Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Corona und Natur

Lockdown bringt Pflanzen und Tiere kaum Entlastung

Andreas Zahn vom BUND sieht die Natur durch die Corona-Krise entlastet, weil weniger CO2 ausgestoßen wird. Auf der anderen Seite steht die Belastung durch mehr Menschen in Wald und Flur. Zahn/Meier
+
Andreas Zahn vom BUND sieht die Natur durch die Corona-Krise entlastet, weil weniger CO2 ausgestoßen wird. Auf der anderen Seite steht die Belastung durch mehr Menschen in Wald und Flur. Zahn/Meier

Weniger Flugverkehr, weniger Reisen: Vieles deutet darauf hin, dass Corona der Natur ein wenig Entlastung bringt. Naturschützer im Landkreis Mühldorf sind aber skeptisch, ob die Pandemie der Natur tatsächlich eine Ruhepause verschafft hat.

Mühldorf – Zu den Gewinnern der Corona-Pandemie könnte die Natur gehören, die sich durch das neue Lebens- und Arbeitsverhalten verändert. Vor allem der CO2-Ausstoß ist seit März gesunken. Trotzdem sind Naturschützer nicht euphorisch, vor allem, wenn sie vor der eigenen Haustür schauen.

Dr. Andreas Zahn, Vorsitzender des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Mühldorf, sieht die Besucherscharen in Wald, Wiesen und Felder mit großer Sorge. „Für das Klima war Corona gut, weil das weniger Mobilität und Energieverbrauch bedeutet. Für die Natur bedeutet es jedoch eine intensivere Nutzung, weil die Menschen mehr Zeit draußen verbringen. Menschen in der Natur bedeutet auch mehr Stress für die Tiere“, erklärt Zahn.

Spaziergänger stören brütende Tiere

Einige Tierarten wie zum Beispiel der Flussregenpfeifer der auf den Kiesbänken an Gewässern brütet, werden laut Zahn durch Spaziergänger massiv gestört. Störungen seien für viele Tierarten sehr belastend. So gesehen sei Corona nicht unbedingt ein Segen für die Natur.

Dafür aber für das Klima. „Die Menschen reisen weniger. Dadurch gibt es weniger Ausstoß von Schadstoffen“, sagt Zahn. Der 57-jährige Diplom-Biologe hofft, dass die Menschen, die nun mehr Natur erleben, in Zukunft bereit sind mehr für den Schutz zu tun. „Vielleicht lernen sie dadurch die Natur vor ihrer eigenen Haustür besser kennen und schätzen“.

Zahn zeigt sich auch aus anderen Gründen optimistisch, etwa was den Insektenbestand angeht. „Aufgrund von Maßnahmen wie Uferrandstreifen und Blühwiesen infolge des Volksbegehrens besteht die Hoffnung, dass sich die Situation für die Insekten verbessert.

Braucht eine gesunde Umgebung: der Laubfrosch.

Insekten können sich etwas erholen

Ob das eintrifft, wird man die nächsten Jahre sehen“, sagt er. Auch wenn sich der Insektenbestand ein wenig erholen kann, ist die Gefahr noch immer nicht gebannt. „Das Hauptproblem für die Arten ist der Mangel an geeigneten Lebensräumen“, ist sich der Waldkraiburger Biologe sicher.

In dieser Hinsicht könnten für den Siedlungsbereich die coronabedingten Einschränkungen positive Folgen haben. Es könnte sein, hofft Zahn, dass die Leute durchaus Zeit haben, sich mit dem Thema Artenschutz im Garten zu beschäftigen und dass daher der Trend zu Naturgärten größer geworden ist“, erklärt der Vorsitzende des Bund Naturschutz.

Auch interessant: Erschreckende Bilder aus Dänemark: „Zombie-Nerze“ - Wegen Corona-Mutation getötete Tiere tauchen wieder auf

Aktuell gibt es noch keine Zahlen, wie sich der Wildtier- und Pflanzenbestand allgemein durch Corona verändert hat. Doch Klimawandel, sinkende Grundwasserstände, Barrieren wie Straßen und der Nährstoffeintrag in naturnahe Biotope setzen der Natur nach wie vor zu. Fakt ist laut Zahn jedoch, dass nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt von einer gesunden Natur profitiert, sondern auch der Mensch.

Fragen an Stefanie Bernhardt vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) So geht es den Vögeln

Stefanie Bernhardt

Stefanie Bernhardt vom Landesbund für Vogelschutz sieht bedrohte Vogelarten weiter gefährdet. Das sagt sie im Interview zu den Auswirkungen von Corona.

Aktuell hört und sieht man mehr Vögel in den Gärten. Hat sich der Vogelbestand während Corona erholen können?

Stefanie Bernhardt: Dass Vögel mehr in die Gärten gekommen sind und häufiger singen, können wir nicht bestätigen. In Gärten waren Vögel vermutlich deswegen häufiger zu sehen, weil die Menschen durch Homeoffice einfach öfter zuhause und im eigenen Garten waren. Interessant ist, dass Rotkehlchen, Blaumeise und Sperlinge ja schon immer in unseren Gärten zuhause waren.

Aber nun hatten Menschen mehr Zeit die Vögel in ihrer Nähe zu entdecken. Da in den Städten weniger Menschen unterwegs waren, haben Tauben und Sperlinge zum Beispiel weniger Brösel in Cafés oder an Imbissen gefunden. Die Sperlinge sind aber sowieso auf andere Nahrungsquellen ausgelegt und flexibel. Für sie sind Essensreste in Städten eher eine Ergänzung.

Wo sehen Sie ein großes Problem für die Natur während Corona?

Bernhardt: In Corona-Zeiten waren vermehrt Menschen in der Natur unterwegs, zum Beispiel auch in Naturschutzgebieten oder Nationalparks, die sonst eher nicht so oft dort sind. Durch massiven Besucheransturm wurden in manchen Gebieten Arten stärker als sonst gestört. Deshalb sollten Besucher von Schutzgebieten darauf achten auf den Wegen zu bleiben, keinen Müll zu hinterlassen und nicht zu laut zu sein. Außerdem ist es wichtig, Hunde anzuleinen

Seltener werdender Gast: eine Blaumeise.

Warum kann sich der Vogelbestand nicht erholen?

Bernhardt: Zu den Bedrohungen von Vogelarten zählen ganz andere Faktoren: Rückgang der Nahrungsquelle durch das Insektensterben, Verlust von Lebensraum durch die moderne Landwirtschaft, fehlende Nistmöglichkeiten an Gebäuden durch moderne, energetische Bauweisen und letztendlich auch Folgen des Klimawandels. An diesen Punkten muss der Mensch ansetzen, um die Vogelwelt zu schützen

Gibt es trotz allem auch positive Veränderungen?

Bernhardt:Generell hat der LBV in Corona-Zeiten ein gesteigertes Interesse an der Natur vor der eigenen Haustür bemerkt. Das zeigte sich an höheren Zugriffen auf der LBV-Website, aber auch einer Verdopplung der Teilnehmerzahlen der Stunde der Gartenvögel. Auch bei der Stunde der Wintervögel könnten wir einen Lockdown-Effekt feststellen.

Über 38.000 Teilnehmer haben Anfang Januar Vögel im eigenen Garten beobachtet, bestimmt und uns die Anzahl gemeldet. Arten wie Kiebitz, Brachvogel oder Feldhamster werden unvermindert seltener, früher weit verbreitete Arten der Agrarlandschaft gehen immer weiter zurück, die Dimension des Insektensterbens mit all seinen dramatischen Folgen für die Leistungen der Ökosysteme auch für uns Menschen hat sich 2008 noch einmal verschärft.

Kommentare