Maske, Impfungen und vieles mehr

Fakten-Check: Das steckt hinter den Behauptungen der Corona-Querdenker

Die Querdenker-Demonstration am Sonntag im Mangfallpark in Rosenheim.
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Mehr als 500 Menschen waren bei der Querdenker-Demonstration am Sonntag im Mangfallpark in Rosenheim.

Landkreis – Immer mehr Menschen sympathisieren mit der „Querdenker“-Bewegung. Auf Kundgebungen wird besonders gegen die Maskenpflicht und Impfungen argumentiert sowie die Gefährlichkeit des Coronavirus angezweifelt. Doch was ist an den Behauptungen dran? innsalzach24.de macht den Fakten-Check. 

Egal ob in Rosenheim, Traunstein oder Mühldorf: Überall finden derzeit Demonstrationen gegen die aktuelle Corona-Politik statt. Dabei kommen auch Ärzte oder ehemalige Apotheker zu Wort. Der Grundtenor: Das Coronavirus ist nicht so schlimm und die Maßnahmen der Regierung komplett überzogen.  Doch was ist an den Behauptungen dran?

Großer Fakten-Check der Querdenker-Thesen: „Corona ist nicht gefährlicher als eine Grippe“

Wie gefährlich das Coronavirus wirklich ist, kann derzeit niemand abschätzen. Es ist neu und die Wissenschaft hat noch zu wenig Daten, um verlässliche Aussagen treffen zu können. Über die Krankeitsschwere teilt das Robert-Koch-Institut (RKI) folgendes mit: „Bei der überwiegenden Zahl der Fälle verläuft die Erkrankung mild. Die Wahrscheinlichkeit für schwere und auch tödliche Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu“. Dies trifft bekanntlich auch auf die Grippe zu.

Die starke Grippewelle 2017/18 kostete laut Schätzungen des RKI rund 25.000 Menschen das Leben. Fast 15.000 Covid-19-Todesfälle (Stand: 25. November) gibt es bislang und der Winter steht noch bevor. Die kalte Jahreszeit fördert die Verbreitung vieler Viren. Auch die Fallzahlen steigen seit Wochen. Dabei ist aber zu bedenken: Bei der Grippewelle handelt es sich um eine Schätzung. Ein Vergleich ist daher schwierig. Auch einen Lockdown gab es bei einer Grippe bislang nicht.

Aber viel entscheidender dürfte ein Blick auf die Krankenhäuser sein. Diese waren bereits im Frühling in vielen Bereichen am Limit und kämpfen auch jetzt schon wieder mit steigenden Covid-19-Patienten. Anhand dieser Entwicklung könnte man zumindest erste Schlüsse ziehen, wie ernst die Lage ist. „Wir müssen zwingend eine Überlastung der Krankenhäuser in unserer Region vermeiden“, mahnte zuletzt auch Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim, im wöchentlichen Corona-Bericht.

„Masken sind kein wirksamer Schutz vor dem Virus“

„Eine Maske kann uns tatsächlich schützen. Besonders dann, wenn nicht nur wir selber, sondern auch jeder um uns herum eine trägt“, erklärt Dr. med. Christian Schauerte bereits im September in einem Interview gegenüber BGLand24.de. Dies sei laut dem Pneumologen in vielen wissenschaftlichen Studien gut untersucht. Zuletzt wurde dies auch von der WHO in einer großen Metaanalyse nochmals überprüft. Zusammen mit den Abstandsregeln minimiert sich die Ansteckungsgefahr weiter.

Eine Maske würde laut Schauerte auch den Atemstrom nicht stark beeinträchtigen. Sonst müsste das ganze medizinische Personal schon vor einer Operation umgekippt sein. „Es kann ja nicht sein, dass jemand am Operationstisch steht, stundenlang Operationen durchführt und dann wäre die Maske irgendwie hinderlich“, so Schauerte. Letztendlich sei es ungewohnt und für viele vielleicht unangenehm.

„PCR-Tests würden überwiegend falsch positive Ergebnisse liefern und verfälschen die Daten“

„Ein bis zwei Prozent der PCR-Test sind falsch positiv. Seit April kommen bei den PCR-Test nur 0,9 bis 1,2 Prozent positiv raus. Das heißt im Umkehrschluss: Es gibt überhaupt keine positiven Tests mehr.“ Diese Behauptung verkündete Karl Hilz, ehemals Hauptkommissar beim Münchner Polizeipräsidium, auf einer Demo in Rosenheim.

„Bei jedem analytischen Test gibt es eine gewisse Fehlerquote“, erklärte Dr. Thomas Schulzki vom Medizinischen Labor Rosenheim bereits Ende Oktober gegenüber rosenheim24.de. In Bezug auf den Coronatest kann die Fehlerquote teilweise auf 0,01 Prozent reduziert werden. „Der PCR-Test reagiert schon bei einer Mindestmenge an Erregern und gibt somit klare Auskünfte“, bekräftigt Schulzki die „quasi hundertprozentige Sicherheit“. Doch auch hier gebe es Ausreißer, für die es Gründe gibt. Beispielsweise wenn eine Infektion schon zwei bis drei Wochen zurückliege, dann könne ein erster Test noch schwach positiv anschlagen und ein weiterer bereits negativ sein.

Einige Labore würden zudem bei einem positiven Befund einen zweiten Test zur Verifizierung durchführen. Dies bestätigte auch der Leiter Klinikhygiene am InnKlinikum Altötting und Mühldorf, Dr. Johann Mattes, gegenüber innsalzach24.de in Bezug auf falsch positive Testergebnisse: „In der Regel folgt eine erneute Untersuchung.“

„Die Corona-Impfung ist als RNA-Impfung ein Eingriff in die DNA und nicht (ausreichend) an Menschen getestet“

Der Corona-Impfstoff rückt näher. Bis 15. Dezember sind die Landratsämter aufgerufen, einen geeigneten Standort für die speziellen Impfzentren je Landkreis zu finden und entsprechend auszustatten. Die Planungen hierfür laufen auf Hochtouren. Doch auch die Angst bei vielen Impfgegnern wird dadurch größer.

Warnungen vor Erbgutschäden sind falsch und verursachen unbegründete Ängste“, sagte Klaus Cichutek, Präsident Paul-Ehrlich Institut (PEI) im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Befürchtungen, die neuen mRNA-Impfstoffe könnten das Erbmaterial des Menschen verändern, „entsprechen nicht dem wissenschaftlichen Erkenntnisstand“, so Cichutek.

Auch Angaben von Impf-Skeptikern, es gebe noch keinerlei humanmedizinische Erfahrungswerte mit Gen-Impfstoffen, widersprach der PEI-Präsident. „Es gibt schon Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen beim Menschen im Rahmen klinischer Prüfungen, etwa mit einem therapeutischen Tumorimpfstoff. Dabei haben sich keine besorgniserregenden Nebenwirkungen gezeigt. Auch bei umfangreichen Tierversuchen mit mRNA-Impfstoffen gab es keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen oder Schäden.“

Um in die menschliche Erbinformation (DNA) eingebaut zu werden, müsste die RNA aus dem Impfstoff zudem „zurückgeschrieben“ werden, sagte Cichutek. „Dazu wären zwei Enzyme notwendig, die normale menschliche Zellen nicht haben.“

jz/dpa

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