Im Körper gefangen wie in Ritterrüstung

Morbus Parkinson: Patientin aus Ampfing berichtet über ein Leben wie in der Achterbahn

Petra Rebitzer lässt sich von ihrer Krankheit nicht unterkriegen. Die Übungen mit Ringen helfen ihr, beweglich zu bleiben.
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Petra Rebitzer lässt sich von ihrer Krankheit nicht unterkriegen. Die Übungen mit Ringen helfen ihr, beweglich zu bleiben.

Etwa 400.000 Menschen in Deutschland leiden an „Morbus Parkinson“. Der Weltparkinson-Tag am Sonntag, 11. April, soll auf die noch immer unheilbare Volkskrankheit aufmerksam machen und Verständnis für Erkrankte fördern. Eine von ihnen ist Petra Rebitzer. Mit 41 Jahren bekam sie die Diagnose

Ampfing – Seit sieben Jahren weiß Petras Rebitzer aus Ampfing, dass sie an Morbus Parkinson erkrankt ist. Heute beschreibt sie das Leben mit der Krankheit wie die Fahrt mit einer Achterbahn.

Die ersten Anzeichen

Die ersten Anzeichen waren das Zittern des linken Fingers an der linken Hand. Die ganze Hand verkrampfte. Der Arm wurde steif und schwang nicht mehr mit.

Weil sie sich in diversen einschlägigen Medien und Informationsquellen intensiv mit den Symptomen auseinandersetzte, stellte sie sich selbst sehr schnell die Diagnose: „Parkinson“.

Neurologen „Rechts der Isar“ bestätigten ihre Selbstdiagnose

Die Neurologen im Klinikum „Rechts der Isar“ bestätigten diese Befürchtung. Da die Symptome damals schon ausgeprägt waren, war die Diagnose selbst ohne bildgebende Untersuchung bereits klar definiert.

Wie reagierte sie auf diese Gewissheit? Zuerst ist da Fassungslosigkeit – und viele Fragen. Patienten treibe die Sorge um die berufliche Zukunft um, um das Wohl der Familie und die Entwicklung der Krankheit selbst, die sich verschieden äußern kann, deren Verlauf sich aber nicht stoppen lässt.

Nicht jeder Tag ist gleich

Zu den Hauptsymptomen kommen unweigerlich Begleitsymptome, die bei erstmaligen Auftreten ein psychisches Tief hervorrufen, aber Akzeptanz erfordern, um damit umgehen zu können.

„Nicht jeder Tag ist gleich“, sagt Petra Rebitzer, die Phasen kennt, in denen die Kraftlosigkeit zunimmt, das Gefühl der Starre und Bewegungslosigkeit.

Seit einem halben Jahr erlebt Rebitzer die sogenannten „Off-Phasen“. Sie fühlt sich dann, als wäre sie in einer Ritterrüstung gefangen im eigenen Körper, fast bewegungsunfähig.

Es braucht viel Zeit, viel Geduld und viel Disziplin

Die alltäglichen Bewegungen und Tätigkeiten brauchen viel Geduld und Zeit. Das Schlafpensum ist durch den Dopaminmangel sehr gering. Es braucht viel Disziplin bei der Einnahme der Medikamente. Da sich die Krankheit bei jedem Patienten anders auswirken kann, muss die Medikation individuell angepasst werden, durch eigenes gutes Beobachten und die Reaktion des Arztes.

Leiter der Parkinson Klinik in Haag: Nicht heilbar, aber gut behandelbar

„Obwohl eine Heilung bislang nicht möglich ist, gehört Morbus Parkinson heute zu den gut behandelbaren neurologischen Erkrankungen“, sagt Professor Dr. Johannes Schwarz, Leiter der Parkinson Fachklinik in Haag. „Bei vielen Patienten können die Parkinson-Symptome über eine lange Zeit wirksam mit Medikamenten und Therapien behandelt werden, sodass ein aktives und selbstbestimmtes Leben weiterhin möglich ist.“

Auch die Familie war anfangs überfordert

Die Familie sei anfangs mit der Diagnose überfordert gewesen, sagt Manfred Rebitzer. So wie seiner Frau ging es auch den Angehörigen. Sie mussten lernen, die Krankheit zu akzeptieren, um dann mit den Hindernissen umgehen zu können. Es muss gut kommuniziert werden, wo und inwiefern Hilfe benötigt wird.

Arbeit als Erzieherin musste sie aufgeben

Ihre Arbeit als Erzieherin in einer Kinderkrippe hätte sie mit dem zunehmenden Voranschreiten der Erkrankung schon bald nicht mehr leisten können. Die 48-Jährige hat deshalb ihren Rentenantrag eingereicht, der überraschend schnell genehmigt wurde.

Ihre beruflichen Erfahrungen darf und kann sie jedoch noch immer stundenweise im stressfreien Rahmen in einer pädagogischen Beratungsfunktion in einer Grundschule mit angegliederter Mittagsbetreuung einbringen. „Das gibt mir Selbstbestätigung, das aufgebaute Wissen noch nutzen zu dürfen.“

Stichwort: Parkinson

Morbus Parkinson ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Die Ursache ist ein Mangel des Nervenbotenstoffs Dopamin, der für die Steuerung von körperlichen und geistigen Bewegungen benötigt wird. Typische, durch diesen Mangel hervorgerufene Symptome, sind ein Tremor, das ist das bekannte Zittern der Hände, Arme und auch Beine, und ein Rigor, die zunehmende Unbeweglichkeit, Steifheit und Haltungsinstabilität.

Darunter leidet die Mehrzahl der Betroffenen. Heilbar ist die Krankheit bislang nicht, doch es gibt Therapiemöglichkeiten. Üblicherweise kommen Medikamente zum Einsatz.

Der Name der Krankheit geht auf den britischen Arzt James Parkinson zurück, der im Jahre 1817 in seiner Abhandlung „Über die Schüttellähmung“ erstmals die Hauptsymptome des Leidens beschrieben hat.

Andere Bezeichnungen für die Parkinson-Krankheit sind Schüttellähmung oder Paralysis agitans.stn

Jetzt übernimmt sie die Leitung der Parkinsongruppe Waldkraiburg

Weil sie sich mit anderen Betroffenen austauschen wollte, besucht Petra Rebitzer die Parkinson-Selbsthilfegruppe in Waldkraiburg. Bernd Förster, der die Gruppe bisher leitete, hat sie gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen. Die 48-Jährige willigte gerne ein. „Ich sehe das als Bereicherung und Herausforderung.“

Die Parkinson-Gruppe Waldkraiburg, der derzeit 39 Mitglieder aus dem ganzen Landkreis Mühldorf angehören, trifft sich soweit es Corona zulässt, einmal wöchentlich. In erster Linie sollen die Teilnehmer Gelegenheit zum Austausch haben. Außerdem werden Informationen des Deutschen Parkinsonverband, von Ärzten und Medien weiter gegeben.

Während ihrer beruflichen Laufbahn als Erzieherin hat Petra Rebitzer auch eine Ausbildung zur Psychomotorikerin abgeschlossen. Sie kann daher die Gruppenmitglieder mit gezielten Bewegungsangeboten anleiten.

Und natürlich fehlen der gemütliche Austausch, Ausflüge und kleinere Freizeitunternehmungen ebenso wenig.

Die Gruppe steht Betroffenen wie deren Angehörigen offen. Die neue Leiterin hofft, dass sich auch jüngere Teilnehmer melden. Weitere Informationen zur Gruppe gibt es per Mail unter waldkraiburg@parkinson-mail.de oder per Telefon unter der Handynummer 01 76/56 72 64 35.

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