Altöttings Stadtoberhaupt zieht erste Bilanz

Ein Jahr Stephan Antwerpen: „Sind Sie unser Bürgermeister?“

Seit einem Jahr leitet Bürgermeister Stpehan Antwerpen die Geschicke im Altöttinger Rathaus.
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Seit einem Jahr leitet Bürgermeister Stephan Antwerpen die Geschicke im Altöttinger Rathaus. Viele freudige Ereignisse mussten aufgrund von Corona leider ausfallen, das Amt des Bürgermeisters mache ihm dennoch sehr viel Spaß.

Altötting - Zum einjährigen Amtsjubiläum hat innsalzach24.de mit Bürgermeister Stephan Antwerpen über das vergangene Jahr gesprochen. Im ersten Teil unseres Interviews zieht das Stadtoberhaupt ein erstes Fazit, berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen als Bürgermeister und welche Aufgaben er bislang nicht erledigen durfte.

Hallo Herr Antwerpen. Vielen Dank, dass sie sich Zeit genommen haben. Sie sind jetzt ein Jahr im Amt. Wie fällt Ihr persönliches Fazit aus? Sind Ihre Erwartungen an das Amt eingetroffen?

Natürlich hat man gewisse Vorstellungen, wie es dann sein könnte. Ganz genau weiß man es aber nicht, was einen erwartet. Daher war ich relativ unvoreingenommen. Letztendlich ist es wegen der Corona-Pandemie aber anders ausgefallen. Trotzdem war es ein sehr spannendes Jahr, das wie im Flug vergangen ist. Es waren unterschiedliche Eindrücke und viel Neues für jemanden, der vorher nicht in der Verwaltung tätig war. Ich war Lehrer und damit ist das ein ganz neues Aufgabenfeld. Ich bin jeden Tag gefordert, aber es macht mir sehr viel Spaß.

Werden Sie nun deutlich öfters erkannt oder angesprochen?

Jein. Ich war Berufschullehrer und hatte Schüler aus den Landkreisen Altötting und Mühldorf. Ich habe immer wieder ehemalige Schüler getroffen, was ausnahmslos immer etwas Schönes ist. Jetzt erkennen mich in Altötting aber Menschen, die mich sonst nicht so gekannt haben – besonders junge. „Sind Sie unser Bürgermeister?“ werde ich oft gefragt. Das erfüllt einen schon mit Stolz, wenn ich erkannt werde. Dann gibt es auch oft einen kurzen Ratsch. Manchmal haben Menschen ja eine gewisse Scheu vor irgendwelchen prominenten Personen, aber das ist dann immer ganz schnell weg und kommt sehr gut in ein Gespräch. In Altötting selbst werde ich aber inzwischen schon häufiger angesprochen.

Jetzt ist der Beruf des Bürgermeisters etwas zeitintensiver als der eines Lehrers. Hat sich in Ihrem Freizeitverhalten etwas verändert?

Seien sie vorsichtig mit dem Stand der Lehrer (lacht). Es stimmt schon. Lehrer haben gewisse Zeiten, wo sie weniger im Fokus stehen. Ich habe gewisse Arbeiten auch auf das Wochenende verschoben, beispielsweise das Korrigieren. Im Sommer war ich auch immer sehr stark eingespannt gewesen, da ich für die Innungen die Prüfungen erstellt und korrigiert habe. Das gleicht es etwas aus. Dafür bin jetzt einfach länger im Amt. Wenn ich nach Hause komme habe ich meine Ruhe, aber dafür komme ich eben später heim. Fahrrad fahren, Laufen gehen oder ab und an zum Wandern am Wochenende habe ich aber beibehalten können.

Der Start mit der Corona-Krise hätte natürlich viel leichter sein können. Wie schwer war es denn rückblickend?

Es hatte ein Für und ein Wider. Durch Corona sind die öffentlichen Termine oder Veranstaltungen bei Vereinen mehr oder weniger weg gefallen. Dadurch ist mehr Zeit für die interne Einarbeitung geblieben, wobei ich sofort mit dem Tagesgeschäft konfrontiert war. Es müssen Lösungen mit der Verwaltung und dem Stadtrat gefunden werden. Auch die Sitzungsleitung war durchaus etwas Neues, dass ich inzwischen meiner Meinung nach ganz gut hinbekomme. Da müssen aber andere beurteilen (lacht). Corona hat das, was einen Bürgermeister erwartet – den Kontakt mit den Menschen und Vereinen – sehr stark eingeschränkt. Auch einige Jubiläen konnten nicht stattfinden, das war sehr schade. Die Liste ist lang: es gab keine Dult, keine Kirta, kein Klostermarkt. Ich durfte bislang kein Fass Bier anzapfen (lacht). Das sind natürlich die freudigen Ereignisse.

Stellen Sie sich oft vor, wie es ohne Corona verlaufen wäre bzw. wie groß ist ihre Sehnsucht nach etwas Normalität?

Rückblickend mache ich mir wenig Gedanken. Es ist jetzt nun mal so gewesen. Es war trotzdem genügend los. Ich schaue jetzt nach vorne. Ich bin da auch zuversichtlich, dass baldmöglichst irgendetwas stattfinden kann. Ich hoffe, dass wir beispielsweise den Christkindlmarkt stattfinden lassen können. Nach einer Normalität sehne ich mich trotzdem, sei es das öffentliche Leben, den Besuch eines Wirtshauses oder eines Biergartens. Das fehlt einfach. Bevor ich Bürgermeister wurde, habe ich mir schon vorgestellt, dass ich durch die Straßen gehe und Leute treffe. Das findet kaum statt.

Sie waren jahrelang Mitglied im Stadtrat und sind nun seit gut einem Jahr Bürgermeister. Was ist der größte Unterschied?

Der entscheidende Unterschied ist, dass ich nun viel mehr Hintergrundwissen besitze. Man hat diese Punkte vorbereitet. Die Stadträte erhalten nur ein kurzes Blitzlicht. Auch wenn die Fraktionssprecher darüber informieren, muss sich das Stadtratsmitglied innerhalb kürzester Zeit ein Bild vom Thema machen und darüber entscheiden. Ich als Bürgermeister bin diesbezüglich mit der Verwaltung, den Fraktionssprechern und den betroffenen Personen im Austausch. Für mich ist das schon Routine, wenn ein Thema auf der Tagesordnung steht. Das ist eine ganz andere Sichtweise und ich habe einen ganz anderen Überblick als Bürgermeister. Die Tätigkeiten sind eigentlich nicht zu vergleichen.

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Stephan Antwerpen, äußert sich der Bürgermeister über den Fraktionswechsel von Rosi Hermann zur CSU, die hohe Verschuldung der Stadt und welche Themen demnächst im Fokus stehen.

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