Prozess um getöteten Feuerwehrmann erschüttert Augsburg

Familienvater und Feuerwehrmann mit Faustschlag getötet: 17-Jähriger muss ins Gefängnis

Der Hauptangeklagte (l) steht im Gerichtssaal des Landgerichtes neben zwei Mitangeklagten. Drei junge Männer müssen sich vor Gericht verantworten weil sie an einer Auseinandersetzung mit tödlichem Ausgang in der Augsburger Innenstadt beteiligt waren.
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Der Hauptangeklagte (l) steht im Gerichtssaal des Landgerichtes neben zwei Mitangeklagten. Drei junge Männer müssen sich vor Gericht verantworten, weil sie an einer Auseinandersetzung mit tödlichem Ausgang in der Augsburger Innenstadt beteiligt waren.

Augsburg - Ein brutales Verbrechen erschüttert 2019 das vorweihnachtliche Augsburg. Ein 49-Jähriger verliert im Streit mit Jugendlichen sein Leben, ein 17-Jähriger sitzt deshalb seit Ende Oktober auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft forderte für ihn sechs Jahre Haft, die Verteidigung plädierte auf Nothilfe. Das Urteil fällt am Freitag.

Update, 11.04 Uhr: Urteil gefallen

Nach dem tödlichen Schlag gegen einen Familienvater in Augsburg ist der 17-jährige Täter zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Das Landgericht Augsburg sah es am Freitag als erwiesen an, dass er am Nikolaustag 2019 den Mann am Königsplatz mit einem Faustschlag ins Gesicht tödlich verletzt hatte.

Die Jugendkammer sprach den Jugendlichen der Körperverletzung mit Todesfolge und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Sechs Jahre Haft. Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis.

Nach der Gewalttat verprügelte der 17-Jährige dann noch zusammen mit zwei Freunden den 50 Jahre alten zweiten Mann und verletzte ihn schwer. Dafür verurteilte ihn das Gericht wegen gefährlicher Körperverletzung.

Die Verteidiger des Jugendlichen hatten auf Nothilfe und eine Bewährungsstrafe plädiert. Denn ihr Mandant habe einen Freund schützen wollen, den der Familienvater zuvor gestoßen habe. „Für mich ist das eine Attacke“, betonte einer der Verteidiger am Vortag. Rechtlich sei der Faustschlag also Nothilfe gewesen. Die Bewährungsstrafe ergebe sich aus der gefährlichen Körperverletzung gegen den 50-jährigen Freund des Mannes, sagten die Anwälte am Donnerstag weiter.

Erstmeldung:

Unsere Stimmung war gut“, erinnerte sich der 17-jährige Halid am ersten Verhandlungstag Ende Oktober an den Nikolausabend 2019. Nur der Tabak habe ihm und sechs anderen jungen Männern bei ihrem feuchtfröhlichen Zug durch die Augsburger Innenstadt gefehlt. Am Königsplatz fragt einer von ihnen einen Passanten nach einer Zigarette, es kommt zum Streit, Halid schlägt zu. Mit einem einzigen Faustschlag tötet er einen 49-Jährigen: einen Familienvater und Feuerwehrmann, der gerade mit Ehefrau und einem befreundeten Paar vom Weihnachtsmarkt und einem Restaurantbesuch gekommen ist. Der 49-jährige Feuerwehrmann war durch eine Hirnblutung infolge des Schlages binnen kurzer Zeit gestorben.

Augsburger Landgericht: Urteil soll am Freitag fallen

Seit zwei Wochen beschäftigt sich das Augsburger Landgericht mit diesem schwierigen Fall - auch Videoaufnahmen von der Tat wurden abgespielt. Am Donnerstag wurden die Plädoyers gehalten. Nach dem Willen von Staatsanwalt und Nebenklägern soll der 17-jährige Angeklagte zu sechs Jahren Haft verurteilt werden. Er sehe es als erwiesen an, dass der Jugendliche am Abend des Nikolaustags 2019 den tödlichen Faustschlag aus Streben nach Dominanz abgegeben habe, sagte der Staatsanwalt am Donnerstag vor der Jugendkammer des Augsburger Landgerichts. Die Verteidigung forderte eine Bewährungsstrafe.

„Angst war es nicht, Verteidigungswille war es nicht“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer für die Verhängung der Jugendstrafe. Als das 49-jährige Opfer am Boden lag, habe der junge Mann gemeinsam mit zwei weiteren Jugendlichen noch einen Freund des Mannes verprügelt und schwer verletzt. „Die Lektion war, wo ist die nächste Gelegenheit?“ 

Eine Überwachungskamera auf dem Platz, der als Kriminalitätsschwerpunkt in Bayerns drittgrößter Stadt gilt, hatte die Gewalttaten aufgezeichnet. Den tödlichen Schlag hatte der 17-Jährige direkt zu Prozessbeginn gestanden. 

Handelte der Angeklagte aus Nothilfe?

Aus Sicht der Verteidigung kann man ihn aber nicht dafür bestrafen - er habe einen Freund schützen wollen, den der 49-Jährige zuvor gestoßen habe. „Für mich ist das eine Attacke“, betonte einer der Verteidiger. Rechtlich sei der Faustschlag also Nothilfe gewesen. Die Bewährungsstrafe ergebe sich aus der gefährlichen Körperverletzung gegen den 50-jährigen Freund des Getöteten. 

Mit dem 17-Jährigen sitzen auch die beiden Männer im Alter von 18 und 20 Jahren auf der Anklagebank, die an der Attacke auf den 50-Jährigen Begleiter des Opfers beteiligt gewesen sein sollen. Für sie beantragte der Staatsanwalt Bewährungsstrafen gemäß Jugendstrafrecht. Der 20-Jährige, der sich selbst der Polizei gestellt hatte, sei am wenigsten involviert gewesen: Er habe zwar nachweislich einen Schlagversuch gemacht, den 50-Jährigen aber nicht getroffen. 

Quälende Frage nach dem „Warum?“

Was dem Staatsanwalt zufolge auch nach der Hauptverhandlung bleibt, sei die quälende Frage: „Warum?“ Dass sich der 17-Jährige auch in der monatelangen Untersuchungshaft nicht reflektiert mit seiner Tat auseinandergesetzt habe, zeige seine „schreiend dumme“ Prahlerei vor Mithäftlingen: „Ich habe schon einen totgeschlagen.“ Die Verteidigung hingegen betonte, wie sehr der Jugendliche unter der Stigmatisierung als „Feuerwehrmannmörder“ leide.

Die Nebenklage schloss sich den Ausführungen des Staatsanwaltes an: Sowohl die Ehefrau und Tochter des getöteten 49-Jährigen als auch der bei der Prügelattacke schwer verletzte 50-Jährige leiden demnach noch immer massiv. In einem Schreiben der Ehefrau, welches ihre Vertreterin verlas, hieß es: „Mit seinem Tod ist auch ein Teil in mir gestorben.“ 

Bei dem 18-Jährigen und dem 20-Jährigen sprach sich der Vertreter des 50-jährigen Opfers für Haftstrafen statt Bewährungsstrafen aus: Sein Mandant leide wegen der „Gewaltorgie“ noch heute unter anderem unter Lähmungserscheinungen im Gesicht. 

Angeklagte wünscht den Angehörigen viel Kraft

Die Verhandlung endete mit den letzten Worten der Angeklagten. Der 17-Jährige, der zuvor geschwiegen hatte, sagte, er habe nicht gewollt, was passiert sei, und wünsche den Angehörigen viel Kraft. Auch die beiden anderen Angeklagten baten um Entschuldigung. Das Urteil soll am Freitag (10.30 Uhr) gesprochen werden.

dpa/mz

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