Sanierung ihres Kaminturms

Haager Störche bleiben daheim: Warum die Vögel diesen Winter nicht gen Süden geflogen sind

Storchenpaar mit Nachwuchs
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Babyglück im Jahr 2020: Die Haager hoffen, dass sich dieses Bild heuer wiederholt.

Auch Störche müssen hin und wieder ihr Eigenheim renovieren lassen. Ob das der Grund dafür ist, dass die Haager Vögel ihren Winterurlaub im Süden heuer ausfallen lassen haben? Sie sind im kalten Bayern geblieben und begleiten hier wachsam die Sanierung ihres Zuhauses auf dem baufälligen Turm der ehemaligen Gerberei Rössler.

Haag – Auch Störche müssen hin und wieder ihr Eigenheim renovieren lassen. Ob das der Grund dafür ist, dass die Haager Vögel ihren Winterurlaub im Süden heuer ausfallen lassen haben? Sie sind im kalten Bayern geblieben und begleiten hier neugierig und wachsam die Sanierung ihres Zuhauses auf dem alten baufälligen Turm der ehemaligen Gerberei Rössler.

Der Umbau bedeutet Stress

Das Gerüst an ihrem Nest ist ihnen nicht ganz geheuer. Sie weichen lieber auf die umliegenden Hausdächer aus. Die Haager Storchen-Freunde haben eigens zwei gemütliche Ausweichquartiere für sie hergerichtet.

Die Renovierung des Haager Storchen-Turms ist im Gange. Das Gerüst steht seit dem 15. Februar.

Der Umbau bedeutet Stress für die Störche, doch der Landesbund für Vogelschutz Inn-Salzach (LBV) und die Baubehörde haben eigentlich nur Gutes im Sinn.

„Aufgrund der festgestellten Einsturzgefahr wird der Turm in seiner Höhe reduziert“, erklärt der Haager Vogelexperte Karl-Michael Günsche. „Auf dem verbliebenen viereckigen Sockel soll dann eine neue Fixierung und Nisthilfe in elf Metern Höhe für die Haager Störche angebracht werden.“ Günsche begleitet die Störche schon seit Jahren und macht sich für Natur- und Tierschutz stark.

Doch es stellt sich die Frage, warum die Störche nicht ihrem Instinkt gefolgt sind. Natürlich hieß es, aufgrund von Corona seien Flugreisen nicht angebracht und alle sollten lieber brav zu Hause bleiben. Aber dass das auch die Tierwelt ernst nimmt, erstaunt.

Günsche ist ein Vogelkenner

Günsche kennt die wahren Hintergründe, „Dass solche Störche nicht mehr als Zugvögel leben wollen, hat biologische Gründe“, erklärt er. „Viele der Winterstörche sind die Nachkommen von in der Schweiz, im Elsass und in Baden-Württemberg ausgewilderten Weißstörchen. Die Menschen hatten diese Störche einst gezielt gezüchtet. Die blieben deshalb hier. Diese und deren Nachkommen haben auch Bayern besiedelt und sich mit ´wilden` Störchen gepaart. Das Leben als ´Winterstörche in Bayern` wurde an die Nachkommen weitergegeben.“

Vogelexperte Karl-Michael Günsche aus Haag setzt sich für die Störche ein.

So hat ein Storchenpaar auf der Schleifmühle beim Haager Hochhaus überwintert. Ein anderes im Raum Rosenheim.

Sorgen muss man sich um Familie Adebar keine machen, sagt Günsche. „Erstens tragen unsere über einen Meter großen Dach- und Turmbewohner ganzjährig einen Daunenmantel und zweitens findet sich Fressbares immer an offenen Gewässern und auf Wiesen. Die stolz schreitenden Großvögel finden bei ihrer Futtersuche auch im Bereich von Kompost- oder Mülldeponien genug Nahrung“, sagt der 66-jährige Experte.

Dass Bayern sich auch zur kalten Jahreszeit in der Vogelwelt zusehends größerer Beliebtheit erfreut, zeigt sich an der Zahl der überwinternden Störche. Dem LBV wurden im Oktober rund 300 Weißstörche gemeldet, die vermutlich hier geblieben sind. In Haag und Umgebung sind es vier.

Der Beweis: Sie sind geblieben, diese beiden Haager Störche.

Auch eine späte Flucht ins mildere Bodenseegebiet haben sie trotz des Wintereinbruchs mit einer Kältephase abgelehnt. „Ganz Bayern verzeichnete im vergangenen Jahr 750 Weißstorch-Brutpaare. Viele davon waren Neuansiedlungen. Es war auch ein großer Bruterfolg zu verzeichnen“, erklärt Günsche.

Bald beginnt die Familienplanung

Bald wird das neue Nest fertig und das unschöne Baugerüst entfernt sein. Dann können die Störche wieder in ihr altes Zuhause zurückkehren und mit der Familienplanung beginnen. Ende März/Anfangs April kehren dann auch die anderen Störche zurück, um hier für Baby-Boom zu sorgen.

Im nächsten Winter werden es sich auch ihre Nachkommen überlegen müssen, ob sie lieber dahoam im kalten Bayern bleiben oder sich die Sonne Afrikas auf die Federn scheinen lassen. In jedem Fall haben ihre menschlichen Fans ein Auge darauf, dass es Adebar auch im Winter gut geht.

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