Mögliche Maßnahmen für Überschwemmungsgebiet Mörnbach/Sickenbach

Hochwasserschutz in Altötting teurer als gedacht - Antwerpen: „Kosten, die schockieren“

In der Stadtratssitzung vom Mittwoch, 14. April, stellte das Wasserwirtschaftsamt Traunstein den aktuellen Planungsstand und mögliche Varianten für einen Hochwasserschutz in Altötting vor. Die kostengünstigste Variante soll nun weiter verfolgt werden, die allerdings auch deutlich über den ersten Schätzungen aus dem Jahr 2017 liegen. 

Altötting - Die vorgestellten Kalkulationen der fünf Varianten haben Bürgermeister Stephan Antwerpen überrascht. „Das sind Kosten, die schockieren“, so die erste Reaktion in der Sitzung. Schließlich sind die ersten Planungen aus dem Jahr 2017 von Gesamtkosten von rund 14,5 Millionen Euro ausgegangen. Nun liegen die einzelnen Varianten grob geschätzt zwischen 37,8 Millionen und 55 Millionen Euro. Die hohe Verschuldung der Kreisstadt dürfte sich damit wohl auch in den nächsten Jahren nicht verbessern.

Hochwasserschutz in Altötting - Kosten mindestens doppelt so hoch wie ursprünglich gedacht

Die damaligen Kosten seien laut Walter Raith, Leiter Wasserwirtschaftsamt Traunstein, nicht mehr haltbar. Man habe den Grunderwerb unterschätzt und die Baukosten seien gestiegen. Zudem wäre der innerstädtische Ausbau bei zwei Varianten sehr massiv. Dabei müssten zwischen 32 und 41 Brücken im Stadtgebiet von Alt- und Neuötting angehoben werden. Eine Lösung mit einem Rückhaltebecken ohne innerstädtischen Ausbau wäre aufgrund der benötigten Fläche nicht möglich.

Damit das Überschwemmungsgebiet Mörnbach/Sickenbach bei einem Hochwasser entlastet wird, gibt es jedoch auch eine neue Variante, die zugleich auch die kostengünstigste ist. Bei dieser soll der Mörnbach vor dem Stadtgebiet in den Inn übergeleitet werden. Bis zur B299 soll dies unterirdisch erfolgen, ehe es entlang der Bundesstraße mithilfe einer Flutmulde abfließen kann. Ohne Hochwasser könnte diese Grube zum Beispiel auch als Radweg fungieren. Die Wassermenge wäre für den Inn nur maginal.

Ein weiterer Vorteil wäre, dass sich der Grund und Boden hierfür größtenteils in öffentlicher Hand befindet. Damit hätte man privatrechtlich mehr Sicherheit. Auch die Fläche über dem unterirdischen Kanal könnte weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden. Alfred Kanizsay (CSU) sprach sich für die Überleitung zum Inn aus. Die innerstädtischen Maßnahmen seien unrealistisch. Auch wenn die Kosten sehr hoch sind, müsse man dem verändertem Klima Rechnung tragen.

Fast 40 Millionen Euro Gesamtkosten - Antwerpen: „Müssen in Vorleistung gehen“

Die Kosten von rund 37,8 Millionen Euro würde laut Raith zur Hälfte vom Freistaat Bayern übernommen, die andere Hälfte müssten sich in diesem Fall Alt- und Neuötting aufteilen. Sollte diese Variante von allen Beteiligten bevorzugt werden, wären das nicht ganz zehn Millionen Euro pro Stadt. Bei grünem Licht wäre laut Projektleiter Richard Heinz ein Baubeginn in sechs Jahren realistisch, gefolgt von zwei Jahren Bauzeit. Einen Zwang für diese Maßnahmen gebe es aber nicht.

Antwerpen sieht trotz der hohen Kosten eine Notwendigkeit für den Hochwasserschutz. „Wir müssen in Vorleistung gehen. Die Investitionen sind nur ein Bruchteil von dem, was ein möglicher Schaden verursachen würde“, so das Stadtoberhaupt. Er wolle nicht der Bürgermeister sein, der sich gegen diese Maßnahmen ausgesprochen hat, wenn es wirklich zu einem Hochwasser komme. Der Stadtrat hat sich abschließend einstimmig für eine Weiterverfolgung der Überleitungsvariante ausgesprochen.

jz

Rubriklistenbild: © Thomas Frey

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