Modenhaus beklagt schon jetzt mehrere Millionen Euro Umsatzverlust

„Es geht an die Substanz“: Reichenhalls „Juhasz“ protestiert mit zehntausenden Einzelhändlern

Ulrich Wassermann, Verkaufsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei „Juhasz“ in Bad Reichenhall
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Ulrich Wassermann, Verkaufsleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei „Juhasz“ in Bad Reichenhall. Neben dem Modenhaus beteiligten sich in der Kurstadt auch Foto Maier und „Dollinger“ an der Aktion. Von einer ähnlich lautenden Aktion der Querdenker-Bewegung distanziert sich Wassermann ausdrücklich.

„Der Lockdown im Frühjahr war nur ein blaues Auge, aber jetzt geht es an die Substanz“ - mit der bundesweiten Aktion „Wir machen auf_merksam“ ruft der Einzelhandel um Hilfe. Modenhäuser wie „Juhasz“ in Reichenhall haben es derzeit besonders schwer.

Bad Reichenhall - Rund 25.000 Einzelhändler in ganz Deutschland beteiligten sich am Montag, 11. Januar, an der Aktion „Wir machen auf_merksam“. In Bad Reichenhall war auch das Modenhaus „Juhasz“ dabei, um auf die prekäre Situation des Einzelhandels hinzuweisen. „Wir fordern die sofortige Widereröffnung der Geschäfte unter Hygieneauflagen oder eine angemessene Entschädigung“, so Juhasz-Verkaufsleiter Ulrich Wassermann im Gespräch mit BGLand24.de. Auch wenn der Name der Aktion es vermuten lässt, aber die Geschäfte wurden am Montag selbstverständlich nicht für Kunden geöffnet.

Aktion „Wir machen auf_merksam“ auch bei „Juhasz“ in Bad Reichenhall

Für Modenhäuser ist die Lage seit der Corona-Pandemie und den Lockdowns besonders schwer: „Unsere Winterware haben wir im Februar - also vor Corona - gekauft. Alles wurde bezahlt, aber wir können es nicht verkaufen“, so Wassermann. Doch die Erlöse würden gebraucht um jetzt Sommermoden zu ordern. „Die staatlichen Unterstützungen für die Gastronomie sind gut, aber dort muss nicht so langfristig eingekauft und geplant werden wie in unserer Branche.“ Wassermann zieht einen Vergleich zum frischen Obst im Supermarkt: Auch Mode sei „verderblich“ und wäre für viele Kunden schon ein Jahr später weniger interessant.

Bei Moden „Juhasz“ in Bad Reichenhall hat man bereits Bilanz gezogen: 2,1 Millionen Euro Umsatz fehlten durch die beiden Lockdowns im vorigen Jahr. Und die Soforthilfen durch den Staat? Im Frühjahr machten die Hilfszahlungen schlappe 30.000 Euro aus. Aktuell sichert die Regierung dem Einzelhandel laut Wassermann 40 Prozent der anfallenden Fixkosten zu - doch die Fixkosten sind ein Klacks gegenüber den gekauften Waren, mit denen „Juhasz“ handelt: Schuhe, Jacken, Kleider...

Jetzt müsse verstärkt mit Insolvenzen gerechnet werden

Fast zwei Drittel der stationären Händler in den deutschen Städten und Gemeinden sehen sich laut dem „Juhasz“-Verkaufsleiter in ihrer Existenz bedroht: „Der Lockdown im Frühjahr war nur ein blaues Auge, aber jetzt geht es an die Substanz.“ Ulrich Wassermann fürchtet das Ende des „Kulturguts“ Innenstadt, wenn kleine, inhabergeführte Läden wegbrechen - „wo bleibt dann der Ort der Begegnung?“ Mit Insolvenzen wie die der Modekette „Adler“ müsse man nun verstärkt rechnen, denn das aufgeschobene Insolvenzrecht kippe ab Februar.

Bei der Aktion „Wir machen auf_merksam“ am Montag, 11. Januar: Ulrich Wassermann, Birgit Juhasz und Oliver Juhasz (von links).

Und der Verkauf übers Internet? Seit 11. Januar ist das Prinzip „Click & collect“ auch in Bayern erlaubt. Kunden können sich online bestellte Ware also direkt in den Geschäften abholen. „Für Stammkunden werden wir es auch anbieten, aber wir versprechen uns davon wenig. Das wird keinen Einzelhändler retten“, so Wassermann. Er rechnet mit maximal zehn Prozent des eigentlich entgangenen Umsatzes. Und die Hürden seien hoch: Auch die Kunden müssen beim Abholen eine FFP2-Maske tragen, das schreibt eine Verordnung des Freistaats vor.

Appell: „Wo immer es geht, kauft lokal“

„Auch wenn es noch länger dauert, wir werden wieder aufsperren. Unsere 60 Mitarbeiter müssen sich keine Sorgen machen. Sie werden auch im März noch ihre Jobs haben“, verspricht Wassermann. Derweil bleibt dem „Juhasz“-Verkaufsleiter nur der Appell an die Politik - und an die heimische Bevölkerung: „Wo immer es geht, kauft lokal oder helft den heimischen Einzelhändlern mit Gutscheinen.“

xe

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