Durch Corona-Lockdown verstärkt?

Jäger im Landkreis Mühldorf schlagen Alarm: Spaziergänger müssen mehr Rücksicht auf Wild nehmen

Hasen und Rehe fahren im Winter ihren Stoffwechsel herunter. Sie brauchen weniger Äsung – sofern sie nicht gestört werden.
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Hasen und Rehe fahren im Winter ihren Stoffwechsel herunter. Sie brauchen weniger Äsung – sofern sie nicht gestört werden.

Hasen und Rehe brauchen in diesen kalten Tagen vor allem eins: ihre Ruhe. Deshalb bitten die Jäger im Landkreis um Rücksicht und Respekt vor den Wildtieren. Das haben Spaziergänger konkret zu beachten

Von Oliver Keller

Landkreis – „Bitte bleiben Sie bei Wanderungen und Spaziergängen auf den Wegen und lassen Sie Hunde im Wald nicht frei laufen“, appelliert Dr. Erich Loserth, der Vorsitzende Jäger der Kreisgruppe Mühldorf, an die Bevölkerung im Landkreis auf. Wer dieser Bitte nachkommt, erweise der Natur und der Fauna den gebührenden und nötigen Respekt.

Rehwild fährt Stoffwechsel deutlich runter

Das Rehwild gehört laut der Kreisgruppe nicht nur zu den häufigsten Wildtierarten in unserem Landkreis, sondern auch zu den faszinierendsten: In der kalten Jahreszeit fährt es seinen Stoffwechsel deutlich herunter, es stellt auf einen äußerst niedrigen Energieverbrauch um, „ebenso unsere Feldhasen, deren Populationen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind“. Sie brauchen weniger Äsung – sofern sie nicht gestört werden.

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Wild kann unter normalen Umständen auch mit wenig Nahrung auskommen

„Rehe und Hasen ziehen sich in ihre Verstecke zurück, wo sie unter normalen Umständen mit sehr wenig Nahrung auskommen“, sagt Dr. Loserth. „Wenn sie hochgeschreckt werden, weil Freizeitnutzer die Wege verlassen, Hunde im Unterholz stöbern und ihnen zu nahe kommen, verbrauchen sie extrem viel Energie.“

Lockdown erhöht Freizeitdruck auf die Wälder

Wegen der Schneefälle komme erschwerend hinzu, dass die Tiere derzeit weniger Nahrung finden. Daher könne sich die Corona-Pandemie indirekt auf die Rehe auswirken: Der Lockdown erhöhe den Freizeitdruck auf die Wälder und wo die Waldbesucher nicht auf den Wegen bleiben, schrecken sie Wildtiere auf und bringen ihren Energiehaushalt durcheinander.

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Bei Rehgeißen endet zur Wintersonnwende die Keimruhe

Viele heimische Jäger berücksichtigen, dass bei Rehgeißen zur Wintersonnwende die Keimruhe endet und die werdenden Mütter ihre Energie für die wachsenden Kitze in ihren Leibern brauchen. Bei der Keimruhe handelt es sich um ein besonderes Geheimnis der Schöpfung, über das die Menschen jahrhundertelang rätselten: Rehe paaren sich Ende Juli, Anfang August, bis Mitte Dezember aber bleiben die befruchteten Einzellen im Keimzustand. Erst dann beginnt die Frucht zu wachsen, sodass von Mai an die Kitze gesetzt werden können, wenn ihre Überlebenschancen am größten sind.

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Aufgeschreckte Rehe benötigen eine Energiezufuhr

„Werden Rehe jetzt aufgeschreckt, benötigen sie wiederum Energiezufuhr“, sagt Oliver Keller, der Leiter des Jagdkurses der Kreisgruppe. Das könne sich sehr negativ auf den Verbisszustand und auf die Naturverjüngung des Waldes auswirken, „wobei die Wissenschaft belegt hat, dass es hier nicht unbedingt eine Rolle spielt, wie viele Rehe da sind“.

Störungen führen zu merklich höherem Verbiss

Das heißt im Klartext: Auch wo es wegen der im Laufe der Jahre immer höher angesetzten Abschusspläne nur noch vergleichsweise kleine und tragbare Rehwildbestände gibt, kann es wegen der Störungen zu merklich höherem Verbiss kommen.

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