Kritik von Eltern, dass zu wenig getan wird, berechtigt?

Verstärkerbusse für Schüler in der Pandemie: So ist die Lage in den Landkreisen

Schulus befördert Kinder
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Ein Schulbus befördert Kinder in der Corona-Pandemie.

Bischofswiesen/Landkreise - Augenscheinlich überfüllte Busse, kein Abstand, zu lascher Umgang mit der Maskenpflicht an den Haltestellen - die Kritik vieler Eltern am Schulbusverkehr in Corona-Zeiten wiegt schwer. Doch wie sieht die Situation in der Region wirklich aus und wie viele Verstärkerbusse sind überhaupt im Einsatz?

Stadtbus, RVO-Schul- und Linienbusse aus Richtung Rott, Griesstätt und Haag sowie Schulbusse in Wasserburg am Inn, die vor allem Grundschüler morgens und mittags befördern, seien regelmäßig überfüllt. Die Sonderregelung zur Beförderung von Schulkindern in derartiger Anzahl setze diese dem Infektionsrisiko schutzlos aus. Dabei hätten Kinder das Recht auf Gesundheit, Sicherheit und Präventionsmaßnahmen vor Ansteckungen in öffentlichen Verkehrsmitteln. So lautet der Appell des „Eltern Bündnisses Wasserburg“.

Initiatorin Anita Arz schilderte ihre Bedenken und Sorgen in Bezug auf die Schulbussituation in Corona-Zeiten bereits an den Rosenheimer Landrat. Die Forderung: „Maximal nötigen Schutz für unsere Kinder und eine sofortige Entlastung von Bussen durch die versprochenen Verstärkerbusse.“ Denn da seien noch zu wenige im Einsatz.

Kritik der Eltern bezüglich Verstäkerbussen fehl am Platz?

„Das stimmt so nicht“, widerspricht Andreas Datz, Niederlassungsleiter von „DB Regio Bus - Region Bayern“ in Bischofswiesen. „Der Einsatz der Verstärkerbusse wird flexibel angepasst. Wir sind in enger Absprache mit den Landratsämtern und befinden uns in regem Austausch. Wir zählen jeden Tag die Auslastung und können sagen, dass die Verstärkerbusse schon zur Entzerrung der Schulbus-Lage beigetragen haben und auch vom Berchtesgadener Land bis Rosenheim gut angenommen werden.“

Dass viele Eltern dennoch die Meinung vertreten, die Busse seien übervoll, liege Datz zufolge auch oft daran, dass dies die Stehplätze suggerieren: „Wir können die Schüler nicht festen Plätzen zuweisen, sie stehen oder sitzen trotzdem bei ihren Freunden. Häufig sieht der Bus dann auch voller aus als er tatsächlich ist, wenn er innerhalb weniger Sekunden en einem vorbeifährt. Wir kennen die Anzahl der Schüler und der Busse und reagieren je nach Bedarf.“

„Mir ist außerdem nicht bekannt, wie viele Infektionen tatsächlich auf die Beförderung in Schulbussen zurückzuführen sind“, untermauert Datz und prangert darüber hinaus an, dass gerade auch an den Haltestellen die Kinder häufig ohne Mund-Nasen-Schutz oder Abstand nah beieinander stehen, während sie auf den Bus warten würden. Hier seien die Eltern gefragt, auf ihre Kinder einzuwirken, sich auch an den Haltestellen an die aktuell geltenden Maßnahmen zu halten.

Jeden zweiten Platz im Bus freilassen? „Wirtschaftlich und ökologisch nicht tragbar“

Für Missverständnisse sorge darüber hinaus auch die Tatsache, dass für den ÖPNV (Busse, U-Bahn, S-Bahn und Züge im Nahverkehr) nach wie vor wegen der Maskenpflicht das Abstandsgebot nicht zwingend eingehalten werden müsse. Hinsichtlich der Anzahl der zu befördernden Fahrgäste gebe es keine verschärfte Vorgaben für die Personenbeförderung in Bussen. „Es dürfen im Grunde noch genauso viele Personen wie vor der Corona-Pandemie befördert werden.“ Die ausgewiesenen Sitz- und Stehplätze seien laut Datz von Bustyp zu Bustyp unterschiedlich: „Bei einem normalen Zwölf-Meter-Bus können insgesamt bis zu 80 Personen transportiert werden bei circa 43 Sitz- und 34 Stehplätzen. Ein 15-Meter-Bus oder Gelenkbusse transportieren entsprechend ihrer Größe noch mehr Fahrgäste.“

Künftig im Bus nur mehr jeden zweiten Platz zu besetzen, das sei allerdings nicht umsetzbar: „Demnach dürften sich in einem zwölf Meter langen Bus nur mehr etwa 15 Fahrgäste aufhalten, das wäre wirtschaftlich und ökologisch nicht tragbar.“ Aus denselben ökologischen Gründen würden deshalb Verstärkerbusse ebenfalls aussetzen, sobald eine Schulbuslinie leer fahren müsse, wenn sich beispielsweise einzelne Klassen in Quarantäne befänden.

Verstärkerbusse für Schüler: Der aktuelle Stand je Landkreis

Die Landkreise stehen jeweils in engem Kontakt mit den hiesigen Busunternehmen. Die teilen mit, wenn bei einzelnen Kursen mehr als 50 Prozent der für den jeweiligen Bus zugelassenen Stehplätze belegt werden müssen. Das wird dann entsprechend geprüft und gegebenenfalls der Auftrag erteilt, diesen speziellen Kurs mit einer Zusatzfahrt zu verstärken. Auch Hinweisen von Eltern oder Fahrgästen in Bezug auf einen sehr stark belegten Kurs wird nachgegangen. Von den Unternehmern werden darüber hinaus Zählungen vorgenommen. Die vom Landkreis eingesetzten Verstärkerbusse können nur von Schülern mit einer entsprechenden Fahrkarte beziehungsweise Fahrberechtigung genutzt werden. 

Zwölf Verstärkerbusse im Landkreis Rosenheim, acht im Mühldorfer und sieben im Altöttinger Raum

Im Landkreis Rosenheim sind momentan laut Ina Krug vom Landratsamt Rosenheim zufolge zwölf Verstärkerbusse im Einsatz, die in der Regel am Morgen und am Freitagmittag im Einsatz seien. Montag- bis Donnerstagmittag entzerre sich das Geschehen meist wegen des Nachmittagsunterrichts. Die 12 Verstärkerbusse bedienen derzeit die Schulstandorte Brannenburg und Raubling, Wasserburg, Rosenheim, Bad Aibling und Gars.“

Im Landkreis Mühldorf am Inn sind laut Simone Kopf vom Landratsamt Mühldorf insgesamt acht Verstärkerbusse rund um Haag, Rechtmehring, Mühldorf, Waldkraiburg, Ampfing, Zangberg, Schwindegg, Taufkirchen und Obertaufkirchen sowie Buchbach im Einsatz.

Im Landkreis Altötting werden Landratsamts-Sprecher Markus Huber zurolge insgesamt sieben Linien verstärkt, darunter Garching, Marktl oder Mühldorf-Teising-Altötting. Wo genau die Verstärkerbusse genau passieren ist detailliert auf der Homepage des Landratsamts aufgelistet sind.

Acht zusätzliche Buslinien im Berchtesgadener Land, neun im Landkreis Traunstein

Im Berchtesgadener Land handelt es sich Pressesprecher Stefan Neiber zufolge um insgesamt acht Linienbusverbindungen, die jeweils morgens und mittags durch insgesamt acht Zusatzbusse verstärkt werden. Die genauen Angaben zu den Einsatzstrecken und verstärkten Linienbusverkehren im Berchtesgadener Land können der Internetseite des Landratsamts entnommen werden. 

Wie Michael Reithmeier vom Landratsamt Traunstein mitteilt gibt es im Landkreis Traunstein auf neun Buslinien Verstärkung, darunter Trostberg, Schnaitsee, Obing, Altenmarkt, Grabenstätt, Seebruck, Rottau, Grassau, Marquartstein, Unter- und Oberwössen, Reit im Winkl sowie Chieming, Nußdorf und Traunreut.

Verstärkerbusse bis zu den Osterferien 2021 angesetzt

Bis Weihnachten fahren auf den Linien in der Region Verstärkerbusse für die Schüler. Das Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat erst kürzlich die Verlängerung der Förderung von pandemiebedingten Verstärkungen im Schulbusverkehr bis zu den Osterferien 2021 beschlossen.

Aktuell fahren bereits rund 350 zusätzliche Schulbusse in ganz Bayern. Vom Freistaat werden die Verstärkerbusse mit einer Tagespauschale von bis zu 300 Euro gefördert. Bei einem Einsatz morgens und mittags können die Kosten damit zum Teil nicht gedeckt werden. Die Mehrkosten trägt der Landkreis.

mb

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