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Wer Not kennt, hilft gerne anderen

Für eine Prothese: Todkranke Neumarkterin sammelt für jungen Beinamputierten aus Moldau

Lilli Käsmeier mit ihrem „Sorgenkind“ Oleg aus der Republik Moldau.
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Lilli Käsmeier mit ihrem „Sorgenkind“ Oleg aus der Republik Moldau.

Lilli Käsmaier hat eine Spendenaktion gestartet. 2000 Euro hat sie schon, 8000 Euro fehlen noch. „Für mich ist dieses Projekt eine große Herzensangelegenheit und ich wünsche mir, dass Oleg durch unser aller Hilfe in seinem jungen Leben eine Chance erhält“, sagt Käsmaier.

Neumarkt-St. Veit – Lilli Käsmaier ist mal eben 54 Jahre alt, als sie erfährt, dass sie an ALS erkrankt ist. Bei Amyotropher Lateralsklerose (ALS) kommt es zu fortschreitenden Lähmungen der Muskulatur, wogegen man noch keine Heilung gefunden hat. Arme und Beine kann sie nicht mehr willentlich bewegen.

Aber ihr Geist ist wach, und sensibel ist sie weiterhin. Jetzt will sie ihre ganze Kraft einsetzen, um einem jungen Moldauer zu helfen, der nach einem Unfall ein Bein verloren hat.

Krankheitsverlauf ist schleichend

Der Krankheitsverlauf ist schleichend bei Lilli Käsmeier, aber beständig. Schon ein halbes Jahr später nach der Diagnose war die Mutter von drei Kindern, der Jüngste damals zwölf Jahre alt, auf fremde Hilfe angewiesen. Jetzt ist sie seit zwei Jahren schon ein Pflegefall.

Vor sechs Monaten vermittelte ihr der Pflegedienst eine junge Frau aus der Republik Moldau. Catya pflegte sie von da an 24 Stunden am Tag. Die Hilfestellungen wurden immer umfangreicher und schwieriger. Catya versah ihre Hilfe mit Geduld und Liebe. Zwischen den beiden Frauen entstand bald eine innige Freundschaft.

Moldauer verliert bei Unfall sein Bein

Obwohl sich die beiden anfangs nur mit dem Translator unterhalten konnten, spürte Lilli doch, dass irgendetwas ihre Pflegerin bedrückte. Catya war oft still, und wenn sie mit der Heimat telefonierte, dann kamen ihr oft die Tränen. Lilli glaubte nicht, dass das Heimweh sein könnte, denn sie spürte, dass es Catya bei ihr gefiel, und nach insgesamt sechs Monaten würde sie ja wieder heimfahren.

Oleg wurde bei Unfall Unterschenkel, Knie und Oberschenkel zertrümmert

Also forschte sie, was ihre neue Freundin so bekümmerte. Dabei erfuhr sie, dass Catya eine Schwester Ludmilla hat, deren Sohn Oleg Opfer eines fürchterlichen Unfalls geworden war. Ein betrunkener Autofahrer hatte den 18-Jährigen überfahren, wobei unter anderem sein rechtes Bein am Unterschenkel, am Knie und am Oberschenkel zertrümmert worden war.

Der Klinikarzt sah die einzige Möglichkeit, um das Leben zu retten, in einer Amputation ab dem Oberschenkel. Für die Operation musste die Familie rund 7000 Euro aufbringen.

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Dieses Schicksal weckte in Lilli alle Gefühle. „Ich bin hilflos, aber ich habe Helfer“, überlegt sie. „Ich bekomme medizinische und pflegerische Hilfe. Dieser Junge in Comrat aber ist alleingelassen. Hilfe von einer Versicherung oder dem Unfallverursacher gibt es für ihn nicht. Mit nur einem Bein ist seine Zukunft in seiner Heimat sehr düster. Deshalb möchte ich ihm helfen.“

Spezialist bietet Prothese zum Selbstkostenpreis an

Lilli kennt einen Orthopädietechnikermeister aus Prien, der auf Prothesen spezialisiert ist. Ihn fragte sie, ob er helfen könne. Als dieser zusagte, lud Lilli – im Einverständnis der Familie – Mutter Ludmilla mit Sohn Oleg als Gäste in ihr Haus. Beide holte der Gatte Arnold am 5. Mai vom Flughafen ab. Wenige Tage später kam der Orthopädietechniker und begutachtete den Beinstumpf.

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Unverzüglich erklärte er sich bereit, eine Prothese zum Selbstkostenpreis anzupassen und zu erstellen. Dennoch, meinte er, würden insgesamt Kosten in Höhe von rund 10 000 Euro entstehen.

Ergreifender Aufruf im Internet

Diese Kosten allein zu tragen, ist der Familie Käsmaier nicht zuzumuten. Lilli will aber noch erleben, dass Oleg eine Prothese erhält. Deswegen hat sie im Internet einen ergreifenden Aufruf im Internet gestartet. „Ich selbst leide an fortgeschrittener ALS, habe Pflegegrad 5, und das Glück, dass meine Krankenversicherung für Hilfsmittel aufkommt.“ In der ihr verbleibenden Zeit möchte sie Oleg zu einem Stück Selbständigkeit verhelfen. „Wir sind dankbar für die kleinste Spende.“

Bis Dienstag waren schon 2000 Euro zusammengekommen

Und ihr Aufruf scheint bereits zu fruchten. Bis Dienstagnachmittag (18. Mai) waren bereits knapp 2000 Euro zusammengekommen. Ein Fünftel der erforderlichen Summe hat sie also schon. Lilli Käsmeier schließt mit der Bitte: „Für mich ist dieses Projekt eine große Herzensangelegenheit und ich wünsche mir, dass Oleg durch unser aller Hilfe in seinem jungen Leben eine Chance erhält.“

Amyotrophe Lateralsklerose –

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine ernste Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems. Sie ist nach Angaben derDeutschen Gesellschaft für Muskelkranke e. V.seit mehr als 100 Jahren bekannt und kommt weltweit vor. Ihre Ursache ist mit Ausnahme der seltenen erblichen Formen bisher unbekannt. ALS hat nichts mit MS (Multiple Sklerose) zu tun, es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Erkrankungen.

Krankheit beginn meistens ab dem 50. Lebensjahr

Pro Jahr erkranken etwa ein bis zwei von 100 000 Personen an ALS. Die Krankheit beginnt meistens zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, nur selten sind jüngere Erwachsene betroffen. Männer erkranken etwas öfter als Frauen (1,6:1). Die Häufigkeit der ALS scheint weltweit etwas zuzunehmen.

Motorisches Nervensystem ist betroffen

Die ALS betrifft nahezu ausschließlich das motorische Nervensystem. Die Empfindung für Berührung, Schmerz und Temperatur, das Sehen, Hören, Riechen und Schmecken, die Funktionen von Blase und Darm bleiben in den meisten Fällen normal. Das motorische System, das die Muskeln kontrolliert und die Bewegungen steuert, erkrankt sowohl in seinen zentralen („oberes Motoneuron“ im Gehirn mit Pyramidenbahnen bis ins Rückenmark) wie in seinen peripheren Anteilen („unteres Motoneuron“ in Hirnstamm und Rückenmark mit den motorischen Nervenfasern bis zum Muskel).

Muskellähmungen sind die Folge

Die Erkrankung der motorischen Nervenzellen im Rückenmark und ihren Fortsätzen zur Muskulatur, führt zu unwillkürlichen Muskelzuckungen, Muskelschwund und zu Muskelschwäche an Armen und Beinen und auch in der Atemmuskulatur. Wenn die im Hirnstamm liegenden motorischen Nervenzellen betroffen sind, ist die Sprach-, Kau- und Schluckmuskulatur geschwächt. Die Erkrankung der motorischen Nervenzellen in der Hirnrinde und ihren Verbindungen zum Rückenmark, führt sowohl zu einer Muskellähmung wie zu einer Erhöhung des Muskeltonus (spastische Lähmung) mit einer Steigerung der Reflexe.

Lebenserwartung ist stark verkürzt

In der Regel schreitet die Krankheit über Jahre gleichmäßig langsam fort, dehnt sich auf weitere Körperregionen aus und führt zu einer zunehmenden Atemschwäche. Die Lebenserwartung ist im Mittel auf drei bis vier Jahre verkürzt. Sehr langsame Verläufe über zehn Jahre und mehr sind jedoch bekannt.

Ice Bucket Challenge bringt 220 Millionen Euro für die Forschung ein

In das Licht der Öffentlichkeit gerückt wurde die Krankheit im Jahre 2014 mit der Ice Bucket Challenge (deutsch Eiskübelherausforderung). Dabei handelte es sich um einen als Spendenkampagne, die auf die Nervenkrankheit aufmerksam machen und Spendengelder für deren Erforschung und Bekämpfung sammeln sollte.

Herausforderung: Kaltes Wasser über den Kopf

Die Herausforderung bestand darin, sich einen Eimer kaltes Wasser über den Kopf zu gießen und danach drei oder mehr Personen zu nominieren, es einem binnen 24 Stunden gleichzutun, sowie 10 US-Dollar beziehungsweise Euro an die ALS Association zu spenden. Wollte man sich keinen Eimer Wasser über den Kopf gießen, war der zehnfache Betrag zu zahlen. Als einer der Initiatoren galt Pete Frates, der 2019 der Krankheit erlegen ist. Die Ice Bucket Challenge führte dazu, dass Menschen weltweit 220 Millionen US-Dollar für die ALS-Forschung spendeten.

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