AFFÄRE UM AFD-BEZIRKSRAT

AfD-Kreisverband Mühldorf spricht von politischem Komplott gegen Martin Wieser

Links gegen rechts: Weil sich AfD-Bezirksrat Martin Wieser in einem Messenger-Chat abfällig über Vertreter der Linkspartei geäußert hat, hat Claus Debnar, Linken-Stadtrat aus Mühldorf, Anzeige erstattet.
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Links gegen rechts: Weil sich AfD-Bezirksrat Martin Wieser in einem Messenger-Chat abfällig über Vertreter der Linkspartei geäußert hat, hat Claus Debnar, Linken-Stadtrat aus Mühldorf, Anzeige erstattet.

Kreisvorsitzender Oliver Multusch behauptet in einer Stellungnahme: „Es gab keine Geburtstagsparty!“ Hammerwirt Holger Nagl ist entrüstet, dass er in den Streit hineingezogen wird. Und der Mühldorfer Linken-Stadtrat Claus Debnar erstattet Anzeige. Das sind die neuesten Entwicklungen.

Mühldorf – Von einer Kampagne und konstruierten Anschuldigungen gegen Bezirksrat Martin Wieser spricht der AfD-Kreisverbands-Vorsitzende Oliver Multusch. Er wies alle Vorwürfe gegen Wieser zurück. Worum geht es? Am Wochenende waren Screenshots eines Internetchats bekannt geworden, in denen Wieser selbst geschrieben hatte, er feiere gerade ein großes Geburtstagsfest und „wir scheißen auf das Infektionsschutzgesetz“.

AfD spricht von „manipulativ bearbeiteten“ Screenshots

Multusch schreibt dazu in einer Pressemitteilung: „Es gab keine Geburtstagsparty, bei der eine Zusammenkunft von Personen stattgefunden hat. Weder beim Hammerwirt noch bei Herrn Wieser, wie durch die offenkundig manipulativ bearbeiteten/angeordneten Screenshots suggeriert werden soll.“

AfD kritisiert Beschuldigungen gegenüber Hammerwirt

Als unverantwortlich bezeichnete der AfD-Kreisvorsitzende Beschuldigungen gegen den Hammerwirt, dessen Name in dem Chatverlauf erwähnt wird. „In dieser für alle Gastronomen schweren Zeit unbewiesene Behauptungen gegen einen Betrieb zu erheben ist üble Nachrede und in hohem Maße geschäftsschädigend.“

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Holger Nagl will nicht zwischen die Fronten zweier politischer Partien geraten

Hammerwirt Holger Nagl wehrt sich dagegen, dass er jetzt öffentlich in die Affäre hineingezogen werde. „Es hat beim Hammerwirt keine Veranstaltung gegeben, ich hatte nicht einmal Kontakt zu Martin Wieser“, stellt Holger Nagl klar.

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Nagl weist sämtliche Mutmaßungen von sich: „Es wäre doch ein verheerendes Signal, wenn ausgerechnet ich als Vorsitzender des Kreisverbandes des Hotel- und Gaststättenverbandes ungesetzliche Tätigkeiten in meinem Wirtshaus zulassen würde! Meine gesamte Branche und auch ich selbst haben momentan wirklich wichtigere Dinge zu tun als sich mit so einem Schmarrn zu befassen.“

Holger Nagl: Inzwischen haben sich beide Lager entschuldigt

Dass seine Gaststätte in den Fall Martin Wieser unverschuldet hineingezogen wurde, verärgere ihn zutiefst. „Keine der politischen Gruppierungen, die sich gegenüberstehen, hat mich um Erlaubnis gebeten, meine Firma zu erwähnen.“ Inzwischen hätten sich beide Lager entschuldigt, dass in einer Facebook Nachricht irrtümlich Nagls Firma erwähnt worden sei. „Ich habe keine Lust, mich instrumentalisieren zu lassen, weder von der AfD, noch von den Linken oder jeder anderen politischen Gruppierung!“

Meine gesamte Branche und auch ich selbst haben momentan wirklich wichtigere Dinge zu tun als sich mit so einem Schmarrn zu befassen“

Gastronom Holger Nagl vom Hammerwirt

Doch holt Multusch noch weiter aus, wenn er zum Rummel um die Person Martin Wieser Stellung bezieht. Unwürdig habe sich nach Ansicht des AfD-Kreisvorsitzenden auch SPD-Kreisrat und Mühldorfs Altbürgermeister Günter Knoblauch verhalten, als er die „unbewiesenen Anschuldigungen“ gegen Wieser bei einer Kreistagssitzung erhoben habe. Knoblauch hatte in der Kreistagssitzung Konsequenzen für Wieser gefordert und betont, dass der AfD-Kreisrat mit seinem untragbaren Verhalten in der Öffentlichkeit das Ansehen aller Mandatsträger geschädigt habe.

AfD-Kritik auch an Berichterstattung über Wiesers vulgäre Ausdrucksweise

Multusch kritisiert schließlich auch die Berichterstattung der Heimatzeitung. Wieser hatte am Freitag gegen über dem OVB erklärt, dass es eine solche Party nicht gegeben habe, seine vulgäre Aussage über das Infektionsschutzgesetz sei ein Schreibfehler. Er habe schreiben wollen: „Wir schließen auf das Infektionsschutzgesetz.“

Kompletter Chatverlauf liegt der Redaktion vor

Grundlage der Vorwürfe gegen Wieser ist ein Privatchat mit einem Internet-Messenger-Nutzer, der sich unter dem falschen Namen „Lex Barker“ mit Wieser unterhält. „Lex Barker“, dessen Identität den OVB-Heimatzeitungen bekannt ist, hat die gesamte Unterhaltung inzwischen an die Polizei zur Überprüfung übergeben.

Es ist auch von einem „Depp Narr“ die Rede, im Kontext heißt es: „Und das ist ein unterirdischer linker Drecksack“. Am Montag hat deswegen Linken-Stadtrat Claus Debnar bei der Polizei Anzeige gegen Wieser wegen Beleidigung erstattet.

Die Polizei ermittelt außerdem wie sie am Freitag mitgeteilt hat, ob es diese Feier gegeben hat oder nicht.

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