Interview mit Alfred Lantenhammer

Corona: Gemeinde-Chef in Schönberg sorgt sich um das öffentliche Leben in seiner Gemeinde

Freude bereiten Bürgermeister Alfred Lantenhammer die einfach mit einer EC-Karte zu bedienende Elektrotankstelle (22kW), das mit Smartphone-App zu leihende E-Lastenfahrrad sowie das E-Auto.
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Freude bereiten Bürgermeister Alfred Lantenhammer die einfach mit einer EC-Karte zu bedienende Elektrotankstelle (22kW), das mit Smartphone-App zu leihende E-Lastenfahrrad sowie das E-Auto.

Das öffentliche Leben ist durch die Corona-Pandemie auch in Schönberg eingeschlafen. Aber große Investitionen stehen an und auch die E-Mobilität hat den Ort erreicht. Bürgermeister Alfred Lantenhammer beschreibt im Interview, wie es im Ort weitergehen soll.

Schönberg – Das gesellschaftliche Leben liegt brach, die Corona-Infektionen steigen weiter an. Und doch geht die Arbeit in der Gemeinde weiter. Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer erzählt im aktuellen Interview, worauf die Gemeinde in den kommenden Monaten den Fokus legt, wo Investitionen dringend notwendig sind und wie es ihm selbst im Umgang mit der Pandemie geht.

Wie haben Sie als Bürgermeister die Pandemie bislang in der Ihrer Gemeinde miterlebt?

Alfred Lantenhammer: Das öffentliche Leben ist eingeschlafen. Im Kindergarten mussten wir sogar die Mitarbeiter im Notbetrieb auf Kurzarbeit schicken. Das Vereinsleben ist völlig zum Erliegen gekommen. Der Gemeinderat tagt im Saal des Gasthauses Esterl, weil kein anderer Raum groß genug ist.

Corona-Hotspot: „Wir müssen höllisch aufpassen“

Wie geht es Ihnen damit, dass Ihre Gemeinde zuletzt wegen mehrerer Corona-Fälle in die Schlagzeilen geraten ist?

Lantenhammer: Wir müssen höllisch aufpassen, denn mit dem britischen Virus haben wir eine zweite Pandemie: Vergangenes Jahr gab es bei uns kaum Ansteckungen, jetzt sind wir plötzlich Hotspot. Hat es einer in der Familie, haben es alle, so ansteckend ist diese Mutation. Lediglich die Geimpften sind nicht betroffen, daher wird es auch vorerst keine Lockerungen geben. Ich hoffe, dass Sonne und Wärme die Inzidenzzahlen senken.

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Es heißt, dass die Pandemie Gewerbesteuereinbrüche und eine rückläufige Einkommensteuer bringen wird. Wird es tatsächlich so schlimm? Wie sehen Ihre Prognosen aus?

Gewerbesteuer-Einnahmen sollen sogar steigen

Lantenhammer: Ausgehend von 2019 erwarten wir in diesem Jahr sogar mehr Gewerbesteuern: Nicht nur 300.000, sondern sogar 350.000 Euro sollen es sei. Einige Betriebe sollen in der Krise sogar ihren Umsatz gesteigert haben. Da wir keine Arbeitslosen haben, steigt auch die Lohnsteuerumlage seit Jahren.

Müssen lange geplante Investitionen aufgeschoben werden?

Lantenhammer: Glücklicherweise haben wir fast eine Million Euro Rücklage. Wir wollen in zwei Jahren nun sieben Millionen investieren, wobei viel durch Fördergelder möglich wird. Beim neuen Feuerwehrhaus mit Wohnungen in den oberen Stockwerken haben wir schon begonnen. Im Keller soll es Vereinsräume und ein Archiv geben, weshalb wir auf eine Million Euro Förderungen hoffen, von denen bisher aber nur 815 000 sicher sind. Das zinslose 1,3-Millionen-Darlehen können wir über 20 Jahre durch die Wohnungsmieten bezahlen. Das Haus wird barrierefrei und mit 7,5 Euro pro Quadratmeter recht günstig. Daher könnten dort Senioren einziehen, die ihre Immobilie aufgeben. Generell soll die insgesamt 3,2 Millionen Euro teure Investition für bedürftige Einheimische da sein.

Investitionen auch in die Kinderbetreuung

Sie wollen aber auch in die Kinderbetreuung investieren...

Lantenhammer: Wenn wir weitere 489 000 Euro aus einem Sonderprogramm zur Erweiterung des Kindergartens erhalten wollen, müssen wir Mitte des Jahres mit dem Bau beginnen und bis Juli 2022 in Betrieb nehmen. Dank der Förderzusage des Freistaats über 785 000 Euro, bleibt bei Gesamtkosten von 1,7 Millionen Euro nur ein Eigenanteil von 500 000 Euro. Um das zu schaffen, wollen wir das schon in der nächsten Gemeinderatssitzung beschließen.

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Wie sieht es mit der Daseinsvorsorge aus?

Lantenhammer: Notwendig ist die Renovierung der Kläranlage für 350 000 Euro. Weitere Ausgaben im Millionenbereich sind für das Fernwärmenetz nötig.

Vereine bekommen E-Transporter und E-Bike kostenlos

Welches Ereignis war für Sie das bewegendste beziehungsweise das wegweisende für die kommenden Jahre?

Lantenhammer: Froh bin ich über die Ladesäule und dass wir nun den Kleintransporter mit E-Antrieb und ein elektrisches Lasten-Bike haben. Sobald die Vereine wieder etwas machen dürfen, wird das auch besser angenommen. Die bekommen es nämlich gratis. Generell gilt das Angebot aber für jedermann. Nutzen kann man die Fahrzeuge am besten über eine Smartphone-App, worüber auch die Kosten abgerechnet werden. Für diejenigen ohne Smartphone gibt es aber auch eine Karte.

Welche Entscheidungen im vergangenen Jahr haben besonders viel Energie verzehrt?

Lantenhammer: An der Bürgerbeteiligung für die sechs Hektar große Fotovoltaikanlage in Fuchshub arbeiten wir seit letztem Juni. Ich hoffe, dass der Gemeinderat das bald absegnet.

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Wo liegen die Probleme?

Lantenhammer: Das Problem sind die Auflagen. Bei der Energiewende sind generell die Bürger gefragt. Die Kosten für das private Fernwärmenetz, das schon jetzt öffentliche Liegenschaften versorgt, würde deutlich sinken, wenn sich über Anschlussgebühren mehr Hausbesitzer beteiligen. Wenn wir da 1,9 Gigawattstunden erneuerbarer Energien im Jahr erzeugen, fördert das der Freistaat zusätzlich mit 50 Prozent. Die FH Rosenheim erforscht gerade die Machbarkeit. Dass die fossilen Energieträger immer teurer werden, kommt uns entgegen.

Bürgermeister hofft auf Rückkehr eines normalen öffentlichen Lebens

Über welche Nachricht würden Sie sich besonders freuen?

Lantenhammer: Dass endlich alle geimpft sind, denn nur so können wir die Pandemie besiegen! Dann gäbe es wieder ein normales öffentliches Leben mit gemeinsamen Aktivitäten.

Mit welchem Leitsatz gehen Sie in die Zukunft?

Lantenhammer: „Actio gleich Reactio“: Ich bin Maurermeister und daher weiß ich, dass man bei allem, was man irgendwo anbaut, eine Gegenkraft benötigt, damit es nicht umfällt. Um das richtig abzuschätzen, ist Fingerspitzengefühl nötig. Ich versuche, allem das Positive abzugewinnen, wie beim Kindergarten, wo uns der Zeitdruck die Chance eröffnet, eine Förderung zu bekommen. So gibt uns die Pandemie die Chance, uns aufs Wesentliche im Leben zu besinnen, damit wir danach besser weitermachen können.

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