Schüler der FOS/BOS Altötting mit Hilferuf

Boykott-Schreiben wegen Wechselunterricht: „Ansteckungsrisiko höher als bei Friseurbesuch“

Einige Schüler der Klasse 12 G3, die sich mit einem Boykott-Schreiben an die FOSBOS Altötting gewendet hat. Auf den ersten Bild ist der Verfasser des Briefes, Nijazi Feti Veliu zu sehen.
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Einige Schüler der Klasse 12 G3, die sich mit einem Boykott-Schreiben an die FOSBOS Altötting gewendet hat. Auf den ersten Bild ist der Verfasser des Briefes, Nijazi Feti Veliu zu sehen.

Einige Abschlussklassen haben mittlerweile sowohl in der Schule, als auch zuhause Unterricht. Doch damit ist die Klasse 12 G3 nicht einverstanden und möchte diese Regelung nicht kampflos hinnehmen. Sie wendete sich mit einem „Boykott-Schreiben“ an die Lehrerschaft der FOS/BOS Altötting.

Altötting - Vor kurzem erreichte die OVB24-Redaktion ein Hilferuf von einer Schulklasse der FOS/BOS Altötting. Im Gespräch mit innsalzach24.de erzählt Nijazi Feti Veliu, Verfasser des Briefs, dass sich einige in der Klasse über die derzeitigen Situation mit dem Wechselunterricht massiv ärgern. Deshalb sei auch die Idee entstanden, einen Boykott-Brief zu schreiben.

Im Schreiben selbst wird zuerst die Unterrichtsform kritisiert. Der Abiturient beschreibt die Situation folgendermaßen: „Es ist quasi normaler Unterricht, mit dem Unterschied, dass die Hälfte der 23 Schüler fehlt. Die anderen werden digital zugeschaltet. Das Problem ist, dass die Lehrer sich sowohl um die Schüler im Unterricht, als auch um die im Home-Office kümmern müssen. Das kann so nicht funktionieren“, beschwert sich Nijazi.

Das habe zum Beispiel Auswirkungen auf die Psyche. Der Nijazi führt aus, dass die Lehrer besonders angespannt seien. „Die Lehrer können bei dieser Doppelbelastung gar nicht richtig auf uns eingehen, denn sie müssen sich auf den Präsenz- und den Bildschirmunterricht konzentrieren.“

Und auch die Technik habe Schwierigkeiten gemacht, so Nijazi. „Die FOS/BOS in Altötting ist eigentlich sehr gut aufgestellt. Das Internet ist in der Regel wunderbar. Nur unsere Gesundheitsräume machen Probleme. Dort fällt teilweise das Internet komplett aus. Deswegen bekommen wir im Home-Office nicht viel mit.“ Mittlerweile sollen die technischen Probleme aber so gut wie behoben sein, versicherte der Schüler auf Nachfrage.

Das Boykott-Schreiben der Klasse 12 G3 beschreibt die Situation der Schüler auf der FOSBOS Altötting. Mittlerweile distanziert sich die Klasse aber vom Vorwurf das das Internet in bestimmten Räumen nicht funktioniert.

Zusätzliche Kosten durch öffentliche Verkehrsmittel

Außerdem kommen finanzielle Probleme hinzu. „Durch die Kontaktregelungen können wir keine Fahrgemeinschaften mehr bilden. Viele Schüler müssen jetzt zusätzlich Busgeld zahlen. Ab 400 Euro kriegen wir es in der Theorie auch zurückerstattet. Wir müssen aber auf das billigste Angebot zurückgreifen, welche meistens Wochen- oder Monatskarten sind. Diese werden aber höchstens nur zwei bis dreimal die Woche genutzt. Für viele Familien und auch für uns Schüler ist das eine zusätzliche Belastung.“

Das Hauptargument gegen den Wechselunterricht ist aber der gesundheitliche Aspekt. „Unser Deutschlehrer hat uns eine Studie der TU Berlin gezeigt, die ganz klar aufzeigt, dass der Unterricht im Klassenzimmer ein höheres Ansteckungsrisiko aufweist als ein Friseurbesuch“, warnt der Schüler. „Zumal auch die mutierte Variante so besser übertragen werden kann, und das ist im Moment unsere größte Angst.“

Distanzunterricht als Lösung aller Probleme

Des Weiteren kritisiert die Klasse im Schreiben, dass die Kontaktregelung „unlogisch“ sei. „Diese besagt, dass wir uns mit nur einer Person aus einem anderen Haushalt treffen dürfen, das ist in einem Klassenzimmer aber nicht der Fall“, meint Nijazi. Die Lösung? Im Schreiben selbst meint die Klasse, dass der Distanzunterricht die beste und sicherste Alternative sei, um sich auf das bevorstehende Abitur vorzubereiten.

„Anfang des Schuljahres wurden alle in Microsoft-Teams eingewiesen und es lief alles wie am Schnürchen. Seit dem Wechselunterricht, der seit zwei Wochen stattfindet, ist es aber nur noch eine Zumutung.“ Nijazi selbst erhofft sich durch den Brief, dass die Menschen von dieser Situation erfahren. „Wir prangern nicht die Schule an, sondern die Beschlüsse des Ministeriums“, kommentiert der Schüler.

„Die Schüler und Lehrer bevorzugen den Präsenzunterricht“

Die Redaktion sprach auch mit dem Rektor der Schule, Herrn Geier. Er meint, dass das Kultusministerium vorschreibt, wie die Schule zu agieren hat. „Für die Abschlussklassen soll aber ab den 22. Februar der Präsenzunterricht stattfinden. Kleinere Klassen müssen somit nicht mehr geteilt werden, sofern der Mindestabstand eingehalten werden kann. Bei anderen Klassen bleibt es beim Wechselunterricht.“

Außerdem berichtet er, dass mit den Schülern und Lehrkräften gesprochen worden sei und aus Dialogen hervorgehe, dass beide Seiten „den Präsenzunterricht gegenüber allen anderen Unterrichtsformen bevorzugen.“ Und auch die Hygienebedingungen sollen strikt eingehalten werden. Darüber hinaus seie die Schüler zusätzlich darum gebeten worden, sich regelmäßig kostenlos testen zu lassen und es wird betont, dass zudem bald Schnelltests eingesetzt werden sollen.

Herr Geier versichert weiter, dass seitens der Schule alles unternommen wird, damit die Schülerinnen und Schüler sich so gut wie möglich auf das Abitur vorbereiten können. Zudem wurden einige Defekte, welche die Klasse angesprochen hat bereits behoben. Nijazis Klasse ist nicht die einzige, die gegen die derzeitige Situation protestiert. Statt eines Briefes wählten die Klassensprecher der FOSBOS Altötting einen anderen Weg, sie leiteten eine Petition ein.

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