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Süffiger Haustrunk

Der Bauer als Brauer: Erinnerungen an die Taufkirchner Biergeschichte

Auf ihren Höfen hatte die Bierproduktion Tradition (von links): Johann Huber und Josef Mußner an der Kupfersudpfanne in Englhausen, in der drei Hektoliter Platz hatten. Fill
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Auf ihren Höfen hatte die Bierproduktion Tradition (von links): Johann Huber und Josef Mußner an der Kupfersudpfanne in Englhausen, in der drei Hektoliter Platz hatten.

Sie sind längst vergessen die hofeigenen Brauereien, die vielerorts besonders Anfang des 20. Jahrhunderts süffiges Bier hergestellt haben. In den ehemaligen Gemeinden Taufkirchen und Zeiling gibt es eine ganze Reihe von Hofbrauereien – und vor allem ist noch ein Teil des Equipments der Brauer erhalten

Taufkirchen – Dokumente, die an diese Zeit erinnern, hat jetzt Johann Huber aus Lafering dem Taufkirchner Gemeindearchiv übergeben.

Vor fast hundert Jahren waren beim Hauptzollamt in Simbach gleich mehrere Hausbrauereien aus Taufkirchen und Umgebung geführt: Josef Mittermaier im Weiler Zauner; Josef Raab in Geisberg: Josef Käsmaier in Pietenberg und Fritz Puchner in Englhausen. 1928 wurde auch die Hausbrauerei von Johann Huber in Lafering genehmigt und ein Maischbottich mit einem Rauminhalt von 165 Litern vermessen. Darin durfte der Bauer Bier für den Eigenverbrauch brauen. Von allen Hofbrauereien wurde die Genossenschaftsmühle (Malzsteuermühle) in Englhausen gemeinschaftlich genutzt.

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1964 wurde die Hofbrauerei in Lafering abgemeldet. Maria Fürstenberger, die Schwester von Johann Huber, erinnert sich noch an die Zeit, als ihr Vater und Großvater dort Bier brauten. Etwa alle zwei Monate gingen sie an die Arbeit.

Ein uraltes schweres Biertragerl mit einer Reaumur-Skala. 1901 wurde die amtliche Temperaturmessung von Grad Reaumur auf Grad Celsius umgestellt.

Weite Wege für die Bierhefe zurückgelegt

„Ich war ab der dritten Klasse für die Flaschenreinigung zuständig und musste mit dem Radl um Bierhefe fahren“, erzählt sie. „Wenn ich Glück hatte, ging es nur nach Englhausen, ansonsten gab es die Hefe in Zehethof bei Peterskirchen oder beim Stolz-Bräu in Kraiburg.“

Angefüllt wurde der Gerstensaft in Ein-Liter-Flaschen und im unteren, zweiten Keller gelagert, „um es kühl zu halten“, so Fürstenberger.

Ein Blick in „Mußners Brauerei-Museum“

Einen besonderen Einblick in die Taufkirchner Biertradition erlaubt die ebenfalls längst geschlossene Brauerei im Keller des alten Wohnhauses von Josef und Frieda Mußner in Englhausen. Die in eine Ziegelmauer gesetzte Kupfersudpfanne mit einem Rauminhalt von drei Hektoliter zeigt sich immer noch blitzblank. Eine für damalige Verhältnisse hochmoderne Flaschenreinigung und die Abfüllmaschine sind bestens erhalten.

Ein ganz besonderes Stück Biergeschichte ist für Josef Mußner eine sogenannte Reaumur-Skala, auch als „octogesimal Division“ bekannt, die noch auf das 19. Jahrhundert zurückgeht. Denn im Jahr 1901 wurde die amtliche Temperaturmessung von Grad Reaumur auf Grad Celsius umgestellt. Seitdem entsprechen 80 Reaumur 100 Grad Celsius.

Vor dem Krieg galt eine Preisbindung

Gegründet wurde die Hausbrauerei Englhausen von Friedrich Puchner, dem Opa von Frieda Mußner. Um eine eigene Brauerei zu starten, hatte sich Puchner, der aus einer Zieglerfamilie in Regenstauf stammt, bei einem einjährigen Praktikum in einer Brauerei in Regensburg das Rüstzeug dafür geholt.

Bis heute erhalten: die damals hochmoderne Flaschenreinigung und Abfüllanlage aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Im Keller des Wohnhauses richtete er dann im Jahr 1928 die Hofbrauerei ein. Das Bier wurde in Literflaschen abgefüllt und löschte den Durst der Dienstboten in der Landwirtschaft und der Arbeiter in der Ziegelei.

„Nachdem die ersten vier Jahre lediglich Bier für den eigenen Betrieb eingebraut wurde, stieg die Hausbrauerei dann auch in den Hausierhandel ein. Das Dünnbier in Flaschen wurde für 18 Pfennig, das Vollbier in Flaschen für 30 Pfennig je Liter an die Konsumenten abgegeben. Das war genau festgelegt. Da es in den Jahren vor dem Krieg eine Preisbindung für die verschiedenen Biere gab, schauten die Brauer und ihr Verband, dass sich jeder an die Regeln hielt.

Eine vielfältige Flaschensammlung

In „Mußners Brauerei-Museum“ gibt es noch einige Relikte aus der Geschichte des Betriebs, zum Beispiel einen alten Bierträger aus schwerem Holz. Und weil die Brauerei in der Anfangszeit keine eigenen Flaschen mit Prägung hatte, sammelte Betriebsgründer Friedrich Puchner offensichtlich gezielt Flaschen anderer Brauereien.

Die Sammlung ist heute der Grundstock für eine ordentliche Auswahl an alten Bierflaschen, gut und gerne rund 350 verschiedene Behälter. Erinnerungen an eine längst vergangene gute, alte Zeit, in der die Menge des Haustrunks noch genehmigt werden musste.

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