SPD-Abgeordnete fragte nach

So hat sich die Verkehrssituation auf dem A94-Neubauabschnitt Pastetten entwickelt

Die Ebersberger SPD-Landtagsabgeordnete Sigrid Rauscher stellte Ende Oktober eine Reihe von Fragen zur Verkehrssituation auf dem Neubauabschnitt der A94 in Fahrtrichtung München.
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Die Ebersberger SPD-Landtagsabgeordnete Sigrid Rauscher stellte Ende Oktober eine Reihe von Fragen zur Verkehrssituation auf dem Neubauabschnitt der A94 in Fahrtrichtung München.

Heldenstein/Pastetten - Wie hat sich die Verkehrssituation auf dem A94-Neubauabschnitt von Heldenstein Richtung München entwickelt? innsalzach24.de hat für euch die Fragen einer SPD-Abgeordneten und Antworten der Regierung darauf zusammengestellt.

Die Ebersberger SPD-Landtagsabgeordnete Sigrid Rauscher stellte Ende Oktober eine Reihe von Fragen zur Verkehrssituation auf dem Neubauabschnitt der A94 in Fahrtrichtung München. Ende November erhielt sie darauf Antworten von den Bayerischen Ministerien für Verkehr-, des Innern und Umwelt.

Frage: Wie hoch war die tägliche Fahrzeugzahl in den drei Jahren vor der Fertigstellung des Neubau-Abschnitts Pastetten und wie hat sie sich seitdem entwickelt?

Verkehrszahlen seit der Verkehrsfreigabe der A 94 und der letzten drei Jahre für den Abschnitt A 94, Autobahnkreuz München-Ost bis Anschlussstelle Parsdorf.

Antwort: Die Entwicklung der Verkehrszahlen seit der Verkehrsfreigabe der A94 zwischen Pastetten und Heldenstein sowie in den letzten drei Jahren kann der Tabelle entnommen werden. Für den Abschnitt Pastetten bis Autobahnkreuz München-Ost liegen Verkehrszahlen einer Dauerzählstelle im Bereich zwischen der Anschlussstelle Parsdorf und dem Autobahnkreuz München-Ost vor.

Wie häufig werden Messungen zu Geschwindigkeitsüberschreitungen auf dem Neubauabschnitt durchgeführt?

Auf dem Neubauabschnitt erfolgte die Geschwindigkeitsüberwachung aufgrund des niedrigen Unfallgeschehens im Rahmen des Streifendienstes. Auf der Bestandsstrecke von Pastetten bis zur Anschlussstelle Parsdorf besteht keine Geschwindigkeitsbeschränkung. Auf dem kurzen Streckenabschnitt von der Anschlussstelle Parsdorf bis zum Autobahnkreuz München-Ost ist in beiden Richtungen eine Streckenbeeinflussungsanlage zur Steuerung des Verkehrs eingesetzt. In diesem Abschnitt ist eine Geschwindigkeitsmessung derzeit nur mit dem digitalen System „TraffiStar S330“ möglich. Ein solches Gerät ist an der Streckenbeeinflussungsanlage nicht verbaut.

Das System „TraffiStar S330“ wird nicht angeschafft, da die Sensoren nicht in dem dort verwendeten Fahrbahnbelag verbaut werden können (häufige Fehlmessungen). Andere marktreife Systeme für diesen Fahrbahnbelag sind dem zuständigen Polizeipräsidium Nordbayern bislang nicht bekannt. Eine andere Form der Geschwindigkeitsüberwachung ist in diesem Abschnitt nicht zugelassen und auch technisch derzeit nicht umsetzbar. Daher finden keine Geschwindigkeitsmessungen in dem kurzen Bereich statt.

Wie hoch war die Zahl der Verkehrsunfälle in den drei Jahren vor der Fertigstellung des Neubau-Abschnitts Pastetten und wie hat sie sich seitdem entwickelt?

Entwicklung der Unfallzahlen:

Die Entwicklung der Unfallzahlen  in den drei Jahren vor der Fertigstellung des A94-Neubau-Abschnitts Pastetten und seitdem.

Hauptunfallursachen:

Die Hauptunfallursachen in den drei Jahren vor der Fertigstellung des A94-Neubau-Abschnitts Pastetten und seitdem.

Wie hat sich die Zahl der Bahnnutzer zwischen München und Landkreis Ebersberg seit Fertigstellung der A94 entwickelt?

Für die kontinuierliche Nachfrageermittlung im bayerischen Schienenpersonennahverkehr wird in den Regionalzügen die Anzahl der Fahrgäste sowie die Ein- und Aussteiger an den Stationen erhoben. Aus den erhobenen Stichproben werden für jedes Halbjahr
Durchschnittswerte errechnet. Monatsscharfe, auf den Landkreis Ebersberg bezogene Daten liegen nicht vor.

Um die Entwicklung der Bahnnutzung nach Fertigstellung der A94 abzuschätzen, wurde deshalb die Nachfrageentwicklung der Regionalzugstrecke München – Mühldorf ausgewertet. Hierzu wurde die Besetzung der Regionalzüge für einen durchschnittlichen Werktag (außer Samstag) im Querschnitt Markt Schwaben–München Ost des 1. und 2. Halbjahres 2019 miteinander in Bezug gesetzt. Demnach hat sich die Anzahl der Bahnnutzer zwischen München und Markt Schwaben im Regionalverkehr im Jahr 2019 im Vergleich zu den beiden vorherigen Jahren (2017 und 2018) um knapp 1 Prozent reduziert.

Wie hoch waren die Abgaswerte in den umliegenden Ortschaften vor und seit der Eröffnung des Neubauabschnitts?

In den angefragten Zeiträumen hat das Landesamt für Umwelt keine Immissionsmessungen in den umliegenden Ortschaften an der nun eröffneten Neubaustrecke der A94 und entlang der Strecke Pastetten bis zum Autobahnkreuz München-Ost der A94 durchgeführt oder damit Dritte beauftragt. Ebenso liegen der Staatsregierung keine Erkenntnisse zu anderweitig durchgeführten Messungen vor.

Wie hoch war der Lärmpegel in den umliegenden Ortschaften an der Neubaustrecke vor und nach der Eröffnung?

Eine Aussage zu den Lärmpegeln entlang des Streckenabschnitts von Pastetten bis zum Autobahnkreuz München-Ost ist nicht möglich, da keine flächendeckenden Daten dazu vorliegen. Einen Anhalt können die Ergebnisse der vom Landesamt für Umwelt durchgeführten Lärmkartierungen geben.

Der Eintrag des Lärmkatasters des Umweltministeriums für die A94.

Damit die Einhaltung der gesetzlich festgeschriebenen Grenzwerte der Lärmvorsorge sichergestellt wird, werden bundeseinheitlich normierte Lärmberechnungen bei Neubaustrecken durchgeführt. Die Einhaltung der gesetzlich festgelegten Grenzwerte wurde im Rahmen des jeweiligen Planfeststellungsverfahrens für den Abschnitt Pastetten-Heldenstein gewürdigt und fand Eingang in den Planfeststellungsbeschlüssen. Diese sind online einsehbar. Weiter gehende Daten zum Lärmniveau in den Ortschaften entlang der Neubaustrecke sind der Staatsregierung nicht bekannt.

Lärmschutz-Diskussionen seit Eröffnung von Neubau-Abschnitten

Schon seit über einem Jahr zieht sich nun die Debatte um besseren Lärmschutz für Anwohner der A94 hin. Auch nach der Eröffnung des Neubau-Abschnitts im September 2019 endeten die Kontroversen darum nicht. „Wir haben mit Eröffnung der A94 eine völlig neue und drastische Beeinträchtigung bezüglich Verkehrslärm zu ertragen“berichteten beispielsweise Anwohner aus Schwindegg der Redaktion von innsalzach24.de Ende Oktober 2019 Auch Anwohner der A94 außerhalb des Landkreises Mühldorf beklagten eine gestiegene Belastung. Der Verkehrsausschuss des Landtags forderte in der Folge Anfang Dezember 2019 ein Gutachten. Anfang Januar verkündete Ministerpräsident Markus Söder schließlich, bei einem Ortstermin in Hammersdorf, dass ab dem 1. Februar eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 120 km/h auf der neuen A94 zwischen Heldenstein und Pastetten für weniger Lärm sorgen solle. Es sollte bis zum Abschluss von Lärmschutzmessungen Ende Juli gelten.

Im Juni 2020 wurde dann bekannt, dass sich die Lärmmessungen, auf Grund des Rückgangs des Autoverkehrs im Zuge der Coronakrise, noch länger, als ursprünglich gedacht hinziehen würden. Damit einher ging schließlich auch eine Verlängerung des Tempolimits über den Juli hinaus. Doch Anfang Juli fand der Widerstand gegen die Geschwindigkeitsbegrenzung seinen Weg in die Justiz. Gegner des Tempolimits klagten beim Verwaltungsgericht München. Anfang September gab es dann Freude bei den einen und Enttäuschung bei den anderen, als das Gericht die Aufhebung des Tempolimits anordnete.

Hoffnung auf Lösungen

„Jede Nachbesserung wäre eine Verbesserung der aktuellen Lage“, erklärt Markus Heindl von der „Bürgerinitiative gegen den Lärm der A94“ gegenüber innsalzach24.de. „Uns ist schon durchaus bewusst, dass wir uns im sogenannten ‚landwirtschaftlichen Außenbereich‘ befinden und dort andere Obergrenzen für Lärm gelten. Aber das bezieht sich doch wohl auf saisonale und zeitlich begrenzte Arbeiten in der Landwirtschaft und nicht die Dauerbelastung durch eine 24 Stunden am Tag befahrene Autobahn?“

„Es ist jetzt an der Politik, ihrer Volksvertreter-Rolle nachzukommen und gute Lösungen zu finden“, resümiert Heindl. „Es gibt ja eine Vielzahl an Möglichkeiten, beispielsweise durch technische Lösungen, wie man das Problem beheben kann und die nicht gleich Unsummen kosten müssen.“ Auch die Option eines Tempolimits sieht er nicht ganz vom Tisch. „Statt eines totalen Tempolimits wie es jetzt eine Weile gegolten hat, wäre doch ein zeitbegrenztes Tempolimit beispielsweise zu den nächtlichen Ruhezeiten denkbar. Das funktioniert doch andernorts auch.“

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