Ein Jahr Corona im Landkreis Mühldorf

Kämpfen bis an die eigenen Grenzen: Das Krankenhaus Mühldorf und seine Mitarbeiter

Kontrolle vor dem Eingangszelt an der Notaufnahme: Therese Keil und Ibrahim Cakar am Tag, an dem das Krankenhaus Mühldorf zur Corona-Klinik wurde.
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Kontrolle vor dem Eingangszelt an der Notaufnahme: Therese Keil und Ibrahim Cakar am Tag, an dem das Krankenhaus Mühldorf zur Corona-Klinik wurde.

Mühldorf - Ein Jahr stand das Inn-Klinikum Altötting/Mühldorf im Corona-Feuer, die Mitarbeiter mussten an ihre Leistungsgrenze gehen. Vorstandsvorsitzender Thomas Ewald befürchtet, dass die Corona-Patientenzahlen wegen der Lockerungen wieder steigen werden.

Warum wurde das Krankenhaus Mühldorf in der ersten Welle zum Corona-Krankenhaus?

Thomas Ewald: In der ersten Welle haben wir Mühldorf dazu gemacht, um die anderen Häuser weitestgehend coronafrei zu halten. Das hatte im Sinne des Infektionsschutzes große Vorteile und Mühldorf eignete sich baulich hervorragend dafür.

Thomas Ewald.

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Warum sind Sie im Herbst davon abgerückt?

Ewald: In der zweiten Welle, die dramatischer verlaufen ist, haben wir die Versorgung auf die Schultern von drei Kliniken verteilt. Ein Haus hätte die Herausforderung alleine nicht bewältigen können. In Task-Force-Sitzungen stellen wir uns ständig auf die veränderte Situation ein und passen unsere Maßnahmen an. Eine Lehre, die wir gezogen haben, ist, dass wir hochflexibel sein müssen.

Bis zu 100 Corona-Patienten gleichzeitig versorgt

Was waren die größten Probleme?

Ewald: „Wir haben teilweise knapp 100 positive Patienten gleichzeitig stationär versorgt und das hat unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Belastungsgrenzen gebracht. Diese leisten Tag für Tag auch nach einem knappen Jahr der Pandemiebekämpfung eine hervorragende und bewundernswerte Arbeit. In einzelnen Abteilungen aufgetretene Infektionssituationen wurden durch großen persönlichen Einsatz aufgefangen. Ich bin sehr stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, durch deren Engagement diese historische Herausforderung bisher gut bewältigt werden konnte.

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Viele Operationen verschoben

Welche Rolle wird Corona in den nächsten Monaten für die Kliniken spielen?

Ewald: Das Inn-Klinikum ist seit Wochen stark ausgelastet. Besonders auf den Intensivstationen kämpfen wir mit großen Bettenknappheit. Aufgrund der Lockerungen der Corona-Maßnahmen müssen wir uns auf steigende Patientenzahlen vorbereiten. Wir haben darüber hinaus einen großen Rückstau an planbaren Operationen, die verschoben werden mussten. Die Arbeitsbelastung wird also so schnell nicht abnehmen.

Ausgleichzahlungen sind zu niedrig

Wie sieht die wirtschaftliche Situation nach einem Jahr Corona aus?

Ewald: In der ersten Pandemiewelle hat die Regierung versucht, die Verluste durch Ausgleichszahlungen aufzufangen. Diese Ausgleichszahlungen sind in der zweiten Welle deutlich niedriger und ich hoffe und erwarte, dass hier noch nachgebessert wird. Eine verlässliche Aussage bezüglich der konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen lässt sich deshalb derzeit noch nicht treffen.

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