So ergeht es älteren Insassen in den Gefängnissen im Landkreis

Haft im Alter - Nur zwei behindertengerechte Hafträume in der Region

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Landkreis - Der demografische Wandel macht auch vor Gefängnismauern nicht Halt. Auch in den Justizvollzugsanstalten in unserer Region sitzen Senioren ein. Wie sieht Haft im Alter aus? 

In einigen Justizvollzugsanstalten in Deutschland gibt es bereits Seniorenabteilungen, die auf die Bedürfnisse älterer Häftlinge zugeschnitten sind. Aktuell sind unter bundesweit 52.000 Strafgefangenen zwar nur vier Prozent über 60 Jahre alt, berichtet n-tv.de. Aber laut Statistik waren es 2003 erst gut zwei Prozent. Der Bund der Strafvollzugsbediensteten sieht in einigen Bundesländern wachsenden Bedarf für Seniorenvollzug

Die Landtagsabgeordnete Ruth Müller (SPD) stellte eine Anfrage an die Bayerische Staatsregierung, wie es denn um Haft im Alter in Bayerischen Gefängnissen bestellt ist. Die Antwort des Staatsministeriums der Justiz zeigt, dass in unserer Region noch viel getan werden kann.

Barrierefreiheit

Wird die Barrierefreiheit in den Bayerischen Justizvollzugsanstalten umgesetzt? Das Ministerium erläuterte, dass sich der Freistaat Bayern gemäß Art. 10 Abs. 1 Satz 1 des Bayerischen Behindertengleichstellungsgesetzes verpflichtet habe bei Neubauten und großen Umbauten nach den anerkannten Regeln der Technik barrierefrei zu bauen, das gelte auch für Justizvollzugsanstalten. 

Der bayerische Justizvollzug unternehme aber auch im Bestand erhebliche Anstrengungen, um eine möglichst optimale Versorgung behinderter Gefangener zu gewährleisten. So haben im März 2017 bereits 54 behindertengerechte Haftplätze in den bayerischen Justizvollzugsanstalten zur Verfügung gestanden. Auffällig: Von den vier Justizvollzugsanstalten im OVB24 Gebiet (Bad Reichenhall, Bernau am Chiemsee, Traunstein und Mühldorf am Inn) sind laut Auflistung der Staatsregierung nur zwei Hafträume in Bernau am Chiemsee behindertengerecht angepasst.

Wo gibt es Maßnahmen um Notfallversorgung zu gewährleisten?

Müller wollte darüber hinaus wissen, in welchen bayerischen Justizvollzugsanstalten es gerade für ältere Gefangene besondere Maßnahmen gibt, um deren Notfallversorgung (Defibrillatoren, Notfallknopf in Bettnähe, ...) zu gewährleisten. 

Die Staatsregierung antwortete folgendermaßen: "Die Behandlung und Unterbringung von Gefangenen mit gesundheitlichen Einschränkungen erfolgt, unabhängig vom Alter, regelmäßig in Absprache mit dem Anstaltsarzt. Falls nach dessen Einschätzung die notwendigen Maßnahmen in einer bestimmten Justizvollzugsanstalt nicht durchgeführt werden können, ist bei an sich gegebener Haftfähigkeit eine Verlegung in eine geeignete Anstalt in Erwägung zu ziehen. Für ältere Gefangene mit körperlichen Einschränkungen stehen insbesondere behindertengerechte Hafträume (siehe oben) zur Verfügung. Zusätzlich können nach Mitteilung der Justizvollzugsanstalten u. a. die folgenden Ausstattungen/Maßnahmen genutzt werden, wobei festzuhalten ist, dass etwa Defibrillatoren nicht nur zur Versorgung älterer Gefangener dienen, sondern im Notfall allen Gefangenen oder Bediensteten zugutekommen können:

Bad Reichenhall

Defibrillatoren vorhanden.

Bernau

Defibrillatoren vorhanden. Die Justizvoll-zugsanstalt Bernau verfügt über einen entsprechend ausgestatteten Kranken-haftraum im Bereich der Krankenabtei-lung, in welchem Gefangene auch mit technischen Mitteln ständig beobachtet werden können. In diesem Haftraum ist ein Telefon installiert, welches sofort eine Verbindung zu den Bediensteten der Krankenabteilung gewährleistet. Zu-dem ist die Möglichkeit vorhanden, einen persönlichen Notfallknopf in der Nähe der Gefangenen zu positionieren.

Mühldorf a. Inn

Defibrillatoren vorhanden.

Traunstein

Defibrillatoren vorhanden.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Jan Woitas/dpa

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