Was auf der Burhenne passierte

Auf dem Rücken der Kinder: Kritik an Räumung des Schlittenbergs in Mühldorf – keine Bußgelder

Wenn Schnee liegt, dann zieht es die Menschen in der Region hinaus zum winterlichen Vergnügen.
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Wenn Schnee liegt, dann zieht es die Menschen in der Region hinaus zum winterlichen Vergnügen. Doch in Mühldorf griff die Polizei am Dreikönigstag (6. Januar) ein und vertrieb die rodelnden Kinder am Schlittenberg an der Burhenne.

Die Diskussion über die Räumung eines Schlittenbergs zur Einhaltung der Corona-Regeln in Mühldorf geht weiter. In sozialen Netzwerken kritisieren viele die Polizeiaktion am Dreikönigstag (6. Januar). Das Landratsamt und die Polizei haben derweil eine Entscheidung in Sachen Bußgelder getroffen.

Mühldorf – Zweimal vertrieb die Polizei am Dreikönigstag Kinder und ihre Eltern vom Schlittenberg an der Burhenne in Mühldorf. Gegen 11.30 und 14.40 Uhr waren die Beamten vor Ort. Sie nahmen auch die Personalien der Eltern auf, denn die verstießen laut Polizei gegen die Corona-Auflagen.

Viel Betrieb? Ja – Gefährlich? Nein

„Wir waren dort, als der Spielplatz gesperrt wurde und wir Platzverbot bekommen haben“, erzählt Michael Müller. Die Polizei sei kurz nach 13 Uhr mit einem Streifenwagen gekommen, danach seien immer mehr Polizeifahrzeuge angerückt. Die Beamten hätten an der Bushaltestelle geparkt und das Treiben auf der Burhenne etwa eine halbe bis dreiviertel Stunde beobachtet. „Dann sind sie gekommen und haben Platzverweise ausgesprochen.“ Einige Eltern seien schon gegangen, als sie die Polizeiautos bemerkt hätten. „Es war sehr friedlich, niemand hat sich aufgeregt.“

Verständnis hat Müller, der mit seinem und zwei befreundeten Kindern an der Burhenne war, für die Aktion nicht. „Es war zwar einiges los, aber weder fremde Eltern, noch Kinder haben sich vermischt oder sich irgendwie groß unterhalten“, sagt er. „Ich fand, dass alles gesittet abgelaufen ist und keine Vorschriften missachtet wurden.“

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80 Personen tummelten sich nach Angaben der Polizei zu diesem Zeitpunkt auf dem weitläufigen Gelände, an dessen oberem Ende ein Spielplatz liegt. Dort standen die Eltern auch in Gruppen, die Kinder rodelten den Hang hinunter. „Auch mal zu viert auf einem Schlitten“, berichtet ein Polizist vom Einsatz.

Mutter: Polizei sehr umsichtig

Nach Angaben der Polizeidirektion Rosenheim waren zehn Beamte mit fünf Streifen nachmittags an dem Einsatz beteiligt. Vormittags sei nur eine Streife vor Ort gewesen.

Martin Emig, Sprecher des Polizeipräsidiums in Rosenheim verteidigt die Einsatztaktik. „Wenn dort 80 Leute sind und ich für Ordnung sorgen muss, kann ich das nicht mit nur einer Streifenwagenbesatzung tun“, sagt Emig. „Das brauche ich mehr Manpower, damit ich schneller mit den Leuten reden kann.“

Nur einmal gibt es Streit zwischen Polizei und einem Erwachsenen

Immerhin: „Es war ein junger Polizist, sehr nett und verständnisvoll, der nur seine Arbeit gemacht hat!“, bricht eine Mutter, die mit zwei Kindern vormittags beim Rodeln war. Das besonnene Verhalten habe dazu beigetragen, dass die Stimmung nicht eskaliert sei. Auch Eltern und Kinder hätten sich aber vernünftig verhalten. „Klar hat man auch geratscht, jedoch in gebotenem Abstand.“ Aber halt ohne Maske.

Nur ein Vater habe sich einen lautstarken Streit mit einer Polizeibeamtin geleistet, berichtet die Mutter weiter. Enttäuscht, verbittert, mitunter auch wütend hätten Kinder und Eltern den Anweisungen Folge geleistet. „Traurig, dass es soweit kommen musste. Und das, nachdem sich die Kinder so auf den ersten Schnee vor der Haustür gefreut hatten!“ Sie fragt sich: „Wenn man nicht Mal mehr an die frische Luft darf: Wohin soll das noch führen?“

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Die Beamten, die die Rodelkinder und ihre Eltern gegen 14.40 Uhr vertrieben, nahmen die Personalien der Eltern auf. „Sie kündigten aber an, dass es keine Strafen geben werde“, erzählt Müller.

Eltern begingen Ordnungswidrigkeit

Das sieht auch die Polizei Mühldorf so, sie will die Eltern straffrei davon kommen lassen. „Wir werden eine Ereignismeldung machen“, sagt Sprecher Uwe Schindler. „Es ist aber nicht vorgesehen, eine Anzeige vorzulegen.“ Dem schließt sich das Landratsamt nach Auskunft von Sprecherin Karin Huber an. „Im Zuge der Kontrolle werden keine Bußgeldverfahren eingeleitet“, teilte sie auf Anfrage mit. Sie betonte aber auch, dass „neuralgische Plätze im Blick behalten werden“.

An der Burhenne soll die Zahl der Personen begrenzt werden, die sich am Schlittenberg aufhalten dürfen. „Die Stadt wird entsprechende Schilder anbringen, die auf die Begrenzung auf maximal 40 Personen und den Mindestabstand hinweisen“, erklärt Sprecherin Huber.

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Zugleich verteidigt Landrat Maximilian Heimerl das Vorgehen der Polizei. „Die Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung muss auch im Freien dringend eingehalten werden“, sagt er. Zusammen mit Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl appelliert er an die Vernunft der Eltern: „Wir wollen hier keinesfalls Kindern und Familien, die von den Beschränkungen besonders stark betroffen sind, den Spaß verderben. Zumal es wünschenswert ist, dass Familien zu Hause bleiben und nicht in die Berge fahren.“ Es sei jedoch wichtig, dass auch beim Rodeln im Freien die geltenden Kontaktbeschränkungen und Abstandsregeln eingehalten würden.

Vor allem in den Sozialen Netzwerken ging die Diskussion über den Einsatz auch gestern weiter. Dabei richtete sich der Zorn der Leser vor allem gegen Anwohner, die die Polizei gerufen haben: „Am Anfang der Krise hieß es, wir müssen zusammen halten in dieser schweren Zeit. Ein Jahr später heißt es verpfeife deinen Nachbarn“, schreibt eine Facebookleserin.

Jugendreferent fordert mehr Engegment der Stadt

Gottfried Kirmeier (SPD), Jugendreferent der Stadt, sprach von einem „Vorgehen mit der Brechstange gegen Kinder, die am wenigsten für die Situation können“. Er nahm die Eltern in die Pflicht, mit ihren Kindern an Orte zu gehen, die weniger frequentiert sind.

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Zugleich kritisierte er die Stadt und Bürgermeister Michael Hetzl. „Die Stadt hätte sich längst etwas für Kinder überlegen müssen“, sagt Kirmeier. So könnten zum Beispiel Erzieherinnen aus den geschlossenen Kinderbetreuungseinrichtungen oder dem Jugendtreff eingesetzt werden, um auf Spielplätzen und Rodelbergen nach dem rechten zu sehen. „Die könnten da ordnend schauen und vor allem für die Kinder da sein.“

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