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Aufreger-Thema Glyphosat: Das sagen die Molkereien in der Region 

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Ein Landwirt trägt Herbizide auf seinen Feldern aus. 
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Landkreis - Glyphosat-Verbot: Ja oder Nein? Die EU-Kommission hat die Entscheidung vorerst vertagt. Wie stehen die großen Molkereien in der Region zu dem Thema? 

Glyphosat macht nicht nur dem Unkraut den Garaus, als Herbizid tötet es auch jede natürlich wachsende Pflanze. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsagentur (WHO) ist das Unkrautvernichtungsmittel wahrscheinlich krebserregend. 

Für die Molkereien sollte der Einsatz tabu sein - möchte man meinen. Nachdem Mitte Oktober der Fall eines "schwarzen Schafes" unter den Milchbauern öffentlich wurde, kocht die Diskussion auch im Landkreis über. Der Traunsteiner Landwirt hat seine Felder nachweislich mit dem Unkrautmittel bearbeitet - und lieferte seine Milch an die "Milchwerke Berchtesgadener Land" in Piding. 

Auf Anfrage von BGland24.de nahm die Molkerei Stellung und zog klare Kante. Noch am Mittwochabend sprach sich der Aufsichtsrat der "Milchwerke Berchtesgadener Land" für ein Verbot von Glyphosat aus. Das Glyphosatverbot gilt damit ab sofort für alle 1.800 Genossenschaftsmitglieder, deren Milch in Piding verarbeitet wird.

Leser-Foto in der Nähe von Axdorf bei Traunstein: Die Wiesen verfärben sich nach dem Einsatz des Glyphosats deutlich.

Welche Meinung haben die übrigen großen Molkereien in der Region zu dem polarisierenden Thema? Jürgen Dorfer, Rohstoffmanager der "Bergader Privatkäserei" aus Waging am See ist für die Betreuung der Landwirte zuständig und erklärt: "Aus Sicht der Landwirte ist die Bekämpfung einzelner Pflanzen und Unkraut seit vielen Jahren zweckmäßig und sinnvoll. Glyphosat ist nicht verboten, einen Einsatz des Mittels können wir deshalb auch nicht verbieten. Wir geben unseren Landwirten aber eine deutliche Empfehlung, Glyphosat nicht flächig auf ihren Grünflächen auszubringen."

Auf die Frage nach Kontrollen erklärt Dorfer: "Wir haben natürlich gewissen Qualitätsstandards und sind mit den Landwirten vor Ort in Kontakt." Eine direkte Überprüfung des Einsatzes von Glyphosat aber gebe es nicht. Hierzu fügt Dorfer an: "Die Folgen eines Einsatzes von Glyphosat sind im Fall der Fälle nicht zu übersehen. Neben dem Unkraut stirbt das Gras rasch ab und die Wiesen verfärben sich braun."

Wie Dorfer weiter erläutert, verarbeite die Molkerei, die rund 700 Mitarbeiter beschäftige, ausschließlich Milch aus konventioneller Landwirtschaft. "Wir produzieren keine biologischen Produkte, im biologischen Anbau wäre der Einsatz von Glyphosat tatsächlich verboten." 

Bei der Einstufung und Bewertung von Glyphosat müsse man sich auf die zuständigen Institute wie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) verlassen. "Wir behalten Brüssel genau im Blick. Solange dort keine klare Entscheidung fällt, geben wir die Empfehlung an unsere Lieferanten, das Mittel flächig nicht zu verwenden", sagt Dorfer abschließend. 

Wasserburger Groß-Molkereien halten sich bedeckt

Die beiden großen Wasserburger Molkereien, Bauer und Meggle, reagierten auf Nachfrage der Redaktion bezüglich einer Stellungnahme zum Thema Glyphosat eher zurückhaltend.

Jens Fischer, Marketingleiter der "Privatmolkerei Bauer" deklarierte, dass der Einsatz von Glyphosat bei den eigenen Milchlieferanten "nur in Ausnahmefällen im Rahmen der gängigen landwirtschaftlichen Praxis" statt. Die aktuelle Diskussion bilde nun aber die Grundlage für eine Überprüfung für den Umgang mit dieser Thematik. 

Die wohl größte Molkerei in der Region, die Meggle AG mit rund 2700 Mitarbeitern aus Wasserburg, gab der Redaktion gegenüber zu verstehen, dass sie sich zum Thema Glyphosat zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt nicht äußern möchte. 

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mb

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