Vom Aussterben bedroht

Kiebitze sind zurück in Mühldorf - So wollen Bauern und Umweltschützer die Vögel schützen

Auch wenn sie in Scharen auftreten, sind die Kiebitze nur auf einem Zwischenstopp im Landkreis und zählen hier zu den stark gefährdeten Vogelarten.
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Auch wenn sie in Scharen auftreten, sind die Kiebitze nur auf einem Zwischenstopp im Landkreis und zählen hier zu den stark gefährdeten Vogelarten.

Die meisten Kiebitze, die derzeit im Landkreis zu sehen sind, sind auf der Durchreise. Denn an Inn und Isen sind nur noch wenige Vogelpaare heimisch. Um die zu schützen, die im Landkreis brüten, sind die Bürger gefragt.

Mühldorf – Die große Zahl der Kiebitze, die derzeit im Landkreis zu sehen sind, sind auf der Durchreise. Denn an Inn und Isen sind nur noch wenige Vogelpaare heimisch. Das sagt Elisabeth Knapp vom Landschaftspflegeverband (LPV), der jetzt wieder Schutzmaßnahmen für die bedrohten Tiere aufnimmt. Dabei können auch Spaziergänger helfen.

Nur wenige Kiebitze bleiben im Landkreis

„Die Zahl der Kiebitzbrutpaare, die im Landkreis Mühldorf tatsächlich bleibt und dort brütet, ist viel geringer.“ Schätzungen aus dem letztjährigen Kiebitz-Schutzprojekt des LPV beziffern ihre Anzahl auf lediglich 50 bis 60 Brutpaare.

Sie zu schützen und ihnen Brutmöglichkeiten zu geben, das zeigt das Kiebitzschutzprojekt, ist nur in Zusammenarbeit mit Vogelbund und Landwirten möglich.

Bei Erfolg 50 Euro Brutprämie pro Nest

Brütete der Kiebitz früher vor allem auf nicht bewirtschafteten Wiesen, so sind die Nester heute überwiegend auf Äckern zu finden. Denn in intensiv genutzten Wiesen findet er keine Stellen mehr für seine Gelege. Aber auch auf den Äckern sind die gut getarnten Nester des Bodenbrüters natürlich nicht sicher, wenn sie im Frühjahr bewirtschaftet werden.

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Um die Vögel zu schützen, kümmern sich mehrere Partner um die Neststandorte: der LPV, der Landesbund für Vogelschutz, der Bayerische Bauernverband (BBV) und die Wildland-Stiftung zusammen mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt. „Mit diesem Projekt konnten im vergangenen Jahr 51 Kiebitznester auf Ackerstandorten markiert werden. 23 Gelege davon verzeichneten einen Schlupferfolg“, berichtet Knapp. Sie spricht von einer großen Resonanz unter den Bauern.

Bauernverbandsobmann Ulrich Niederschweiberer gehört zu den Initiatoren der Aktion. „Es ist ein überschaubarer Eingriff, mit dem wir einen bedrohten Vogel unterstützen können.“ Landwirte meiden das abgesteckte Areal und decken die Gelege bei Spritzarbeiten ab.

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Sollten die Vögel schlüpfen, erhalten die jeweiligen Landwirte als Prämie je 25 Euro von ihrer Gemeinde und vom Landkreis, also 50 Euro pro Nest, „ein eher symbolischer Betrag“, wie Niederschweiberer sagt.

Wie bereits im vergangenen Jahr wird sich Projektkoordinatorin Esther Lindner vom LPV Mühldorf mit den Bauern in Verbindung setzen. Die sollen auch heuer ihr die Genehmigung erteilen, die Nester markieren zu dürfen. Sie werden mit zwei Stecken jeweils fünf Meter vor und hinter dem Nest aufgestellt werden.

Jäger und Bürger sollen helfen

Auch natürliche Feinde wie Füchse oder Marder gefährden nach Angaben des LPV den Bruterfolg der Vögel. Zur Freude der Projektpartner erfahre die Maßnahme heuer eine zusätzliche Unterstützung aus der Jägerschaft aus dem Landkreis, sagt LPV-Geschäftsführerin Knapp.

Sie betont, dass auch jeder Einzelne zum Schutz des gefährdeten Wiesenbrüters beitragen kann. Mithilfe einer mobilen Beschilderung soll ab diesem Jahr während der Brutsaison an Feld- und Spazierwegen auf vorhandene Kiebitz-Brutgebiete hingewiesen werden. „In diesen Bereichen sollen Menschen auf den Wegen bleiben und Hunde an die Leine nehmen“, sagt Knapp. „Denn querfeldein laufende Personen und freilaufende Hunde stören die brütenden Kiebitze.“ Für die Vögel bedeutete es großen Stress und hohen Energieverbrauch. „Gelege und Jungvögel würden dadurch verlassen und ohne Schutz zurückgelassen, teilweise wird die Brut sogar aufgegeben.“

Balzende Exemplare bitte melden

Wer balzende Kiebitze auf Ackerflächen beobachtet, kann sich beim Landschaftspflegeverband Mühldorf, Projektkoordinatorin Esther Lindner, melden unter Telefon 0 86 31/699 576 oder per E-Mail an esther_lindner@lpv-muehldorf.de.

Der Kiebitz ist bedroht

Der Kiebitz ist etwa taubengroß. Durch den Kontrast zwischen schwarzer Oberseite mit grünlich schimmerndem Metallglanz und weißer Unterseite mit schwarzem Brustband sowie abstehender Federholle am Hinterkopf ist die Spezies unverkennbar.

Hauptbrutzeit im April und Mai

Die Kopfseite ist weißlich mit schwarzem Streif unter dem großen dunklen Auge. Hauptbrutzeit ist April und Mai. Das Gelege besteht meist aus vier birnenförmigen, olivbraunen und schwärzlich gefleckten Eiern.

Nach Schätzungen des Landespflegeverbands ist der Bestand im Landkreis und auch bayernweit in den vergangenen 20 Jahren um mehr als die Hälfte zurückgegangen.

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