfarrerinnen der Respekt noch versagt - jetzt hat sich die bayerische Landeskirche für den lange Zeit diskriminierenden Umgang mit ihnen entschuldigt.

Landesbischof Johannes Friedrich sprach am Mittwoch sein Bedauern darüber aus, dass die Kirche Frauen auf dem Weg zum Pfarramt Steine in den Weg gelegt hatte.

Die bayerische Landeskirche habe sich schuldig gemacht, “indem sie Männern und Frauen in der Nachfolge Jesu nicht den gleichen Wert und die gleichen Möglichkeiten eingeräumt hat, wie es der Glaube an Jesus Christus geboten hätte“. Das Glaubenszeugnis der Frauen sei lange “überhört und verhindert“ worden, sagte er bei einer Feier zum 75- jährigen Bestehen des bayerischen Theologinnen-Konvents in Nürnberg.

Erst 1975 wurde in Bayern die Ordination von Frauen eingeführt, zuvor war es den Theologinnen von 1944 an lediglich möglich, als Vikarinnen zu wirken - und hier vor allem in den Bereichen Frauen- und Jugendarbeit. Von 1970 an war es evangelischen Theologinnen dann erlaubt, mit Zustimmung des Kirchenvorstands zu predigen. Erst das “Pfarrerinnengesetz“ fünf Jahre später schaffte eine Gleichstellung von männlichen und weiblichen Theologen. “Das ist erstritten worden, ganz klar“, sagte die Nürnberger Pfarrerin Silvia Jühne der Nachrichtenagentur dpa.

1935, im Jahr der Gründung des Theologinnen-Konvents, hatte die Landeskirche Studentinnen der evangelischen Theologie ein kirchliches Examen verweigert. Zudem hatten Absolventinnen eines Theologiestudiums keinen Anspruch auf eine Anstellung in der Landeskirche. “Das Predigt- und das Lehramt war für Frauen lange nicht zugänglich“, erinnerte Jühne an die Geschichte der evangelischen Kirche in Deutschland. Die Theologinnen, die sich dann im September vor 75 Jahren zu einer Interessenvertretung zusammengeschlossen hatten, hätte hartnäckig dafür geworben, “dass auch eine Frau das Pfarramt voll ausfüllen kann“.

Der Konvent verstehe sich auch heute noch als Rückhalt der Theologinnen, denn auch seit 1975 gebe es eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen. Schließlich sei es männlichen Kollegen und Kirchenvorständen lange noch erlaubt gewesen, aus Gewissensgründen eine Pfarrerin in ihrer Gemeinde abzulehnen. Dieser sogenannte Vetoparagraf fiel erst 1998. “Seitdem können wir von voller rechtlicher Gleichstellung von Frauen und Männern im Amt reden“, sagte Jühne.

dpa

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