EuRegio-Rat befasst sich mit der Energiewende

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EuRegio-Präsident Landrat Georg Grabner (li.) und Vizepräsident Dr. Emmerich Riesner (r.) danken (v.l.) Dr. Thorsten Böhm (Energie- und Umweltzentrum Allgäu), DI Michael Strebl (Salzburg AG) und DI Herfried Harreiter (Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG) für ihre informativen Beiträge zum Thema „Energielandschaft im Umbruch – kommunale Entwicklungsmöglichkeiten“ beim EuRegio-Rat in Oberndorf

Landkreis - Wie kann man auf regionale Weise die Energiewende auf kommunaler Ebene verändern? Dieser Frage gingen die Vertreter und der EuRegio beim 31. Treffen nach.

Bei der Vorstellung der Stadt Oberndorf betonte Oberndorfs Bürgermeister Peter Schröder insbesondere die gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit der Stadt Laufen als „gelebte EuRegio“, die sich auch in vielen Projekten wie etwa dem EU-geförderten Europasteg zeigt. Dieses verbindende Element konnten die Gäste bereits vor der Sitzung bei einem geführten Rundgang durch beide Städte in natura begutachten.

Nach den Regularien stellte EuRegio-Präsident Landrat Georg Grabner für den Hauptpunkt der Versammlung heraus, dass die Kommunen und Regionen bei der Umstellung von fossilen Brennstoffen und Atomstrom auf erneuerbare Energien einen wichtigen Beitrag leisten können und müssen. „Energie einsparen ist der erste wichtige Schritt, wird aber alleine zu wenig sein. Wir müssen uns auch Beispiele und modellhafte Vorgehensweisen aus der eigenen EuRegio sowie aus anderen Regionen ansehen, wenn es um die Nutzung erneuerbarer Energieträger, um die intelligente Verknüpfung von Stromproduktion und individuellem Verbrauch und um die Energieberatung für den Bürger geht.“, leitete Grabner die Reihe der Vorträge ein.

Erfahrungen in anderen Regionen

Thorsten Böhm vom Energie- und Umweltzentrum Allgäu eza! aus Kempten beleuchtete Rolle und Aufgaben einer regionalen Energieagentur. Die eza! wurde 1998 gegründet und hat derzeit 35 Mitarbeiter. Neben der Hauptaufgabe der Energieberatung für Privatpersonen zur Sanierung von Altbauten, zum Neubau oder zur effizienten Energienutzung werden Bildungskurse zu unterschiedlichen Themen für Energieberater, Planer oder Hausmeister ebenso angeboten wie etwa ein Energiemanagement, um den Energieverbrauch in Liegenschaften zu reduzieren.

Darüber hinaus werden Landkreise, Städte und Gemeinden bei der Erstellung und Umsetzung von Klimaschutzkonzepten unterstützt und begleitet. Mittlerweile benötigt die eza! nur noch 5 Prozent ihres Kapitalbedarfs von den Anteilseignern, der Rest wird über Eigenmittel bestritten. Mit mehreren Partnern in Vorarlberg wird zusätzlich an grenzüberschreitenden Projekten gearbeitet, wie etwa im Servicepaket „Nachhaltig Bauen und Sanieren“.

Michael Strebl, Leiter des Bereiches Netze bei der Salzburg AG, informierte die Gäste über ein Modellvorhaben in der EuRegio-Gemeinde Köstendorf. Ausgehend von einem 10-Punkte-Programm der Salzburg AG zur Energiewende in Salzburg werden dort gemeinsam mit der Bevölkerung sogenannte „smart grids“ aufgebaut, also intelligente Netze, um das fluktuierende Stromangebot aus der Produktion bei erneuerbaren Energien mit der individuellen Stromnachfrage zusammen zu führen.

Ziel ist es, auf jedem zweiten Dach eine Photovoltaikanlage und in jeder zweiten Garage ein Elektroauto zu haben und ohne Komfortverlust für die Kunden Stromangebot und -nachfrage in Einklang zu bringen. Eine Förderung erfolgt durch den Klima- und Energiefonds, das Land Salzburg und Electrodrive Salzburg. Der Eigenanteil pro Teilnehmer beträgt 3.000 – 5.000 €. Trotzdem ist das Interesse der Bevölkerung sehr groß, alle verfügbaren Anlagen sind bereits vergeben.

Konzepte für Wasserkraft

Herfried Harreiter von der Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG (ÖBK) stellte die aktuellen Überlegungen seines Unternehmens zur Sanierung und energetischen Nutzung der Unteren Salzach mit innovativen Lösungen vor. Die ÖBK, 1950 gegründet und je zur Hälfte im Besitz von E.ON und österreichischer Verbund AG verfolgt das Ziel der energetischen Nutzung der Wasserkraft an den Grenzflüssen Inn, Salzach und Saalach. Nachdem die Regulierung der Salzach zu massiven Eintiefungen mit drohendem und teilweise bereits erfolgtem Sohldurchschlag führte, schlägt die ÖBK für das Tittmoninger und das Freilassinger Becken Maßnahmen vor, die die Flusssanierung und die Energienutzung kombinieren. Ein Querbauwerk mit beweglichen Erzeugungsmodulen ist im Freilassinger Becken angedacht.

Neben einer sehr guten Umweltverträglichkeit ohne Stauhaltung ist auch eine Radwegvernetzung zwischen bayerischer und salzburger Seite integriert. Im Tittmoninger Becken könnte ein Fließgewässerkraftwerk als Teil der wasserwirtschaftlichen Sanierung an bis zu drei Standorten realisiert werden. Sowohl die Maßnahme im Freilassinger als auch die im Tittmoninger Becken würde den jährlichen Strombedarf von jeweils etwa 25.000 Haushalten abdecken, wäre ökologisch durchgängig und hochwassersicher.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich große Zustimmung zu den vorgeschlagenen Energienutzungsmöglichkeiten an der Salzach, ebenso wie zur Idee einer grenzübergreifenden Energieagentur und –beratung in der EuRegio. Die Ergebnisse aus dem Modellprojekt in Köstendorf sollen bei einer nächsten EuRegio-Ratssitzung im Frühjahr 2013 in Augenschein genommen werden.

Bürgermeister Hans-Jörg Birner lud anschließend die Versammlung des EuRegio-Rates zur Herbstsitzung 2012 in seine Gemeinde Kirchanschöring im Landkreis Traunstein ein.

Rückblick auf das Geschäftsjahr 2011

EuRegio-Geschäftsführer Steffen Rubach gab einige kurze Erläuterungen zum Geschäftsjahr 2011, in dem es wieder eine Fülle von Veranstaltungen gab, wie etwa die Berufs-Info-Messe BIM, den Girls´ Day, den EuRegio Dialog mit 6 Firmenbesuchen, den Mundartleseabend „bald hinum-bald herum“, die Fachtagung für Natur- und Umweltentwicklung oder die EuRegio-Chronistenseminare.

Inhaltlich bildeten sich etwa die Schwerpunkte Sicherheit mit der EuRegio-Kindersicherheitsolympiade und dem 2. EuRegio-Sicherheitssymposium, oder Bürgerschaftliches Engagement mit einer Fachveranstaltung in Traunstein und Exkursionen in 3 EuRegio-Gemeinden heraus. Ferner wurden zwei wichtige EuRegio-Projekte, nämlich die Machbarkeitsstudie EuRegioBahnen und der Premiumwanderweg SalzAlpenSteig Chiemsee-Königssee-Hallstätter See erfolgreich zur EU-Förderung über INTERREG IV A Bayern/Österreich beantragt, so dass allein für diese beiden Projekte in den kommenden Jahren etwa eine Million Euro EU-Förderungen in die Region fließen werden.

Weiterhin beschloss der EuRegio-Rat einstimmig den vorgelegten Jahresabschluss für das Jahr 2011 mit Ausgaben von gut 374.000 €. Diese Ausgaben werden im Wesentlichen über EU-Fördermittel aus INTERREG IV A, über Kofinanzierungen der beiden Länder Salzburg und Bayern sowie über die Mitgliedsbeiträge der Gemeinden finanziert. Bürgermeister Peter Schröder aus Oberndorf wurde zum neuen Rechnungsprüfer von Salzburger Seite gewählt, da Bürgermeister Matthäus Maislinger aus Mattsee in den Ruhestand gegangen war.

Pressemitteilung EuRegio

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