In Altötting soll die 20. Sicherheitswacht in Bayern entstehen

„Keine Gschaftlhuber“ - Polizeipräsident über künftige Zusammenarbeit mit Sicherheitswacht

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(v.l.) Polizeipräsident Robert Kopp, Bürgermeister Stephan Antwerpen, PHK Peter Pfaffenhuber und Dienststellenleiter Georg Nieß warben im Sitzungssaal des Altöttinger Rathauses für die Idee einer Sicherheitswacht.

Am Donnerstag stellte Bürgermeister Stephan Antwerpen(CSU) mit Vertretern der Polizei das Konzept einer örtlichen Sicherheitswacht vor. Im Sitzungssaal warb Polizeipräsident Robert Kopp aus Rosenheim für diese ehrenamtliche Tätigkeit, die schon von 19 Sicherheitswachten in 22 bayerischen Gemeinden ausgeübt wird. Darunter in der benachbarten Städten Mühldorf, Burghausen und Waldkraiburg.

Altötting - Schon seit 2013 wurde im Stadtrat der Wallfahrtsstadt über die Schaffung einer solchen ehrenamtlichen Institution diskutiert. Ende 2020 fasste das Gremium dann den entsprechenden Beschluss.

Wie bei der Vorstellung des Konzepts nun zu erfahren war, werden nun acht Staatsbürger zwischen 18 und 62 Jahren mit genügend Zivilcourage gesucht, um dieses Ehrenamt in Altötting zu bekleiden.

„Wir brauchen für diese wichtige Schnittstelle zwischen Polizei und Gesellschaft keine Gschaftlhuber!“, erklärte Polizeipräsident Robert Kopp salopp. Denn gerade in Deutschland, in dessen Geschichte beispielsweise geheime Informanten der Stasi oder Blockwarte eine ungute Rolle gespielt hätten, sei es besonders wichtig „hierfür Personen zu finden, die das nötige Fingerspitzengefühl haben“, wie Altöttings Polizeirat Georg Nieß verdeutlichte. Er hat mit so einer Einrichtung schon seit seiner Zeit in Burghausen Erfahrungen, wo die Sicherheitswacht bereits 2011 ins Leben gerufen wurde. „Nicht jeder Bewerber ist geeignet“, so der Leiter der Altöttinger Polizeidienststelle im Gespräch mit innsalzach24.de, „da mussten wir uns auch schon von dem ein oder anderen Ehrenamtlichen trennen“.

Altötting unter bayernweitem Schnitt bei Straftaten

Bürgermeister Stephan Antwerpen erklärte, dass in der Wallfahrtsstadt zwar niemand etwas zu befürchten habe. Dies bestätigte auch Polizeipräsident Robert Kopp anhand aktueller Statistiken, die untermauern, dass Altötting unter dem bayernweiten Schnitt bei entsprechenden Straftaten liegt. „In Zeiten, in denen viele Menschen oft egoistisch und rücksichtslos agieren, kann sowas bestimmt nicht schaden“, erklärte das Altöttinger Stadtoberhaupt. Wie seitens der Polizeivertreter zu hören war, sei die Sicherheitswacht ein wichtiger Baustein in der Kommunikation der Polizei mit der Gesellschaft, nicht zuletzt, weil auch Beamte im Einsatz immer öfter beschimpft oder gar körperlich angegangen würden.

„Wie die insgesamt rund 130 Ehrenamtlichen bestätigen, wird die Sicherheitswacht aber als Teil der Gesellschaft wahrgenommen und daher bis auf wenige Ausnahmen nie angepöbelt“, so Robert Kopp. Daher hatte auch der bayerische Innenminister Joachim Hermann(CSU) in einem Schreiben die Entscheidung des Altöttinger Stadtrates begrüßt, wie Bürgermeister Stephan Antwerpen erklärte.

„Es soll sich niemand in Gefahr begeben“

Polizist Peter Pfaffenhuber aus Altötting erklärte, „es soll sich niemand in Gefahr begeben!“. Der Polizeihauptkommissar wird künftig exklusiver Ansprechpartner für die Altöttinger Sicherheitswacht. Schließlich wolle sich die Polizei keineswegs vor ihren Aufgaben drücken oder Kompetenzen abtreten. Allerdings könne die Sicherheitswacht dabei helfen, das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken, indem sie als „wandelnde Notrufsäulen“ agieren: die Befugnisse enden jedoch bereits nach der Feststellung der Personalien und dem Aussprechen eines Platzverweises.

Vierzigstündiger Lehrgang für Interessenten

Interessenten sollen zunächst einen vierzigstündigen Lehrgang erhalten, der an Abenden oder Wochenenden stattfinden wird. Dabei werden sie über ihre Kompetenzen aufgeklärt und beispielsweise auch in Deeskalationsstrategien geschult. „Das ist ja im Grunde genommen Jedermannsrecht, es trägt aber zur Rechtssicherheit der Ehrenamtlichen bei“, so Georg Nieß. Diejenigen, die für die Altöttinger und ihre Heimatstadt aktiv werden wollen, können nach der Schulung eine Dienstkleidung und sogar ein Reizstoffsprühgerät erhalten, für den Fall, dass man sich einmal selbst verteidigen muss. Wichtiger ist jedoch der direkte Kontakt mittels „Funk oder Mobilfunk“ zur Altöttinger Polizeidienststelle. Wie Polizeirat Georg Nieß erklärte, sei dies in dem Fall, dass sich eine Ruhestörung nicht friedlich beilegen ließe, oder Vandalismus und andere Straßengewalt in flagranti beobachtet würde, das Mittel der Wahl.

Auch andere Sicherheitswachten suchen Bewerber

Freiwillige können sich ab sofort unter der Telefonnummer 08671/96440 oder per E-Mail an pp-obs.altoetting.pi@polizei.bayern.de bei Polizeihauptkommissar Peter Pfaffenhuber melden. Wie am Rande der Veranstaltung zu erfahren war, suchen aber auch die Sicherheitswachten in Burghausen, Mühldorf und Waldkraiburg laufend weitere Bewerber, die sich jederzeit bei den dortigen Polizeidienststellen melden können. „In Altötting suchen wir acht Personen, aber wenn sich jetzt zehn oder elf geeignete Kandidaten melden, werden wir sie auch nicht weg schicken!“, erklärte Polizeipräsident Robert Kopp zur gängigen Praxis bei den Sicherheitswachten.

pbj

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