Prozess gegen 24-Jährigen

Es bleibt dabei: Mehrjährige Haftstrafe für Vergewaltigung in Burghausen

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Das Landgericht Traunstein

Burghausen/Traunstein - Wurde eine junge Frau im Juli vorigen Jahres auf dem Heimweg von der Disco Opfer einer Vergewaltigung? Ein 24-Jähriger wurde deshalb schon einmal verurteilt - weil der Prozess wegen Formalitäten erneut aufgerollt werden musste, wurde nun erneut verurteilt.

Update 17.30 Uhr - Urteil wegen Vergewaltigung in Burghausen

Das Urteil ist gefallen: Fünf Jahre muss ein 24-Jähriger in Haft, weil er im Juli 2019 eine damals 18-Jährige in den frühen Morgenstunden vergewaltigte. Die Tat passierte ihr auf dem Heimweg von einer Burghauser Disco. 

Damit bestätigt das Traunsteiner Landgericht unter Vorsitz von Klaus Weidmann ein Urteil, das in der gleichen Form schon im vergangenen Dezember gefällt wurde. Der Bundesgerichtshof (BGH) monierte, dass das Urteil vom Landgericht damals zu ungenau begründet wurde. Das Strafmaß selbst wurde vom BGH nicht beanstandet, das Urteil war somit schon zuvor rechtskräftig. 

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass der Angeklagte in den frühen Morgenstunden des 7. Juli der jungen Frau gefolgt sein und sie mehrfach angefasst hat. Obwohl sie sich wehrte habe der 24-Jährige sie in der Burgkirchener Straße in Burghausen schließlich geküsst und ihr unter das Kleid gefasst. Danach habe er sie gepackt und hinter einer Gebüschreihe mit den Fingern vergewaltigt.

Update, 16.15 Uhr - Plädoyers gehalten

Fünf Jahre Haft wegen Vergewaltigung - was eigentlich bereits im ersten Prozess rechtskräftig geurteilt wurde, wiederholt die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer als Forderung. Den Prozess neu aufzurollen habe kaum neue Erkenntnisse gebracht, aber: "Es ist zutiefst zulasten des Angeklagten zu werden, dass er die Tat noch immer abstreitet und keine Reue zeigt." Auch, dass die Glaubwürdigkeit der jungen Frau angezweifelt wurde, sei "völlig unangebracht", so die Staatsanwältin. Die Nebenklage schließt sich der Forderung an.

Die Verteidigung fordert dagegen, dass der Angeklagte aus dem Gefängnis entlassen werden sollte. Das Plädoyer: Zwei Jahre Haft auf Bewährung, ein Jahr davon hat der Angeklagte ja schon abgesessen. "Warum sollten die Schilderungen meines Mandanten falscher oder richtiger sein als die der Zeugin?", fragt Anwalt Josef Neuberger. Er zweifelt zum Beispiel daran, dass die Knutschflecken unfreiwillig entstanden wären. Und die vorgeworfene Vergewaltigung bewege sich ohnehin auf einer "unteren Ebene".

Nun fehlt nur noch ein nochmaliges Urteil des Traunsteiner Landgerichts.

Update, 13.56 Uhr - Opfer muss erneut aussagen

Noch einmal muss jetzt die mutmaßlich Geschädigte dem Gericht vom Tattag und den Folgen berichten. Damals war sie 18 Jahre alt. "Ich hatte große Angst und Panik, als er mir den Mund zugehalten hat, habe ich kaum Luft bekommen", so die junge Frau. Sie zog sich unter anderem Schürfwunden an Ellenbogen und am Becken zu. Eine Traumatherapie habe ihr danach geholfen, auch ein Umzug in eine andere Stadt. "Aber immer wenn ich wieder in Burghausen bin, hab' ich mich unwohl gefühlt." Alpträume und Angst, abends alleine hinauszugehen, plagten sie. Heute habe sie die Tat noch immer nicht ganz verarbeitet.

Zu den Details der Tat - der Angeklagte soll Finger in sie eingeführt haben - muss sie sich nicht mehr äußern. Denn der BGH zweifelte nicht das erste Urteil an, es ist rechtskräftig. Das Urteil soll "nur" genauer begründet werden. Trotzdem versucht Anwalt Josef Neuberger nochmal alles für seinen Mandanten herauszuholen. Er zieht manche Aussagen der jungen Frau in Zweifel und verweist dabei auf ihre Alkoholisierung in der Tatnacht. Außerdem habe sie am Tag zuvor wohl auch eine körperliche Auseinandersetzung mit ihrem Ex-Partner gehabt.

Verteidigung und Staatsanwaltschaft werden am Nachmittag ihre Plädoyers halten, dann wird das Landgericht erneut ein Urteil fällen.

Update, 11.20 Uhr - Prozessbeginn vor Traunsteiner Landgericht

Der Prozess gegen den 24-jährigen Mazedonier beginnt von Neuem. Im Dezember 2019 fiel eigentlich vor dem Traunsteiner Landgericht schonmal ein Urteil: fünf Jahre Haft wegen Vergewaltigung. Warum nun die Neuauflage? Der Bundesgerichtshof habe moniert, dass im ersten Prozess "strafverschärfende Umstände" nicht genau herausgearbeitet worden seien. "Eher ein akademisches Problem", so der Vorsitzende Richter Klaus Weidmann. Und dennoch werden alle wichtigen Zeugen erneut geladen - einschließlich der mutmaßlich Geschädigten, die damals 18 Jahre alt war.

"Ich will den Vorfall nochmal schildern", meldet sich auch der Angeklagte zu Wort. "Wir haben uns auf dem Heimweg von der Disco geküsst. Sie ging als erste und freiwillig ins Gebüsch. Dann sind wir zu Boden gegangen, ich habe angefangen sie zu berühren." Mehr habe die junge Frau aber nicht gewollt. "Ich habe dann von ihr abgelassen und mich selbst befriedigt." Dann seien die beiden gemeinsam weitergegangen. "Sie hätte mehrere Möglichkeiten gehabt zu flüchten, aber das wollte sie nicht."

Richter Weidmann ist skeptisch: "Das habe ich in meinen 37 Jahren am Gericht noch nie gehört, dass eine Frau wartet, bis Sie onaniert haben und dann geht man gemeinsam weiter." Und wie kam das Sperma des Angeklagten aufs Kleid der jungen Frau? "Wir haben uns geküsst und berührt, so kann es passiert sein." Der Verteidiger des 24-Jährigen ist ohnehin skeptisch: "Die ganzen DNA-Spuren stimmen überhaupt nicht mit der Aussage der Geschädigten zusammen."

Auch die junge Frau wird heute vor dem Traunsteiner Landgericht erneut eine Aussage machen müssen.

Vorbericht

Hat ein 24-jähriger Mazedonier eine junge Frau in Burghausen vergewaltigt oder nicht? Das Urteil vor dem Landgericht stand eigentlich bereits fest: Fünf Jahre Haft wegen Vergewaltigung entschied das Gericht im Dezember 2019. Doch am Dienstag, 30. Juni muss der Prozess neu aufgerollt werden. 

Konkret wird dem Mann vorgeworfen in den frühen Morgenstunden des 7. Juli einer damals 18-Jährigen gefolgt zu sein und sie mehrfach angefasst zu haben. Die junge Frau war gerade auf dem Heimweg von der Disco. Obwohl sie sich laut Staatsanwaltschaft wehrte habe der 24-Jährige sie in der Burgkirchener Straße schließlich geküsst und ihr unter das Kleid gefasst. Danach habe er sie gepackt und hinter einer Gebüschreihe mit den Fingern vergewaltigt. Der Angeklagte befindet sich seit 8. Juli 2019 in Mühldorf in Untersuchungshaft. Der Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht beginnt am Dienstag um 9 Uhr. 

innsalzach24.de wird aktuell aus dem Landgericht berichten

xe

Quelle: chiemgau24.de

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