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Gespräch mit dem Pneumologen Gregor Zimmermann

Nach sprunghaftem Anstieg der Inzidenzen: Bald mehr Covid-Patienten im Mühldorfer InnKlinikum?

Aktuell befinden sich drei Covid-Patienten auf der Intensivstation des Inn-Klinikums und werden beatmet. Im Klinikum sorgt man sich, dass die Zahl der Patienten weiter zunehmen könnte.
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Aktuell befinden sich drei Covid-Patienten auf der Intensivstation des Inn-Klinikums und werden beatmet. Im Klinikum sorgt man sich, dass die Zahl der Patienten weiter zunehmen könnte.

Die stetig ansteigende Zahl von positiv Getesteten bereitet auch Fachleuten Kopfzerbrechen. Chefpneumologe Dr. Gregor Zimmermann sorgt sich darum, dass weitere an Corona erkrankte Personen stationär aufgenommen werden müssen. Und das könnte zulasten der Patienten im Non-Covid-Bereich führen.

Mühldorf – Die Zahl der neuen Corona-Infektionen ist sprunghaft angestiegen. Der Inzidenzwert im Landkreis Mühldorf stieg von 255 am Dienstag auf 347 am Mittwoch. Am Donnerstag verzeichnete das Robert-Koch-Institut 399 Neuinfektionen binnen einer Woche. Der Landkreis nimmt damit bundesweit immer noch Platz 2 ein. Im Inn-Klinikum ist noch alles im grünen Bereich – doch Dr. Gregor Zimmermann, Chefarzt der Pneumologie, rechnet mit einem Anstieg der Belegung in den kommenden Tagen.

Wie schätzen Sie den sprunghaften Anstieg im Landkreis Mühldorf ein? Ein Grund zur Sorge?

Dr. Gregor Zimmermann ist Chef-Pneumologe am Inn-Klinikum. Er rechnet mit einer steigenden Anzahl von Covid-Patienten in den nächsten Wochen.

Dr. Gregor Zimmermann: Zunächst müssen wir die Zahlen und die Altersverteilung betrachten. Sind es überwiegend Kinder und Jugendliche, ist ein milder Verlauf wahrscheinlich, auch wenn wir am InnKlinikum auch schon einige schwere Fälle hatten. Sind aber ungeimpfte Erwachsene betroffen, müssen wir im stationären Bereich in den nächsten Tagen sicher mit einem Anstieg der Behandlungsfälle rechnen.

An welchen Fakten machen Sie das fest?

Zimmermann: Wir sehen das in Landkreisen, in denen die Zahlen bei den Erwachsenen schon seit Wochen hoch sind. Mit einer Zeitverzögerung von fünf bis zehn Tagen steigen auch die Covid-Fälle in den Kliniken. Man muss festhalten, dass 86 Prozent, also etwa neun von zehn der Covid-Patienten, die auf den Intensivstationen des InnKlinikums versorgt werden müssen, nicht vollständig geimpft sind.

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Und dennoch werden auch Geimpfte stationär behandelt? Woran liegt das?

Zimmermann: Diejenigen, die trotz Impfung intensivmedizinisch behandelt werden müssen, leiden oder litten unter schweren Vorerkrankungen. Für sehr viele Menschen wäre also der Klinikaufenthalt durch eine Impfung vermeidbar.

Angeblich soll die Bettenauslastung in den Häusern des InnKlinikums sehr hoch sein. Können Sie das bestätigen?

Zimmermann: Die Belastung ist seit vielen Wochen und Monaten sehr hoch. Wir bemühen uns täglich, ausreichend Kapazitäten zu schaffen. Es wird in regelmäßigen Konferenzen, auch am Wochenende, die Bettensituation geklärt und dann die Patientenströme entsprechend gelenkt.

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Worin liegen die Gründe für die außergewöhnliche Belastung? Ist das saisonbedingt zu erklären?

Zimmermann: Die Auslastung hat viele Gründe. Zum einen ist in Mühldorf und Burghausen jeweils eine komplette Station mit Covid-Fällen belegt. Dadurch fehlen Bettenkapazitäten. Zum anderen merken wir die Engpässe bei Mitarbeitern in der Pflege. Wir können einige Stationen nicht oder nicht vollständig betreiben, weil das Personal fehlt. Dieses Problem hat vor vielen Jahren in den Ballungsräumen begonnen und hat eben jetzt auch das InnKlinikum erreicht.

In Fachkreisen wird davon gesprochen, dass uns die Grippewelle in diesem Jahr früher treffen könnte. Ärzte raten zur Grippeimpfung, teilen Sie diese Empfehlung?

Zimmermann: Normalerweise geht die Grippesaison im Dezember los. Das bedeutet, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich impfen zu lassen. Ich teile definitiv die Empfehlung und lasse mich auch selbst, wie in den Vorjahren, gegen Grippe impfen.

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Wie stark sind die Kliniken derzeit durch Corona-Patienten ausgelastet?

Zimmermann: Unsere Mitarbeiter geben seit mehr als eineinhalb Jahren ihr Bestes. Aber wir hatten tatsächlich auch schon Tage, an denen wir nur noch minimale Kapazitäten für die Versorgung von Covid-Fällen hatten.

Das klingt nicht gut...

Wir sehen in den zurückliegenden beiden Wochen eine besorgniserregende Verdichtung in den Covid-Bereichen. Wenn die Fälle bei uns in den Kliniken weiter steigen, wird unser Krisenstab weitere Schritte einleiten. Das Geschehen wird sich in den nächsten Tagen verdichten – wie in anderen Landkreisen, die seit einigen Wochen schon sehr hohe Infektionszahlen haben – und wir müssen umplanen. Das kann bedeuten, dass man planbare Eingriffe verschieben muss. Es ist natürlich klar, dass Notfälle oder dringliche Eingriffe weiterhin möglich sein müssen.

Unseren Informationen zufolge ist im Bereich der Covid-Station beziehungsweise Intensivstation ein Schwund an Pflegekräften zu verzeichnen. Kann die Klinik weiterhin die Intensivpflege garantieren und Ausfälle kompensieren?

Zimmermann: Die Arbeit in der Pflege ist hart und belastend. Zum Glück haben wir hier tolle Mitarbeiter, die ausgezeichnete Arbeit leisten, und viele bleiben auch mit Freude dabei. Natürlich sind die Pflegekräfte in den vergangenen Monaten durch die hohe Arbeitsbelastung und andere Faktoren manchmal angespannt, und einige verlassen auch die Kliniken, um andere Berufswege einzuschlagen. Die Situation ist aber kein regionales Problem, sondern in ganz Deutschland zu sehen. Im InnKlinikum arbeiten die Pflegedirektionen mit Hochdruck daran, Ausfälle bestmöglich zu kompensieren. Aber es kann dennoch vereinzelt zu einer Bettenreduktion kommen, beispielsweise bei einer plötzlichen Erkrankung eines Mitarbeiters vor dem Nachtdienst.

Wie sieht es denn bei den Bettenkapazitäten derzeit aus?

Zimmermann: Aktuell haben wir noch Kapazitäten und wir werden diese im Bedarfsfall auch steigern. Da werden wir auf Sicht fahren und ständige Anpassungen vornehmen. Eine Zuspitzung im Covid-Bereich geht leider zu Lasten der Patientenversorgung im Non-Covid-Bereich.

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