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Die nächste Chemikalie im Wasser des Landkreises Altötting

GenX in Alz und Trinkwasser - Antworten auf die brennendsten Fragen

Eine Wasserprobe der Alz im Jahr 2020 brachte Gewissheit: In dem Flusswasser befindet sich die Substanz GenX.
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Im Jahr 2020 wurde bereits GenX im Alzwasser detektiert.

Woher stammt die sogenannte „GenX“-Chemikalie im Trinkwasser und der Alz? Kann es aus dem Wasser gefiltert werden? Fragen über Fragen, denen sich nun LGL und das Landratsamt angenommen haben.

Landkreis Altötting – Erneut war das Umweltgift GenX Thema einer Sitzung: Dr. Franz Schuhbeck, Leiter des Gesundheitsamtes, stellte sich am 29. November den Fragen des Kreisausschusses zu der Substanz. Zwar seien laut einer Pressemitteilung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) nur „Spuren“ der Chemikalie im Trinkwasser des Landkreises gefunden worden und auch die Leitwerte seien nicht überschritten, doch die Besorgnis der Landkreisbürger wächst. Noch immer warten Menschen aus dem Raum Altötting auf die Ergebnisse aus der PFOA-Blutuntersuchungen - der Trouble um die neue Chemikalie GenX kommt nun noch hinzu.

Die Resultate der Analyse vom Sommer 2022 werden erst Anfang 2023 erwartet. Ob das Blut nun auch auf GenX untersucht wird? „Eine gesundheitliche Beurteilung von Blutwerten wäre aufgrund einer nicht ausreichenden wissenschaftlichen Datenlage aktuell nicht sinnvoll möglich“, so das LGL.

Wann wurde GenX zum ersten Mal gefunden?

Bisher ist bekannt, dass das LFU im Jahr 2020 Wasserproben aus der Alz untersuchte, und dabei die Substanz HFPO-DA (GenX) fand. Daraufhin wurden das Wasserwirtschafts- und Gesundheitsamt zwar informiert – weil es sich aber um ein „nicht validiertes“ (Anmerkung der Redaktion: nicht rechtskräftiges) Verfahren handelte, musste die Untersuchung im September 2021 mit einem zugelassenen Verfahren wiederholt werden. „Bisher gab es keinen Nachweis, dass es von der Alz einen Einfluss auf die Trinkwasserbrunnen geben würde, nichtsdestotrotz wurde auch das Trinkwasser analysiert“, so Dr. Schuhbeck. „Die Ergebnisse wurden auch an die Wasserversorger weitergegeben.“

Welche Werte wurden gemessen?

„Die 2021 gemessenen Werte lagen in Höhe von 0,110 µg/l bzw. 0,120 µg/l an zwei Messstellen vor“ so der Sprecher des Landratsamtes. „Der Gehalt an GenX in der Probe vom Ausgang des ZWV Neuötting betrug 0,009 µg/l.“ Laut dem LGL lag die Konzentrationen 2022 zwischen 0,025 bis 0,051 μg/l. Auch höhere Konzentration in Vorjahren wurden erwähnt. Vom LGL wurde für den lebenslangen Konsum von Trinkwasser ein Leitwert von 0,011 µg/l berechnet. „Besteht die Gefahr, dass die Werte wie bei PFOA steigen?“ lautete eine Frage aus den Reihen des Ausschusses. Diese konnte Dr. Franz Schuhbeck nicht beantworten: „Die erste quantitative Messung erfolgte erst im September 2022: Das können nur zukünftige Untersuchung zeigen.“ „Sind wir der einzige betroffene Landkreis in Deutschland?“, lautete eine weitere Frage und auch zu dieser konnte Schuhbeck keine Antwort geben. Was aber feststeht ist, dass GenX von der EU verboten und als „besonders besorgniserregender Stoff“ klassifiziert wurde.

Ist GenX gesundheitsschädlich?

Bei der Sitzung des Umweltausschusses am 21. November erläuterte Dr. Schuhbeck, dass es sich bei GenX um eine Substanz handele, die er im Trinkwasser nicht sehen wolle. Die Chemikalie sei im menschlichen Blut schwer nachweisbar, doch bei Ratten wurde eine Veränderung der Bluteiweiße und eine verminderte Immunfunktion festgestellt. Außerdem führte GenX zu Leberschädigungen und Störungen in der Reproduktion und Entwicklung bei Mäusen (zur Studie).

Wie kann GenX aus dem Trinkwasser entfernt werden?

Aktuell wird durch die Verwendung von Aktivkohlefiltern bereits PFOA aus dem Trinkwasser im Landkreis Altötting entfernt. „Zusammengefasst geht das LFU davon aus, dass man GenX so reduzieren kann, dass der Leitwert nicht überschritten wird. Doch die Nutzbarkeitsdauer der Aktivkohlefilter wird sich wohl um die Hälfte der Zeit reduzieren“, so Dr. Schuhbeck. Die Messergebnisse hätten gezeigt, dass die Werte am Ausgang der Filteranlagen niedriger seien, als am Eingang, weshalb das LFU von einer möglichen Reduktion durch die Filter ausgehe.

Woher stammt das GenX?

„Gegenwärtig finden weitere Untersuchungen der zuständigen Behörden zur Ermittlung der relevanten Emissionsquellen und Eintragspfade statt“, heißt es seitens des LGL. „In Gendorf wird die Substanz nach bisheriger Kenntnis nicht in Produktionsprozessen eingesetzt oder gezielt hergestellt, sondern tritt dort als Nebenprodukt im Zuge der Herstellung von Fluorpolymeren auf.“

Sind Fische und Lebensmittel mit GenX belastet?

Informationen darüber, ob HFPO-DA auch in Lebensmitteln vorkommt, liegen dem LGL bislang nicht vor. Das LGL soll aktuell Methoden untersuchen, mit denen weitere PFAS wie z. B. HFPO-DA in Trinkwasser und auch Lebensmitteln zuverlässig nachgewiesen und gemessen werden können. Sobald diese zugelassen seien, werde das LGL seine Analytik auf PFAS um die Substanz HFPO-DA erweitern. Die Ergebnisse sollen dann auf der LGL-Homepage ergänzt werden.

Wie geht es weiter?

Weil GenX noch wenig untersucht ist, steht das LGL vor einigen Herausforderungen: „Das LGL und LfU verfolgen laufend die aktuelle Entwicklung der Studienlage zu PFAS im Allgemeinen und zu HFPO-DA im Besonderen, sodass auch die fachlichen Beurteilungen bei Bedarf entsprechend angepasst werden können.“ Parallel dazu werde in Kooperation mit einer universitären Forschungseinrichtung die Grundlagenforschung zur Giftigkeit verschiedener PFAs für den Menschen gefördert. „Weiterhin stehen LGL, LfU und das vor Ort für die technische Gewässeraufsicht zuständige Wasserwirtschaftsamt in kontinuierlichem Austausch.“

Das LGL und das LfU bieten Bürgern eine gemeinsame Infoline für Fragen zu PFAS an. Fragen zu Gesundheit, Trinkwasser, Lebensmitteln beantwortet das LGL, beim LfU können Informationen zu Wasser, Boden, Luft, Natur eingeholt werden

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