Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Es fehlt am Nachwuchs

Abstimmung über Vereinsauflösung: Verstummt die Neumarkt-St. Veiter Liedertafel komplett?

Einer der letzten Auftritte der Liedertafel: Beim Weihnachtskonzert 2017 präsentierte sich der Laienchor noch als stimmgewaltiges Ensemble.Jaensch/Enzinger
+
Einer der letzten Auftritte der Liedertafel: Beim Weihnachtskonzert 2017 präsentierte sich der Laienchor noch als stimmgewaltiges Ensemble.

Die Liedertafel hat in den vergangenen Jahrzehnten viel für die Kultur in Neumarkt getan. Doch jetzt steht der gemischte Chor der Rottstadt vor dem Aus. Am kommenden Mittwoch wird in einer Versammlung über die Auflösung gesprochen – auch, weil der Vorsitzende Josef Klemisch keinen Nachfolger findet.

Neumarkt-St. Veit – Fast ein halbes Jahrhundert lang führt Klemisch die Liedertafel, die zuletzt nur noch wenige Auftritte hatte. Besonders hart hatte es den Chor getroffen, als im vergangenen Jahr der letzte Dirigent, Rudi Aigner, starb. Die Einschränkungen während der Corona-Krise, die auch mit einem Probeverbot einhergingen, trugen ihr Übriges dazu bei, dass nun über die Auflösung diskutiert wird.

Seit 120 Jahren Kulturträger

Und damit steht ein Laienchor vor dem Aus, der als großer Kulturträger in der Rottstadt gilt. Die vor fast 120 Jahren gegründete Liedertafel war bislang zu einem Großteil auch ein Geselligkeitsverein, der nicht allein mit seinem Gesang das „deutsche Liedgut“ pflegte, sondern damit auch zur Unterhaltung der Bevölkerung beitrug. Dazu veranstalteten sie Abende mit Gesang, Theater und kunstvollen Einlagen. Besonders nach dem Zweiten Weltkrieg kurbelten die „Liedertafler“ das kulturelle Leben in ihrer Heimat wieder an. Schon früh erfreuten sie im Genossenschaftssaal mit Operettenaufführungen ihre Mitbürger.

Heinz Feichtner hält vier Jahrzehnte lang Dirigentenstab in der Hand

Heinz Feichtner führte 40 Jahre lang den Chor.

Unter Xaver Saller (gemischter Chor) und Fräulein Maria Stadler (Männerchor) wurde bald fleißig geübt, und es gab immer schon Anlässe, wo die Chöre ihre Auftritte hatten. 40 Jahre lang führte Lehrer Heinz Feichtner die Chöre zu großartigen Klangkörpern. Bald glänzte die Liedertafel im jedes Mal voll besetzten Genossenschaftssaal mit Konzertauftritten, die von dem Orchester Franz Weyerer über alle Jahrzehnte stilvoll begleitet wurden. Der „Liedertafelball“ im Fasching galt als rottstädtisches Großereignis, er behauptete sich gegen die anderen vier großartigen Bälle anderer Vereine.

Auch viel beachtete Weihnachtskonzerte – zuletzt 2017

Wo es sich anbot, gestaltete die Liedertafel auch städtische Feste und Feierlichkeiten zu Jubiläen und Faschingsfreuden mit. Es gab im Wechsel mit Kirchenchor und Orchester Weihnachtskonzerte, zuletzt im Jahr 2017, das Singen im Kreiskrankenhaus in Neumarkt am Weihnachtsfeiertag war ein gern geübter Brauch.

Lesen Sie dazu auch: Fideler Club löst sich auf (Plus-Artikel OVB-Online)

Bis zu 700 Besucher bei den Konzerten

In den 80er und 90er Jahren kamen zu den Konzerten der Liedertafel bis zu 700 Besucher in die Mehrzweckhalle, die im Genossenschaftssaal nicht Platz gefunden hätten.

Durch Auftritte in Mühldorf, Zangberg und anderswo hatte der Verein viele Freunde im Landkreis gefunden – ein großes Verdienst des Vorsitzenden Josef Klemisch an der Spitze.

Klemisch will die Gemeinschaft am Leben erhalten

Dass es jetzt vorbei sein könnte, bereitet Klemisch Kopfzerbrechen: „Vereinsauflösung ist ein fürchterliches Wort. Wir wollen doch nur, dass wir ohne e.V. weiterleben können. Dann brauchen wir keine Satzung oder Vorstandschaft. Ich will, dass wir als Gemeinschaft weiter existieren, uns treffen und singen und gemütlich bleiben. Von mir aus als „Chor der über Achtzigjährigen.“ Dabei lacht er. Nicht ganz unverbittert.

Auch interessant: Maskenpflicht, 3G-Regel und Alkohol-Ausschank – Diese Regeln gelten auf den Weihnachtsmärkten in Bayern

Feichtner gibt dem Zeitgeist die Schuld

Einen Grund für die drohende Auflösung sieht der langjährige Dirigent Heinz Feichtner im Zeitgeist: „Als die jungen Sängergruppen aufkamen, die mit Mikrofonen und Verstärkern neue Lieder in Kirchen und anderen Veranstaltungen sangen, kam zur Liedtafel nur noch wenig Nachwuchs.“ Wenn mal junge Sänger kamen, so hätten sie den Gesang nicht „in“ gefunden. „Viele bleiben dann einfach weg!“

Freizeitsänger wollen sich nicht mehr umstellen

Ute Heiß, viele Jahre stellvertretende Vorsitzende, weiß: „Alles ist doch im Wandel. Unsere Melodien kamen bei den Jungen nicht mehr so gut an, wie die modernen Schlager oder auch Kirchenlieder. Und wir Freizeitsänger wollen und können uns wohl auch nicht mehr umstellen. Es ist schade, aber es ist so.“

Bassstimme Michael Klankermeier glaubt nicht an den Erhalt des Vereins

Bedauern, das auch ein leidenschaftlicher Basssänger teilt. Über sieben Jahrzehnte war Michael Klankermeier ein sicherer Basssänger im Chor. Er meint: „Ohne Vereinsführung ist es ja wohl völlig aussichtslos, den Verein weiter bestehen zu lassen.“ Auch er kann keine Personen ausmachen, die vakant werdenden Ämter zu besetzen. „Wir sind ja inzwischen viel weniger geworden, auch viel älter. An einen Erhalt des Vereins ist momentan nicht zu denken.“

Kommentare