Sommerzeit - Badezeit! So wird die Wasserqualität kontrolliert

Unsere Badeseen: Bedenkliche Werte oder alles OK?

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Landkreis - Sommerzeit ist Badezeit – egal ob Schwimmbad, Fluss oder Badesee. Um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten, nimmt das Gesundheitsamt regelmäßige Wasserproben bei den heimischen Badeseen. Reicht das den ganzen Sommer aus?

Auch bei uns im Berchtesgadener Land wird die Wasserqualität der Badeseen regelmäßig kontrolliert. "Alles OK", hieß es zum Start der Badesaison. Sobald diese begonnen hat, finden die Kontrollen einmal im Monat statt. 

Hohe Temperaturen und starke Regenfälle sind ebenso ein Risikofaktor wie die Landwirtschaft, die mittlerweile auch schon wieder auf Hochtouren läuft. Welche Gefahr besteht durch die damit verbundene Düngung für unsere Badeseen?

Nachgefragt beim Wasserwirtschaftsamt

BGLand24.de hat beim Wasserwirtschaftsamt nachgefragt, wie es um die Wasserqualität der heimischen Seen bestellt ist. Wichtig dabei zu berücksichtigen ist der Unterschied zwischen der Badewasser- und der Nährstoffqualität. 

Was ist der Unterschied zwischen Badewasser-, bzw. Nährstoffqualität beim Wasser in unseren Seen?

Blaualgenblüte am Abtsdorfer See 2017

Während die Badewasserqualität gesundheitliche Aspekte im Fokus hat und von den Landratsämtern überwacht wird, interessiert sich die Wasserwirtschaft für den Nährstoffgehalt und den ökologischen Zustand der Seen. Das Untersuchungsprogramm zur Bewertung des ökologischen Zustands wurde mit Einführung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) europaweit festgelegt. 

Anhand von sogenannten biologischen Qualitätskomponenten wie Wasserpflanzen und Algenaufwüchse im Ufergürtel, Planktonalgen im Freiwasser und anhand der Fische werden die Seen innerhalb einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (schlecht) bewertet.

Welche sind Faktoren dafür zuständig, dass sich diese Qualität ändert?

Ein wesentlicher Faktor für die Wasserqualität ist die Nährstoffsituation. Der erhöhte Nährstoff, - insbesondere der Phosphor-Gehalt - fördert das Pflanzen- und Algenwachstum und verändert die ursprüngliche Zusammensetzung des Artenspektrums. 

Eine weitere Folge ist, dass die während der Vegetationsperiode natürlicherweise absterbenden Algen von Mikroorganismen abgebaut werden und dadurch eine Sauerstoffzehrung erzeugt wird. Während der Sommermonate führt dies zu Sauerstoffdefiziten bereits ab einer Wassertiefe von 6m und zur Rücklösung von bereits gebundenem Phosphor aus dem Sediment, was wie eine interne Düngung wirkt. Diese interne Düngung ist beim Abtsdorfer und Waginger See messbar und wirksam. 

Die Auswirkungen erhöhter Nährstoffkonzentrationen zeigen sich oft in den Sommer- und Herbstmonaten durch eine verstärkte Algenentwicklung. Darunter sind auch sogenannte Blaualgen. Sie sind bei Massenentwicklung als Algenteppich auf dem Wasser deutlich sichtbar und für Badegäste wenig einladend. Bei einer übermäßigen Entwicklung von Blaualgen können Gesundheitsgefahren entstehen und durch die Gesundheitsbehörde ein Badeverbot erlassen werden.

Abgesehen von der internen Düngung ist maßgeblich der Eintrag von außen, der üblicherweise über die Zuflüsse erfolgt. In regenreichen Jahren sind deswegen die Einträge oft höher als in trockenen Jahren, so wie in diesem Jahr. Im Verlauf von Starkregen sind die Nährstofffrachten extrem hoch. 

Gibt es Seen, die mehr gefährdet sind als andere im Landkreis? 

Von den sieben vom Wasserwirtschaftsamt untersuchten Seen in den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein haben zwei den guten, und von der EU geforderten Zustand, bisher verfehlt. Während der Tachinger See schon gut ist, ist der Waginger See nur als „unbefriedigend“ und der Abstdorfer See als „mäßig“ eingestuft. Das liegt daran, dass die Biokomponenten im Uferbereich der beiden Seen eine Belastungssituation anzeigen und die chemischen Untersuchungen von Wasserproben, die mehrmals an der tiefsten Stelle entnommen werden, erhöhte Phosphorwerte aufweisen.

Ökologischer Zustand der Seen im Rupertigau

Wie oft wird die Wasserqualität gemessen? 

Von den Seen im Amtsbezirk des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein werden die Seen mit einer Fläche größer 50 ha vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein regelmäßig untersucht. Dazu gehören der Chiemsee, Königssee, Waginger und Tachinger See, Abtsdorfer See und der Weitsee in Reit im Winkl. 

Die Probenahmehäufigkeit ist abhängig von der speziellen Situation des Sees. Seen die den guten Zustand erreicht haben, werden normalerweis nur alle sechs Jahre und dann ebenfalls monatlich. Seen mit mäßig oder unbefriedigendem Zustand sind alle drei Jahre und dann auch ebenfalls monatlich an der Reihe. Der Königssee und der Weitsee sind so gut, dass sie als Referenzseen geführt und deshalb intensiver beobachtet und alle drei Jahre untersucht werden. 

Der Chiemsee als unser größter See wird jährlich beprobt. Die Probenahmen im Uferbereich finden in den jeweiligen Untersuchungsjahren einmalig im Sommer durch Tauchteams statt. 

Welche Stoffe werden gemessen? 

Das Untersuchungsprogramm zur Bewertung des ökologischen Zustands wurde mit Einführung der europäischen Wasserrahmenrichtlinie europaweit festgelegt. Anhand von sogenannten biologischen Qualitätskomponenten wie Wasserpflanzen und Algenaufwüchse im Ufergürtel, Planktonalgen im Freiwasser und anhand der Fische werden die Seen innerhalb einer Skala von eins (sehr gut) bis fünf (schlecht) bewertet. Außerdem werden an der tiefsten Stelle in bestimmten Wassertiefen Proben entnommen und unter anderem ihr Nährstoffgehalt, wie zum Beispiel Stickstoff und Phosphorverbindungen untersucht. 

Unter den Nährstoffen interessiert besonders der Phosphor, weil er unter natürlichen Bedingungen nur in geringen Konzentrationen im Gewässer vorkommt. Derzeit wird der Gehalt an Pflanzenschutzmitteln in Seen in Bayern mit einer Fläche über 50 ha systematisch erfasst. Dieses Jahr sind in unserem Amtsbezirk der Königssee und der Tachinger See sowie ihre wichtigsten Zuflüsse im Untersuchungsprogram für PSM. 

Wie gut sind unsere Badeseen hinsichtlich der Nährstoffe?

Bei den gemessenen Phosphorgehalten ist seit den 80er-Jahren ein deutlicher Rückgang der jährlichen Durchschnittskonzentrationen zu erkennen, allerdings liegen die Werte beim Waginger und beim Abtsdorfer See noch über den angestrebten und für die Seen verträglichen Konzentrationen von 20µg/l.

Gesamtphosphor im Waginger- Tachinger und Abtsdorfer See

Und was sagt das Gesundheitsamt dazu?

Nachgefragt beim Gesundheitsamt des Landratsamtes Berchtesgadener Land gibt es die folgenden Hinweise: "Alle wesentlichen Infos zu den Badewasseruntersuchungen finden sich auf der Webseite vom Landratsamt. Bei besonderen Ereignissen wie zum Beispiel Unwettern oder bei Hinweisen auf eine Algenblüte wird anlassbezogen kontrolliert. Und zwar zusätzlich und öfter als in der von der EU vorgegebenen Frequenz, die eine monatliche Kontrolle vorschreibt.

Im Hinblick auf die Gesundheit der Badenden ist dabei die Badewasserqualität das Entscheidende. Wichtige Indikatoren sind hierbei die Fäkalkeime. Wie sich die einzelnen Qualitätsklassen ergeben, wird ebenfalls auf der Webseite vom Landratsamt erläutert", so Andreas Bratzdrum, Pressesprecher vom Landratsamt Berchtesgadener Land.

Weitere Informationen über den ökologischen Zustand der Seen im Rupertigau, finden sich im Internet beim Umweltatlas Bayern  www.umweltatlas.bayern.de.

Quelle: BGland24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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