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Entkriminalisierung ist positiv

Schädigt Cannabis das Gehirn von Jugendlichen? Mühldorfer Suchtberater warnt vor Freigabe ab 18

Die Ampel-Parteien wollen Cannabis für den Genuss legalisieren. Bald könnte es an Erwachsene in lizenzierten Geschäften frei verkauft werden.
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Die Ampel-Parteien wollen Cannabis für den Genuss legalisieren. Bald könnte es an Erwachsene in lizenzierten Geschäften frei verkauft werden.

Cannabis hat große Auswirkungen auf die Entwicklung des jugendlichen Gehirns. Sollte die Freigabe statt an die Volljährigkeit mehr an medizinische Erkenntnisse geknüpft werden?

Mühldorf – Die neue Bundesregierung will die kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene auf den Weg bringen.

Gleichzeitig soll es mehr Aufklärung über die Folgen des Konsums von Alkohol und Nikotin geben.

Freigabe nicht an Volljährigkeit knüpfen

„Den Kauf von Cannabis mit dieser Maßnahme zu entkriminalisieren ist der richtige Schritt“, meint Franz Kreitmeier, Leiter der Caritas-Suchtberatung Mühldorf. Wobei er die Freigabegrenze bei 18 Jahren zu niedrig angesetzt findet. „Das ist mir zu früh, in diesem Alter passiert noch so viel in der Entwicklung des jugendlichen Gehirns, Cannabis hat darauf große Auswirkungen“, gibt er zu Bedenken. „21 oder sogar 25 Jahre erscheinen mir als Altersgrenze sinnvoller.“ Die Freigabe sollte statt an die Volljährigkeit besser an medizinische Erkenntnisse geknüpft werden.

Besser reines Cannabis als Cannabinoide

„Schwerpunktmäßig wird Cannabis im Alter zwischen Mitte 20 und 30 Jahren konsumiert“, hat Kreitmeier festgestellt. „Die Konsumenten kommen aus allen Gesellschaftsschichten.“ Cannabis könne über den Gewöhnungseffekt auf Dauer abhängig machen, vergleichbar mit Alkohol und Nikotin.

Gefährlicher als reines Cannabis findet Kreitmeier synthetische Cannabinoide, besser bekannt als Kräutermischungen oder Spice. „Deren Dosierung ist unkalkulierbar, die Wirkung nicht abzuschätzen“, warnt er. „Diese Substanzen wirken bis zu viermal so stark, können Herzrasen, Übelkeit und Erbrechen auslösen. Und es besteht die Gefahr von Psychosen.“

Dass sich die Konsumentenzahl durch die Freigabe erhöhen könnte, bezweifelt er: „Laut Studien nutzen jetzt schon rund 20 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen von 16 bis 25 Jahren Cannabis, um sich zu berauschen. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen.“ Genauso fraglich scheint ihm, dass der Schwarzmarkt wegfallen würde. „Dealer werden ihren Stoff dann eher billiger anbieten, um im Geschäft zu bleiben.“

Positiv an der angestoßenen Diskussion findet er, dass damit auch die Volksdroge Alkohol in den Vordergrund gerückt werde: „Alkohol ist das viel größere Problem, in mehr als der Hälfte unserer Beratungen geht es um Alkoholsucht.“

„Ein überfälliger Schritt“

Zacharias Spörl, Kreisvorstand der Grünen, zum Plan der Ampel-Regierung: „Die Entkriminalisierung von Cannabis ist ein überfälliger Schritt.“ Die Erfahrung in anderen Länder habe gezeigt, dass sich dadurch die Zahl der Suchtkranken nicht erhöht. „Die über den lizenzierten Cannabis-Verkauf erzielten Steuereinnahmen können gezielt für Prävention eingesetzt werden und so das Suchtproblem sogar verringern.“

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf

Die Polizeigewerkschaft Bayern lehnt die lizenzierte Abgabe zu Genusszwecken ab: „Da schon der Begriff Genusszwecke bei Cannabis irreführend ist“, so der Vorsitzende Jürgen Köhnlein. Genusskonsum führe etwa bei Alkohol nicht sofort zum Kontrollverlust, sondern erst bei dessen Missbrauch, der zum Rauschzustand führt. Auf den Cannabiskonsum folge dagegen sofort ein toxischer Rausch. Die legale Abgabe an über 18-Jährige könnte die zurückhaltende Einstellung zu Drogen schwinden lassen.

Bauernobmann: Cannabis-Anbau für Landwirte im Landkreis kein Thema

„Viele Bäuerinnen und Bauern stehen in den Startlöchern, um Hanf anzubauen“, so hatte im Dezember Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir gegenüber der Bild am Sonntag einen großflächigen Hanfanbau in Deutschland angekündigt – sobald das geplante Gesetz zur Cannabis-Legalisierung in Kraft trete.

Davon, dass die Landwirte nur darauf warten würden, endlich Cannabis auf ihren Feldern anzubauen, hat Ulrich Niederschweiberer im Landkreis Mühldorf noch nichts gehört. Der Kreisobmann des Bauernverbandes kennt Özdemirs vollmundige Prognose. Wundert sich aber eher drüber. „Vielleicht sieht das in anderen Regionen Deutschlands anders aus“, mutmaßt er. „Der Landkreis Mühldorf ist aber keine Gemüseregion. In unserer Bauernschaft war Cannabisanbau noch kein Thema.“

Dagegen habe er Erfahrungen mit illegalen Anbauversuchen auf landwirtschaftlichen Flächen gemacht. „In einem meiner Maisfelder hatte ich das auch schon“, erzählt Niederschweiberer. „Unbekannte hatten, nachdem der Mais schon zu hoch war, um noch mit Maschinen reinzufahren, eine kleine Fläche im Feld gerodet und dort Hanf angebaut.“ Aufgefallen sei das, als die Polizei auf der Suche nach solchen „Drogen-Plantagen“einen Kontrollflug über das Feld gemacht habe.

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