Radverkehr

Radeln gegen die Einbahnstraße bleibt tabu: Keine Verbesserung für Radfahrer in Mühldorf

An der Brückenstraße will die Stadt Radfahrern mehr Platz verschaffen. Ob das zu Lasten des Autoverkehrs möglich ist, muss allerdings das Landratsamt entscheiden.
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An der Brückenstraße will die Stadt Radfahrern mehr Platz verschaffen. Ob das zu Lasten des Autoverkehrs möglich ist, muss allerdings das Landratsamt entscheiden.

Die Grünen wollten Radfahrern in der Altstadt von Mühldorf mehr erlauben: die Fahrt gegen die Einbahnstraßen. Das verhinderten CSU und Unabhängige gemeinsam. Das sind die Gründe.

Mühldorf – In der Mühldorfer Altstadt dürfen Radfahrer auch künftig grundsätzlich nicht gegen die Einbahnstraße fahren. Einen entsprechenden Antrag lehnte der Verkehrsausschuss jetzt mit den Stimmen von CSU und UM ab. Damit ist es weiterhin lediglich auf dem Stadtplatz und in der Ledererstraße samt Krankenhausberg erlaubt, gegen die Einbahnstraße zu fahren. Die Grünen hatten beantragt, Einbahnstraßen für Radfahrer grundsätzlich in Gegenrichtung freizugeben.

Viele fordern: Vorrang für Radfahrer

Gottfried Kirmeier (SPD) sprach sich dafür aus, auch die problematischen Straßen für Radfahrer in Gegenrichtung zu öffnen. Auch Zacharias Spöhrl (Grüne) votierte klar für eine Besserstellung des Radverkehrs.

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Laut dem städtischen Verkehrsplaner Alexander Süßmuth vom Gutachterbüro „Stadt, Land, Verkehr“ kann nicht jede Gasse für den Gegenverkehr durch Radfahrer geöffnet werden. Es müsse eine Breite von 3,50 Metern gewährleistet sein, sagte er.

Grundsätzliche Zustimmung durch die Stadtverwaltung

Fritz Waldinger, Leiter des Ordnungsamts, sprach von einer grundsätzlichen Frage, die in den kommenden Jahren häufiger auf die Tagesordnung kommen werde: „Wie teilen wir den Verkehr zwischen den Verkehrsteilnehmern auf? Wenn wir die Aufgabe haben, die Situation für Radfahrer zu verbessern, geht das natürlich immer auf Kosten der anderen Verkehrsteilnehmer.“

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Bürgermeister Michel Hetzl (UM) wies auf ein Grundthema für Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger hin. „Maßnahmen in der Altstadt gehen immer nur auf gegenseitige Rücksichtnahme.“

Grundsätzlich traf der Antrag der Grünen bei der Stadtverwaltung auf Zustimmung, sagte Ordnungsamtsleiter Fritz Waldinger. „Der Antrag hat bei uns offene Türen eingerannt, aber teilweise auch Probleme aufgezeigt“.

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Trotzdem stimmte die Mehrheit mit 7:4 Stimmen gegen die Neuregelung.

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Offen ist die Entscheidung über Neuregelungen in der Brückenstraße und auf der Innbrücke.

Deshalb dürfen Radfahrer nicht gegen die Einbahnstraße fahren

Weißgerberstraße: Waldinger sieht die Weißgerberstraße zwischen der Bräugasse und dem Stadtplatz als Problem, weil dort zwei Parkplätze wegfallen müssten. Dr. Matthias Kraft (Grüne) sah das anders: „Ich könnte auf die Parkplätze verzichten“, sagte er. Verkehrsplaner Süßmuth nannte es sinnlos, in der Weißgerberstraße gegen die Einbahnrichtung zu radeln.

Es gebe von dort keine Möglichkeit weiter zu fahren, da das Münchner Tor für Gegenverkehr zu eng wäre. Auch dazu vertrat Kraft eine andere Meinung: Zur Hofeinfahrt hinter der ehemaligen Commerzbank seien schon heute häufig Radfahrer in Gegenrichtung unterwegs, zumindest bis dorthin solle es eine Erschließung gegen die Fahrrichtung geben.

Er hält auch die Weiterfahrt durch das Münchner Tor für möglich, wenn Radfahrer den Verkehr stadteinwärts abwarten könnte. Laut Verkehrsplaner Süßmuth gibt es für Radfahrer keine Möglichkeit vor dem Münchner Tor sicher abzuwarten, bis das Tor frei sei.

Naglschmiedgasse: Verkehrsplaner Süßmuth sprach sich deutlich für die Verbindung der Weißgerberstraße über die Naglschmiedgasse in Gegenrichtung bis zum Krankenhausberg aus: „Das ist eine neue attraktive Radwegeverbindung parallel zum Stadtplatz.“ Der Straßenraum sei breit genug, um Radgegenverkehr zu ermöglichen. Er nannte die Schaffung neuer Radwegeverbindungen als wichtiges Ziel der Überlegungen.

Stefan Schörghuber CSU) argumentierte grundsätzlich gegen die Öffnung von Einbahnstraßen, vor allem in der Naglschmiedgasse. Er hält sie für zu schmal. Die Stadt solle stattdessen an den eingeführten und klaren Regelungen festhalten, statt Verwirrung zu schaffen.

Bräugasse: Ordnungsamtsleiter Waldinger hielt auch eine Neuregelung in der Bräugasse zwischen Weißgerberstraße und Stadtwall für falsch, weil dort alle Parkplätze wegfallen müssten. „Die Einhaltung des Halteverbots könnten wir nicht gewährleisten, weil zum Beispiel Anwohner dort auf jeden Fall über Nacht dort parken werden.“

Bürgermeister Michael Hetzl (UM) nannte auch die Situation vor der Metzgerei Hohenester „unglaublich schwierig“, weil dort ständig Autos kurzzeitig für einen Einkauf hielten. Er sagte: „Da müsste jemand von der Verkehrsüberwachung übernachten.“

Mit sieben zu vier Stimmen jeweils gegen Grüne und SPD lehnte der Bauausschuss die Radlerlaubnis gegen die Fahrtrichtung in der Weißgerberstraße, der Naglschmiedgasse und der Bräugasse ab.

Spitalgasse: Diskussionen gab es auch über dieSpitalgasse. Um sie für Radfahrer in Gegenrichtung zu öffnen, hätte eine der beiden Fahrspuren für Autos in Richtung Friedhofstraße wegfallen müssen. Für diese Möglichkeit sprachen sich nur die beiden grünen Stadträte aus, auch Ordnungsamtsleiter Waldinger hätte die Erlaubnis begrüßt

Brückenstraße: Für die Brückenstraße hat Dr. Reinhard Wanka (UM) eine komplette Neuregelung beantragt. Der Ausschuss einigte sich auf eine deutlich abgespeckte Verbesserung der Situation für Radfahrer. Sie soll dadurch entstehen, dass es künftig stadtauswärts nur noch eine Fahrspur für Autos gibt. Auf dem gewonnenen Platz sollen Radfahrer sicherer unterwegs sein können.

Mit diesem Vorschlag muss die Stadt allerdings im Landratsamt vorstellig werden, weil das Landratsamt die Entscheidung treffen muss.

Innkanalbrücke: Das gilt auch für den Radverkehr auf der Innbrücke. Die Grünen fordern, auf den Gehwegen Radverkehr in beide Richtungen zu erlauben. „Es radeln ja heute schon alle auf der falschen Seite“, wies Fraktionssprecher Kraft auf die Situation hin.

Legalisieren will die Stadt das nicht, der Gehweg sei für Gegenverkehr einfach zu schmal, erläuterte Waldinger. Er sprach sich auch gegen den Vorschlag der Grünen für einen Umbau der Brücke und die Reduzierung auf drei Fahrspuren für Autos aus. Der gewonnene Platz könnte für Radwege verwendet werden. Waldinger verwies dagegen auf die 16 000 Autos, die die Brücke täglich nutzen.

Da es sich um eine Kreisstraße handelt, entscheidet das Landratsamt über den Antrag der Stadt.

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