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Familie aus Obertaufkirchen hat bald keinen Pflegedienst mehr

„Kleiner Räuber“ sucht examinierte Pflegekräfte zum Pferdestehlen

Familie Balhuber sucht auf einem Flyer Pflegekräfte für ihren Sohn Tobi
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Tobis Familie sucht dringend Pflegekräfte.

Die Familie Balhuber hat ab Januar keinen Pflegedienst mehr. Sie sucht nun für ihren pflegebedürftigen Sohn Tobi dringend examinierte Pflegekräfte im Rahmen eines persönlichen Budgets. Interessierte können sich per Mail an pflegeteam-tobi@web.de wenden oder telefonisch unter 0178-6323431 melden. Hier erfahrt Ihr die ganze Geschichte.

Obertaufkirchen - Manuela Balhuber ist die Verzweiflung anzuhören: „Wir sind noch nie an die Öffentlichkeit gegangen.“ Sie und ihr Mann haben drei Kinder. Eines davon ist Tobi, der zwölf Jahre alt ist. Er kam gesund zur Welt, hatte allerdings mit zwei Jahren eine seltene Gehirnblutung und ist seitdem ein Pflegefall. „Der Kleine hat alle Fähigkeiten verloren. Er ist tracheostomiert, er hat also einen Luftröhrenschnitt. Er wird künstlich ernährt und kann nicht alleine sitzen oder stehen“, so die Mutter. Durchgehend ist er auf Hilfe angewiesen. - Hilfe, die bisher von Pflegediensten übernommen wurde.  

Pflegedienst schaltete Geräte ab

Eigentlich sind 18 Stunden Pflege am Tag von der Krankenkasse genehmigt. Aber aufgrund von Pflegemangel übernimmt Manuela Balhuber selbst die Tagschichten. Der Pflegedienst ist nachts im Haus und soll die Geräte überwachen, an die Tobi angeschlossen ist. „Bei unserem jetzigen Pflegedienst ist es jedoch vorgekommen, dass das Personal die Gerätschaften abgeschaltet und sich schlafen gelegt hat. Dies hätte für Tobi tödlich enden können.“

Die Überwachungsgeräte müssen immer laufen, da Tobi am Sauerstoff hängt. Die Sättigung muss auch ständig angepasst werden. Als der Zustand des Kindes schlechter wird, liest man die Geräte aus. Offensichtlich war das Ausschalten keine einmalige Sache, denn das Auslesen ergibt, dass dies mehrmals und fast beim ganzen Team vorkam. Das Vertrauen ist nun natürlich zerstört und die Familie braucht ab dem 1. Januar dringend eine neue Lösung, denn ab diesem Zeitpunkt hat sie keinen Pflegedienst mehr.  

Neustart über persönliches Budget

Da die Familie mit Pflegediensten generell schon oft schlechte Erfahrung gemacht hat, sucht sie nun Unterstützung auf einem anderen Weg. Tobi ist auf häusliche Pflege angewiesen, daher bezahlt die Krankenkasse die Pflege auch im Rahmen eines sogenannten persönlichen Budgets. Das heißt, die Eltern von Tobi können damit selbst Pflegepersonal auswählen und anstellen. Mit dem zur Verfügung gestellten Geld übernimmt die Familie wie ein Arbeitgeber auch die Sozialversicherungsabgaben. Eine Firma unterstützt die Balhubers zusätzlich beim Aushandeln der Zielvereinbarung.  

Flyer-Aktion des „kleinen Räubers“ soll schnell ausgeweitet werden

Die Balhubers haben nun einen großen Aufruf gestartet. Eine Firma hat für sie einen Flyer gestaltet und kostenlos zur Verfügung gestellt. Dieser wird auf Messen, Christkindlmärkten und in verschiedenen Geschäften verteilt. Auch im Waldkraiburger Kino liegen er aus. Der Betreiber hat sogar zugesagt, ihn auf die Werbeleinwand zu geben.

„Bisher haben sich zwei Pflegekräfte gemeldet. Wir haben aber 4,5 Vollzeitstellen zu besetzen und daher noch dringend Bedarf“, so die Mutter. „Wir wären sehr froh, wenn Firmen sich bereit erklären würden, den Flyer zu veröffentlichen oder auf ihre Website zu geben. Wir haben noch nie so einen Aufruf gemacht, aber es ist uns wichtig, unseren Kleinen so lange wie möglich zu Hause versorgen zu können.“

Unter dem Motto „Kleiner Räuber“ sucht examinierte Pflegekräfte zum Pferdestehlen geht die Familie in ihrem Flyer auf Personalsuche nach Mitarbeitern in Voll- oder Teilzeit zur Betreuung im eigenen Haushalt. Bewerbungen können an pflegeteam-tobi@web.de oder telefonisch an 0178-6323431 gerichtet werden.

Ein Frühstück in Ruhe ist Luxus

Dass die Pflege sehr an den Kräften der Mutter zehrt, ist verständlich. Sie hat für Tobi sogar ihren Beruf aufgegeben. „Für mich wäre es schon Erholung, wenn ich ein einziges Mal essen könnte, ohne dass ich weglaufen muss. Wenn wir essen und der Kleine manipuliert an seiner Kanüle herum, dann muss ich wieder aufstehen. Das, was andere als normales Familienleben bezeichnen, haben wir nicht. Für uns ist es Luxus, wenn wir normal frühstücken können.“ Hoffentlich findet die Familie bald genug Mitarbeiter und kann dadurch etwas entlastet werden.

mf

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