Langfristige Schäden für Betroffene aus dem Landkreis Altötting?

Vor allem Mütter sorgen sich: Wie gefährlich ist PFOA wirklich? 

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Landkreis Altötting - Weiterhin gibt es viele offene Fragen in Bezug auf das verseuchte Trinkwasser im Landkreis Altötting. Wie gefährlich ist Perfluoroctansäure, kurz PFOA, wirklich? Vor allem junge Mütter, welche sich dazu entschieden haben ihr Kind zu stillen, machen sich große Sorgen. 

Obwohl PFOA bereits im Jahr 2008 zum ersten Mal in der Region registriert wurde, wurde erst im vergangenen Jahr das Thema ausführlich erörtert. Damals konnten Forscher bei einem zufälligen Bluttest in Emmerting eine 20-fach höhere PFOA-Belastung bei den Probaten feststellen, als bei einer Testgruppe aus dem Landkreis München, berichtet br.de

Jahrelang konnte PFOA in Burgkirchen ungehindert ins Trinkwasser gelangen. Eine Chemiefirma, welche Teflon herstellte, durfte PFOA ganz offiziell verwenden. Wie schädlich die Säure für den Menschen ist, konnte noch nicht endgültig geklärt werden. Fest steht, dass PFOA die Fortpflanzung und den Fettstoffwechsel schädigt. Zudem gilt es möglicherweise als krebserregend. Ab welcher Menge es für den Menschen gefährlich wird, ist nicht erforscht. 

"Man möchte einfach als Mutter immer das beste für sein Kind"

Vor allem Mütter sorgen sich um ihre Sprösslinge. "Man möchte einfach als Mutter immer das beste für sein Kind, man stillt bewusst, und dann kommt sowas ans Licht. Um mich wärs gar nicht, aber was belaste ich ihn?", meint eine junge Mutter aus Altötting bei br.de. Studien belegen, dass allen voran Babys PFOA besonders gut aufnehmen - 15-mal besser als Erwachsene. 

An den freiwilligen Bluttests, welche im Landkreis durchgeführt wurden, war es Kindern unter sieben Jahren nicht erlaubt teilzunehmen. Prof. Hermann Fromme vom Landratsamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit erklärt, dass der Wert bei Neugeborenen immer höher sei, aber in der Folge schnell rückläufig ist und somit weitere Tests bei Kindern unter sieben Jahren keine neuen Erkenntnisse liefern würden. 

"Bekannt sind Schilddrüsenfunktionsstörungen und immunologische Störungen"

Der Mühldorfer Kinderarzt Ludwig Käsbauer kann die Weigerung des Landesamts nicht verstehen: "Weil genau diese Altersgruppe aufgrund spezieller physiologischer und biochemischer Abläufe PFOA anreichern und wir nicht wissen, welche Auswirkungen in einem wachsenden und reifenden Organismus dadurch langfristig ausgelöst werden. Bekannt sind Schilddrüsenfunktionsstörungen und immunologische Störungen nach Impfungen. Ob noch weiteres folgt, wird sich zeigen."

PFOA wird seit 2008 nicht mehr im Landkreis verwendet und soll in Zukunft EU-weit weitesgehend verboten werden. ABER: Ein ähnlicher Stoff mit dem Namen "ADONA" soll die Perfluoroctansäure "ersetzen". Diese Substanz wurde vom Landesamt für Gesundheit für "recht positiv" befunden und weise ein deutlich günstigeres toxikologisches Profil auf. 

Aktivkohlefilteranlagen könnten das belastete Trinkwasser reinigen. Deshalb soll im Öttinger Forst bald eine solche zweite Anlage entstehen. 

Quelle: innsalzach24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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