Chemiepark Gendorf

Effizient und nachhaltig dämmen – Unternehmen aus dem Landkreis Altötting für Forscherpreis nominiert

Fröhliche Forscher: (von links) Das interdisziplinäre Team um Prof. Thorsten Gerdes von der Universität Bayreuth, Friedbert Scharfe von Maxit und Dr. Klaus Hintzer von Dyneon freuen sich über die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis.
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Fröhliche Forscher: (von links) Das interdisziplinäre Team um Prof. Thorsten Gerdes von der Universität Bayreuth, Friedbert Scharfe von Maxit und Dr. Klaus Hintzer von Dyneon freuen sich über die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis.

Schon die Nominierung ist ein großer Erfolg: Forscher von Dyneon aus Gendorf nahmen am Wettbewerb um den Deutschen Zukunftspreis teil. Sie entwickelten eine Methode für nachhaltiges Dämmen.

Gendorf – Winzig kleine Glaskugeln mit Beton mischen, auf eine Wand spritzen, fertig ist die Dämmung. Für diese innovative Idee wurde die Firma Dyneon im Chemiepark Gendorf für den Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet. Das Glaskugelvorhaben war eins vor drei nominierten Projekten, musste sich am Ende aber knapp geschlagen geben.

„Das Zukunftspotenzial dieser Entwicklung haben die Gutachter des Deutschen Zukunftspreises erkannt“, sagt Dr. Klaus Hintzer von Dyneon. „Und auch wenn es bei der Preisverleihung nicht ganz für die begehrte Trophäe gereicht hat: Die Nominierung an sich ist bereits eine besondere Auszeichnung.“

Vernetzt zum Erfolg

Dyneon ist bekannt als Hersteller von Hochleistungskunststoffen auf Fluorpolymer-Basis für industrielle und medizinische Anwendungen. Weniger bekannt: Am Standort Burgkirchen forscht ein Team seit Jahren an sogenannten „Glass Bubbles“, mikroskopisch kleinen Glashohlkügelchen. Dyneon-Mitarbeitern gelang dabei nach Angaben eines Firmensprechers in Zusammenarbeit mit Forschern der Universität Bayreuth und dem Baustoffhersteller Maxit die Herstellung eines energieeffizienten spritzbaren Dämmstoffes aus diesen Kugeln. Der Dämmstoff ist laut Dyneon nachhaltig und zu 100 Prozent recycelbar.

2019 wurde der Dämmstoff „Ecosphere“ erstmals vorgestellt. „Die Glass Bubbles haben fantastische Eigenschaften. In dem Bereich kann man etwas bewegen, beispielsweise in Bezug auf CO2-Einsparungen.“

Forschung seit zehn Jahren

Vor zehn Jahren holte Hintzer das Glass-Bubbles-Forschungszentrum vom Mutterkonzern 3M in den Chemiepark Gendorf. In den 1960er-Jahren entwickelt, wurden die Glashohlkugeln ursprünglich vor allem in der Öl- und Gasindustrie genutzt, etwa bei der Auszementierung von Bohrlöchern. Zusammen mit Kollege Dr. Friedrich Wolff und der Unterstützung von weiteren Kollegen aus dem 3M-Glass-Bubbles-Forschungszentrum arbeitete Hintzer drei Jahre lang an der Weiterentwicklung der Glaskugeln für die Nutzung in der Spritzdämmung. Denn was in der Theorie simpel klingt – Glaskugeln mit Zement zu mischen und auf eine Wand zu spritzen – war auch für die Werkstoffexperten eine besondere Herausforderung.

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Möglich wurde die Entwicklung des innovativen Dämmstoffes durch eine Kollaboration mit Forscherkollegen der Universität Bayreuth und Baustoffexperten von Maxit aus Azendorf bei Kulmbach. „Es ist ein Vorteil, wie gut wir in der Gegend vernetzt sind, nicht nur im bayerischen Chemiedreieck, sondern in ganz Bayern“, sagte Hintzer. „Sogar Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat bei der Verleihung ausgedrückt, wie bemerkenswert es sei, dass eine Universität, ein Mittelständler und ein internationales Großunternehmen bei diesem Projekt erfolgreich kooperiert haben.“

Glaskugeln weiter entwickeln

Alle Beteiligten sind stolz auf die Würdigung durch die Nominierung für den Deutschen Zukunftspreis, auf den Lorbeeren ausgeruht wird sich deshalb aber nicht. Die Forschungsarbeit am Standort Gendorf geht bereits weiter. „3M hat jetzt die Aufgabe, noch bessere Glashohlkugeln zu entwickeln“, sagt Hintzer. „Wir wollen das Eigenschaftsprofil verbessern und die Glass Bubbles auch bei der Herstellung ein Stück energieeffizienter machen“.

Deutscher Zukunftspreis

Seit 1997 ehrt der Deutsche Zukunftspreis des Bundespräsidenten herausragende technische, ingenieur- und naturwissenschaftliche Leistungen, die zu anwendungsreifen Produkten führen. Zu den drei nominierten Projekten gehörte das Dämmsystem mit Glashohlkugeln, das von Forschern von Dyneon (3M) im Chemiepark Gendorf mitentwickelt wurde. Der Preis ging an ein Forscherteam, das mittels EUV-Lithographie – einer innovativen Technologie, die auf ultraviolettem Licht basiert – leistungsfähigere Mikrochips bauen können.

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