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Zeichen der Solidarität

Nach Flutkatastrophe: Lastwagenfahrer aus der Region helfen mit schwerem Gerät und Hilfsgütern

Koordinator Sebastian Oberreitmeier überprüft noch alles, bevor es am Freitagnachmittag losgeht. Von der Hilfsbereitschaft in der Region ist er überwältigt.
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Koordinator Sebastian Oberreitmeier überprüft noch alles, bevor es am Freitagnachmittag losgeht. Von der Hilfsbereitschaft in der Region ist er überwältigt.

Die Resonanz nach einem Spendenaufruf ist überwältigend: Ein Ampfinger Schreiner organisiert einen Hilfskonvoi nach Nordrhein-Westfalen und packt am Wochenende auch selbst mit an.

Mettenheim – Sebastian Oberreitmeier ist niemand, der die Hände in den Schoß legt, wenn Not am Mann ist. Schon vor fünf Jahren war er mit Freunden in Simbach, um nach der Sturzflut zu helfen. Und auch die Unwetterkatastrophe in der vergangenen Woche lässt den Ampfinger nicht kalt. Er hat zusammen mit einem Freund einen Hilfskonvoi organisiert, der sich am Freitagnachmittag in Richtung Nordrhein-Westfalen auf den Weg macht.

Bereits in Simbach tätig geworden

Packen beim Verladen der Hilfsgüter fleißig an: Maik Hoffmann und Natalie Sattler. Zwei volle Container kamen an Hilfsgütern zusammen, sechs Sprinter begeben sich in die Krisenregion.

„Zusammenhalten – Fluthilfe für Deutschland: Südostbayerns Lkw-Fahrer helfen“, unter diesem Motto hatte der Ampfinger Schreiner zusammen mit seinem Spezl, dem Radiomoderator Thomas Föckersberger, zu dieser Hilfsaktion aufgerufen, nachdem er die schrecklichen Bilder der Flutkatastrophe in Berchtesgadener Land, in Nordrhein-Westfalen (NRW) und in Rheinland-Pfalz gesehen hatte. Dort ist nach weiteren befürchteten Starkregenfällen die Lage immer noch angespannt.

In Ortschaft Erftstadt ist seit der Katastrophe noch keine Hilfsorganisatoren angekommen

Im Fokus: Die kleine Ortschaft Erftstadt, wo seit der Katastrophe noch keine Hilfsorganisatoren angekommen sind. „Es fehlt an Maschinen und Dingen des täglichen Gebrauchs“, sagt der Wurmshamer Thomas Föckersberger zum Start der Initiative, die der Ampfinger Sebastian Oberreitmeier als Cheforganisator in den vergangenen Tagen koordiniert hat. Nicht nur Hygieneartikel, Tierfutter und haltbares Essen wurden in der vergangenen Woche gesammelt. Zwei volle Lkw-Container, dazu sechs Sprinter voller Hilfsgüter fahren nun ins Krisengebiet.

Die Solidarität unter den Freunden und Bekannten von Sebastian Oberreitmeier wird großgeschrieben: Baumaschinenbesitzer Georg Kaiser beim Verladen eines Minibaggers.

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Vor allem wollten Oberreitmeier und Co. Arbeitskleidung organisieren – also Gummistiefel, Hosen und alles, was zum Schlammschippen notwendig ist –, aber auch Werkzeuge wie Schaufeln, Schieber, Schubkarren und Eimer. „Alles dringend notwendige Utensilien, um die Schäden vor Ort zu beseitigen“, sagt Oberreitmeier. Er wird das Equipment nicht nur liefern, sondern auch das komplette Wochenende mit anpacken. „Wir waren vor fünf Jahren auch in Simbach, hatten bei Triftern eine Versorgungsstation aufgebaut und die Geschädigten und Helfer mit Essen versorgt“, berichtet er.

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Aufräumen mit Muskelkraft mit PS-Unterstützung

Diesmal sei Muskelkraft mit PS-Unterstützung gefragt um aufzuräumen. Oberreitmeier und seine Kumpels rücken dafür mit schwerem Gerät an. Drei Minibagger sind am Donnerstagabend in Wurmsham verladen worden. Aus Zeilarn macht sich ein Sattelzug mit Ziegelsteinen auf den Weg. „Und wenn wir Augsburg passieren, stoßen weitere Lastwagen dazu – mit einem 18-Tonnen-Radlader und einem 23-Tonnen-Bagger. Der Zusammenhalt ist brutal“, sagt Oberreitmeier und kann seine Begeisterung über die große Resonanz auf den Aufruf nicht zurückhalten.

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Wir haben ja alles. Doch die Flutopfer haben alles verloren.

Bernhard Söllner

Privatleute schaffen Werkzeug herbei

Als etwa der Mühldorfer Bernhard Söllner die Aktion auf Facebook gesehen hatte, überlegte der Gastronom nicht lange: Mit Anhänger machte er sich auf den Weg zu einem Sonderposten-Baumarkt in Mühldorf und kaufte ein: Schaufeln, Spaten, Wannen, Eimer und Mülltüten – mehrmals schob er volle Einkaufswagen aus dem Markt.

Als Bernhard Söllner von dem Spendenaufruf gehört hatte, fackelte der Versorgungsfeldwebel nicht lange, besorgte Schaufeln, Spaten, Eimer und Wannen und spendete diese.

Am Ende sei er über 500 Euro los gewesen. Für einen Privatmann ein Batzen Geld, doch das spielt für Söllner keine Rolle: „Uns geht es allen nicht schlecht, wir haben ja alles. Doch die Flutopfer haben alles verloren. Wenn uns Ähnliches widerfahren würden, würde ich mich auch über Hilfe freuen“, erklärt der 50-Jährige.

Berchtesgaden hat Hilfe abgelehnt

Er gehört als Verpflegungsfeldwebel dem Landesregiment an und hat eigentlich damit gerechnet, dass die Reservisten in Berchtesgaden angefordert würden, um die Schäden der Sturzfluten zu beseitigen. Das sei aber nicht der Fall gewesen. „Helfen wollte ich trotzdem“, sagt Söllner.

Gemeinde zahlt Lkw-Maut

Die Brummis mit den Hilfsgütern machen sich am Freitag auf den Weg. Fast 700 Kilometer liegen vor den Hilfskräften um Sebastian Oberreitmeier, der auch auf die große Solidarität in seiner Heimatgemeinde bauen kann, damit die Lkw dort ankommen, wo sie gebraucht werden. „Bürgermeister Josef Grundner hat erklärt, dass die Lkw-Maut übernommen wird“, sagt er. Firmen aus dem Landkreis sponsern 1000 Liter Diesel für die Lastwagen.

In Erbstadt angekommen wird dann zwei Tage lang aufgeräumt. Am Sonntag um 15 Uhr treten die Helfer die Heimreise an – mit dem guten Gefühl, den Menschen, die alles verloren haben, etwas Hoffnung zu geben.

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