Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Grünen sitzen seit 30 Jahren im Stadtrat

Von der Ein-Frau-Show zur Fünfer-Fraktion: So haben sich die „Ökos“ in Mühldorf etabliert

Elke Egger war 1990 die erste und einzige Grüne im 24-köpfigen Mühldorfer Stadtrat.
+
Elke Egger war 1990 die erste und einzige Grüne im 24-köpfigen Mühldorfer Stadtrat.

Die erste grüne Stadträtin fühlte sich im Jahr 1990 noch als Nestbeschmutzerin. Nach 30 Jahren sind die Grünen im Stadrat angekommen.

Mühldorf – Kurz nach der Kommunalwahl 2020 wollten die Mühldorfer Grünen eigentlich ihr 30-jähriges Stadtratsjubiläum feiern. Corona machte das unmöglich. Der Ersatztermin im Herbst 2020 fiel der zweiten Corona-Welle zum Opfer.

Die Jubiläumsfeier ist mittlerweile vom Tisch. Doch ganz ohne Rückblick sollen diese 30 – für die örtliche Ökobewegung – erfolgreichen Jahre nicht verstreichen.

Lesen Sie auch: Gaspreise in der Region Mühldorf: So planen die Energieversorger

Grünen-Urgestein und Ortsvorsitzender Bernhard Wagner hat die Wahlkämpfe der Mühldorfer Grünen 30 Jahre lang geleitet und begleitet: „Wir waren den anderen Stadträten anfangs nicht ganz geheuer.“ Die Wahlchronik ruft er einfach aus seinem Gedächtnis ab.

Schwerer Start – jung, weiblich, grün

Mit der 26-jährigen Elke Egger zog im März 1990 die erste Grüne in den Mühldorfer Stadtrat ein. „Für die Ansammlung überwiegend älterer Herren im Stadtrat war ich 1990 als Grüne, noch dazu eine Frau und jung, ein rotes Tuch“, erinnert sich Elke Egger lachend an ihre Anfangszeit zurück. „Ich war damals Einzelkämpferin und saß auf eher verlorenem Posten.“ Als sie den Sitzungssaal im Mühldorfer Rathaus zum ersten Mal betrat, dachte sie nur: „Oh je. Wie soll ich mit diesen älteren Herrschaften etwas bewegen?“

Ihr Ziel war es, die Arbeit der Stadt für den Bürger transparenter, Entscheidungen und den Weg dahin öffentlicher zu machen. Sie fühlte sich zunächst so, als sähen die anderen Stadtratsmitglieder in ihr eine Nestbeschmutzerin. Regelmäßig hat sie in ihren zwölf Jahren als Stadträtin den städtischen Haushalt abgelehnt. Nicht, um aus Prinzip Kontra zu geben. „Das geschah aus Überzeugung, weil die Stadt zu wenig für den Umweltschutz getan hat“, betont sie.

Auch interessant: Wie drei Studenten aus der Region die bayerische Modewelt erobern

Mit ihren Anträgen, etwa zur Verkehrsberuhigung am Stadtplatz, hat sie sich oft in die Nesseln gesetzt: „Meine Forderung, die Hans-Gollwitzer-Straße aufgrund seiner Nazi-Vergangenheit umzubenennen, war wie ein Stich ins Wespennest.“ Die Straße heißt heute noch so. Oft war sie mit ihren Ideen der Zeit voraus.

2002 hat sie sich aus der aktiven Stadtpolitik zurückgezogen. Was in der Stadt und vor allem mit ihren Grünen passiert verfolgt sie aber nach wie vor: „Ich freue mich sehr über das gute Abschneiden der Grünen bei der Wahl 2020. Dass einmal fünf Grüne im Mühldorfer Stadtrat sitzen, hätte ich mir in meinen ersten frustrierenden Jahren als Einzelkämpferin nicht träumen lassen.“ 1996 wurde die Grüne Egger wieder alleine in den Stadtrat gewählt. 2002 kandidierte sie nicht mehr. Erstmals wurde Dr. Georg Gafus von den grünen Stammwählern in den Stadtrat gewählt. Wagner: „Im Laufe der Jahre hat er sich zum absoluten Stimmenkönig unserer Grünen gemausert.“

Ortsvorsitzender Bernhard Wagner hat die alten Wahlflyer aufbewahrt.

Ohne Fraktionsstatus, diesen gibt‘s erst ab drei Stadträten einer Partei oder Listenverbindung, mussten sich die ersten Grünen die Sitzungsunterlagen im Vorfeld der Stadtratssitzungen von anderen Stadträten erbitten. „Damals wollten aber nicht alle etwas mit uns Ökos zu tun haben“ erinnert sich Bernhard Wagner.

Weitere Nachrichten aus dem Landkreis Mühldorf finden Sie hier:

2008 konnten die Grünen ihre Sitze auf zwei verdoppeln. Mit Gafus auf einer Liste hatte Oskar Rau als Parteiloser den Sprung in das Mühldorfer Stadtparlament geschafft. Als Vierer-Zweckbündnis mit den Einzelvertretern von FDP und Freie Mühldorfer schlossen sie sich zur „Papageien-Fraktion“ zusammen. Die Grünen, Gelben (FDP) und Blauen (FM) wurden als Fraktion anerkannt, was ihnen die Arbeit erleichtert hat.

Mit drei gewählten Stadträten erreichten die Grünen bei der Wahl 2014 zum ersten Mal rein grüne Fraktionsstärke. Neben den Herren Gafus und Rau nahm Judith Straube im Stadtrat Platz. Sie hatte sich mit dem Kampf gegen den Abriss des städtischen Kindergartens am Stadtplatz 58 einen Namen gemacht. Oskar Rau wurde zum Umweltreferenten berufen.

Ein neues Kapitel wird aufgeschlagen

Was 1990 mit nur einem Sitz im Stadtrat begann, endete vorerst mit der Wahl in 2020, einem Wahlergebnis von 17,53 Prozent der Stimmen und mit fünf Frauen und Männern, die für die Grünen im aktuellen Stadtrat sitzen. Dr. Georg Gafus ist Verkehrsreferent der Stadt, Stephan Schinko Umweltreferent.

Lesen Sie: 2G-Regel für den Weihnachtsmarkt auf Schloss Tüßling: „Shitstorm“ gegen Gräfin von Pfuel

„Mit der fünfköpfigen Fraktion schlagen wir jetzt ein neues Kapitel auf“, freut sich Wagner. „Grüne Themen sind längst in der Gesellschaft angekommen.“

Allerdings fehle es an der Bereitschaft, diese Themen auch umzusetzen. Wie etwa den Antrag der Grünen, die Stadt zum sicheren Hafen für Flüchtlinge zu erklären.

„Dafür ist eine Stadt wie Mühldorf leider oft viel zu konservativ und provinziell“, bedauert er. „Wir brauchen weiter viel Ausdauer, um die grüne Präsenz im Stadtrat zu steigern. Aber unser Wahlergebnis von 2020 macht uns Lust auf mehr.“

Kommentare