Freibad- und Badylon-Öffnungspläne für den Papierkorb

„Wetter und Entwicklung der Pandemie nicht vorhersehbar“: Diskussion über Öffnungs-Szenarien

Badylon Freilassing
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Seite Mitte November ist das Badylon wieder geschlossen, die Becken entleert, so werden zumindest Stromkosten für die trotzdem notwendige Wasserreinigung gespart.

Auch wenn ein tatsächliches Ende des Corona-Lockdowns derzeit nicht absehbar ist zerbrachen sich die Stadtverwaltung und in der Folge auch die Stadträte schon jetzt die Köpfe darüber, wie es danach mit „den beiden Schmuckstücken“ der Stadt weitergeht, dem Badylon und dem Freibad? Sollen beide wieder geöffnet werden, kann und will sich die Stadt das überhaupt unter Corona-Bedingungen weiter leisten? Eines steht fest, es soll keine „zu eilige Entscheidung“ zum Aufsperren geben, denn das ständige wieder in Betrieb nehmen und nach wenigen Wochen wieder zusperren kostet, nicht zu knapp.

Freilassing - Boris Tempelin hatte sich als Leiter der städtischen Bäder drei Varianten überlegt:

Variante 1: Freibad und Sportanlagen eröffnen im April, das Freibad je nach Wetter zum Beispiel Mitte April, dafür bleibt das Badylon bis Ende des Sommers geschlossen. „Die Sportanlagen am Badylon-Areal und die Turnhalle lassen sich sehr schnell öffnen, hier gibt es keine besonderen Vorarbeiten“, so Tempelin. Beim Freibad beginnen die Vorarbeiten bereits im März, das Bad wäre also ab Mitte April bereit. „Nach den Erfahrungen aus dem Corona-Sommer 2020 wäre der Freibadbetrieb personell machbar, nach der Saison könnte dann das Hallenbad aufsperren“, vorausgesetzt die Infektionslage lässt dies dann zu. Diese Variante war dann auch der Beschlussvorschlag der Verwaltung, doch es sollte anders kommen.

Badylon kostet 100.000 Euro pro Monat

Variante 2: Hallenbad, Freibad und Sportanlagen eröffnen alle im April oder Mai, diese Version sieht aber Tempelin als sehr kritisch an, „denn ein Betrieb beider Bäder unter wahrscheinlichen Corona-Bedingungen wird mit dem vorhandenen Personal kaum zu stemmen sein“. Gemeint sind damit vorallem die zusätzlichen Reinigungsarbeiten und die ständige Desinfektion. So kostet der Betrieb des Badylon schon ohne Corona rund 100.000 Euro pro Monat, wie hoch die Zusatzkosten unter Pandemie-Bedingungen sind konnte Tempelin den Stadträten nicht sagen.

Variante 3: Hallenbad und Freibad haben im Wechsel offen, also je nach Wetter, wobei hier massenhaft Ärger vorprogrammiert wäre, „was ist wenn es am Vormittag regnet und am Nachmittag die Sonne scheint?“

Badylon geschlossen halten um Kosten zu sparen?

Die Meinung von Wolfgang Hartmann von den Grünen war klar, „beide Bäder so bald wie möglich öffnen, allerdings hat die Stadt weder das Wetter, noch die Entwicklung des Virus im Griff“. Eines stieß Hartmann besonders sauer auf, „also für 39 Millionen ein neues Hallenbad zu bauen und es dann geschlossen zu halten um Kosten zu sparen geht gar nicht, das ist doch Unsinn“. Zumindest für den Schulsport und für Vereine sollten die Becken im Badylon wieder gefüllt werden, wenn es die Infektionsschutz-Verordnungen zulassen. Auch Julia Albrecht von den Freien Wählern sprach sich für ein Aufsperren des Hallenbades so früh wie möglich aus, „wir haben und doch eben viel Geld für eine neue Gasheizung gespart“, erinnerte sie an den Beschluss des Stadtrates in der gleichen Sitzung, vorerst keinen neuen Gasbrenner für das Freibad (Plus-Artikel) zu kaufen sondern es eine Saison ohne Stützheizung zu versuchen.

Tempelin ließ aber nicht locker, es habe schon für das Öffnen des Badylons nach dem ersten Lockdown unzählige Konzepte gebraucht bis das Landratsamt grünes Licht gab, im Oktober hätten dann sogar wieder mehr Gäste in das Bad dürfen, um es eine Woche später wegen des neuerlichen Lockdowns wieder komplett zusperren zu müssen. „Ich träume davon wieder alles öffnen zu können, es schmerzt schon, aber beide Bäder gleichzeitig aufsperren unter Corona-Bedingungen ist mit dem vorhandenen Personal nicht machbar“.

Nur Geimpfte ins Hallenbad?

Die Befürchtung, dass das Öffnen beider Bäder nicht zu stemmen sei wollte Lukas Maushammer von den Grünen nicht gelten lassen, „es muss zu stemmen sein, die Leute würden völlig durchdrehen wenn rundherum die Bäder wieder aufsperren und Freilassing lässt zu“. Die bereits andernorts aufpoppende Diskussion über Privilegien für Geimpfte fand in der Wortmeldung von Robert Judl seinen Niederschlag, „die Diskussion über die Frage, wer darf in Hallenbäder, muss man eine Corona-Impfung haben oder nicht, wird kommen“, prophezeite der Pro Freilassing-Stadtrat.

Pläne für die Tonne

Eigentlich zeigte sich zwischendurch bei den Räten ein gewisser Unwille, schon jetzt über die Frage zu entscheiden, wann welches Bad aufsperrt wenn doch völlig unklar ist, wie lange der Lockdown andauert und wann, selbst ohne Lockdown, Bäder wieder aufsperren dürfen. Bürgermeister Markus Hiebl verteidigte die Bürokratie, „wir brauchen doch Einsatzpläne und Personalpläne und dazu brauchen wir eben schon jetzt eine Entscheidung“. Jetzt Pläne für eine ungewisse Zukunft zu machen erschien Hiebl also nicht abwegig, „was glauben Sie wie viele Konzepte und Pläne wir in den letzten Monaten für die Rundablage gemacht haben“, gemeint war der Papierkorb.

Am Ende stimmte eine Mehrheit für die Variante „alle Bäder gleichzeitig öffnen“, allerdings mit dem wichtigen Zusatz, dass dabei „die vorhandenen Personalressourcen zu berücksichtigen sind“.

hud

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