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Alt, blind und einsam

Sorge um kleines Shetland-Pony in Egglkofen

Der Auslauf des Ponys bei Hainzing ist eingeschränkt. Laut Besitzerin hat das einen Grund: Es ist blind und kann sich nur auf engem Raum orientieren.
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Der Auslauf des Ponys bei Hainzing ist eingeschränkt. Laut Besitzerin hat das einen Grund: Es ist blind und kann sich nur auf engem Raum orientieren.

Egglkofener bangen um die Gesundheit des kleinen Ponys Methusalems. Das Veterinäramt war schon vor Ort und die Besitzerin verteidigt die artgerechte Haltung.

Egglkofen– Seit einiger Zeit steht das Haus zwischen Egglkofen und Hainzing leer. Das Grundstück ist vermüllt, zahlreiche Blumentöpfe stehen am Boden, Bauholz türmt sich, mittendrin ausrangierte Autos. Doch gänzlich unbewohnt ist es nicht: Ein Pony lebt auf dem Grundstück, fristet sein Dasein in einem kleinen Holzverschlag. Zwar ist ein Auslauf vorhanden, aber nach Meinung einer Egglkofenerin viel zu klein. Sie hat sich jetzt an die Zeitung gewandt, stellt die Frage: Ist diese Haltung artgerecht?

Vorwürfe von Spaziergängern

„Im Sommer, wenn es heiß ist, gibt es kein Wasser. Und jetzt im Winter ist es gefroren. Ich habe das auch schon dem Veterinäramt gemeldet, aber es wird nichts gemacht“, beklagt die Egglkofenerin Sonja Hellfeuer-Kirschner die Zustände vor Ort. Sie berichtet von einem kleinen Verschlag, nicht größer als ein auf zwei Meter, in dem das Tier vor sich dahinvegetiere.

„Draußen ist alles batzig!“ Sie sorgt sich auch um den Zustand des Tieres. „Das Fell des Shetland-Ponys gehört gepflegt, gestriegelt. Das Tier hat schlechte Zähne, kann nicht ordentlich beißen!“ Die Egglkofenerin findet, dass sich schon längst ein Tierarzt das Pony ansehen sollte. Maximal einmal pro Tag, so Hellfeuer-Kirschner, käme jemand, um das Tier zu versorgen.

Bürgermeister: Laufend kommen Hinweise aus der Bevölkerung

Egglkofens Bürgermeister Johann Ziegleder ist der Fall bekannt. Auf Nachfrage erklärt Ziegleder, dass das Haus schon ein, zwei Jahre leer stehe. Das Grundstück sei vermüllt, man bekomme in der Gemeinde laufend Hinweise von Spaziergängern. Die Gemeinde habe auch reagiert und eine Tierärztin zurate gezogen, um den Zustand des Ponys zu begutachten. Die Antwort: Es werde artgerecht gehalten, regelmäßig gefüttert und es stehe ausreichend Wasser zur Verfügung.

„Wir können nichts machen!“, bedauert Ziegleder, der auch von mehreren Katzen spricht, um die sich scheinbar niemand kümmere. „Ich sorge mich da auch um die Singvögel“, Ziegleder, der selbst passionierter Jäger ist und das Pony am liebsten auf einem Gnadenhof sehen würde. Oder drastischer: Dass es zum Pferdemetzger gebracht werde, „wenn es denn zu leiden habe!“

Dem Veterinäramt ist der Fall bereits bekannt

Was sagen die Behörden dazu? Das Landratsamt in Mühldorf bestätigt auf Anfrage, dass der Fall in Egglkofen dem Veterinäramt bekannt sei. Es handele sich um „ein sehr altes Pony, das – nachdem die ehemals vorhandenen Stallgenossen verstorben sind – schon längere Zeit alleine gehalten wird“.

Die Bedingungen für eine artgerechte Tierhaltung seien im Tierschutzgesetz niedergelegt und würden im Fall der Tierart Pferd unter anderem durch die „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen unter Tierschutzgesichtspunkten“ konkretisiert.

Guter Ernährungs- und Pflegestand bescheinigt

Wie die Pressestelle des Landratsamtes mitteilt, sei die Haltung überprüft worden. „Das Pony befand sich in einem guten Ernährungs- und Pflegezustand, Futter und Wasser waren vorhanden und der Zustand des vom Pony genutzten Areals ließ auf die regelmäßige Entfernung der Ausscheidungen schließen.“ Es gebe demnach bisher keinen Anlass zu der Annahme, das Pferd würde nicht regelmäßig versorgt werden.

Für Sonja Hellfeuer-Kirschner ist das zu wenig. Was sie aber am meisten stört: „Das Pferd siecht dahin, ist den ganzen Tag alleine, benötigt meiner Meinung aber auch Zuneigung.“ Sie verstehe nicht, warum man ein Lebewesen auf diese Art und weise halten kann. „Ich würde das Pony auch abkaufen und ihm einen schönen, guten Platz suchen, weil ich möchte, dass das Pony ein schönes Leben hat.“

Ein Fall für den Pferdemetzger?

Die Besitzerin des Tieres hat allerdings keinen Zweifel daran, dass es dem Tier an irgendetwas mangeln könnte. „Das Pony ist Asbach-Uralt. Es wird versorgt und kriegt alles, was es benötigt“, betont Susanne Kempter, Tochter der Eigentümerin des Hauses. Täglich werde das Tier verpflegt, beteuert sie.

„Das Pony ist blind. Deswegen ist der Auslauf auch eingeschränkt“, erklärt Kempter. Das Pony würde sonst nicht mehr zurück in den Stall finden.

Katzen zu alt, um Singvögel zu jagen?

Versorgt werde es, auch aufgrund seines fortgeschrittenen Alters, mit Spezialfutter, weil es verschiedene Futtermittel nicht mehr vertrage. „Auch deswegen kann ich das Pferd nicht einfach auf einer Weide laufen lassen. Es ist auch streng untersagt, das Pony zu füttern!“ Es könne sonst erkranken, warnt Kempter, die sich als Tierliebhaberin bezeichnet. „Dass unsere Katzen Singvögel jagen, denke ich nicht.

Erstens weil sie genug Futter bekommen. Und Zweitens weil sie 15 Jahre und älter sind. Die jagen keine Vögel mehr“, ist sie überzeugt. Der Vorschlag, das Pferd zum Schlachter zu bringen, macht die Dame fassungslos. „Das Pony ist nur steinalt. Deswegen muss man es doch nicht gleich schlachten. Es darf bei uns Leben, bis es den Löffel abgibt!“

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