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Kampf gegen Corona in der Apotheke?

Stadtapothekerin Christina Beckel: „Ich hätte gar keine Zeit, um auch noch zu impfen“

Eine Impfung gegen Corona in der Apotheke? Apothekerin Christina Beckel aus Neumarkt-St. Veit und ihre Kollegen sind auch ohne Impfungen bestens ausgelastet.
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Eine Impfung gegen Corona in der Apotheke? Apothekerin Christina Beckel aus Neumarkt-St. Veit und ihre Kollegen sind auch ohne Impfungen bestens ausgelastet.

Impfstoff lagern, vorbereiten, Aufklärungsgespräch mit dem Patienten, Spritze setzen und den Patienten nachbeobachten: Das gehört alles zu einer Impfung gegen Corona. Kann eine Apotheke das leisten? Die Antwort der Neumarkt-St. Veiter Stadtapothekerin Christina Beckel fällt eindeutig aus.

Neumarkt-St. Veit – In der Politik kursiert seit einigen Tagen die Idee, Corona-Impfungen auch in Apotheken durchführen zu lassen. „Ich persönlich hätte keine Kapazität, um auch noch Impfungen anzubieten“, stellt Apothekerin Christina Beckel von der Stadtapotheke ohne Umschweife fest.

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„Wir Apotheker sind mit unserem Kerngeschäft, der Medikamentenausgabe, den Corona-Schnelltests und der Ausstellung der Impfzertifikate bestens ausgelastet.“

Es gehe ja auch nicht um die Spritze allein: „Dazu kommen das Aufklärungsgespräch und die Beobachtung der Personen nach der Impfung.“ Alles viel zu aufwendig für die Apotheke vor Ort. Im Impfzentrum herrsche da Arbeitsteilung. Der Arzt führt das Gespräch, eine medizinische Fachkraft erledigt die Impfung, und die Überwachung liege wieder in anderen Händen.

Genügend Ärzte, zu wenig Impfstoff

Auch ihre Apotheker-Kollegen sind bei dem Thema zwiegespalten: „Die einen möchten am liebsten sofort loslegen. Die anderen rätseln, wie sie das auch noch leisten sollen.“ Auch Kunden hätten sie schon mitleidsvoll auf diese Zusatzbelastung angesprochen.

Schon seit Monaten gibt es die Forderung, in Deutschland auch Apotheker Corona-Impfungen verabreichen zu lassen. In anderen Ländern, darunter Frankreich, Schweiz, Italien oder USA, dürfen die studierten Pharmazeuten längst zur Spritze greifen.

„Einige Apotheker in Bayern haben bereits an den Versuchen zur Grippeimpfung teilgenommen und könnten sofort loslegen“, weiß Beckel. „Die anderen, dazu gehöre auch ich, bräuchten erst eine Impfschulung mit einem praktischen Teil.“ Die praktische Schulung sei nötig, weil Impfen nicht zu den pharmazeutischen Dienstleistungen nach der Apothekerbetriebsverordnung zähle. Impfungen sind kein Teil der Ausbildung. Es dürften nach Unterweisung auch nur die Apotheker selbst impfen, nicht das übrige Personal.

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Theoretisch wären Corona-Impfungen auch in ihrer Stadtapotheke vorstellbar. Doch der Einstieg der Apotheker erscheint ihr nicht als Lösung für die Steigerung der Impfquote. „Was das Impfen angeht, sind wir mit den Arztpraxen vor Ort gut aufgestellt, das Problem ist der Impfstoffnachschub“, den Mangel an Vakzinen kennt sie aus ihrer täglichen Arbeit. „Ärzte bestellen ihren Impfstoff über uns Apotheken, aber die ausgelieferten Mengen wurden vom Ministerium massiv zurückgefahren.“ Ärzte könnten Impftermine erst vergeben, wenn sie wüssten, wie viele Dosen sie zur Verfügung haben.

„Der ein oder andere könnte die Impfung in der Apotheke seines Vertrauens dem Impfzentrum vorziehen“, vermutet Beckel. „Auch die stundenlangen und manchmal erfolglosen Wartezeiten, die es bei Impfaktionen im Landkreis schon gegeben hat, würden wegfallen.“

Weitere Meldungen aus dem Landkreis Mühldorf

Bei den Schnelltests wegen 3G am Arbeitsplatz hat sie festgestellt, dass mancher sich nun doch noch seine Erstimpfung geholt habe. Auch die geplanten weiteren Einschränkungen für Ungeimpfte und die nun öfter auftretenden schweren Corona-Verläufe bei jungen Leuten könnten noch einige zum Impfen bringen.

Trotzdem bleibt die Apothekerin dabei: „Ich denke, kein Impfgegner wird sich impfen lassen, nur weil er dafür in eine Apotheke gehen kann. Entweder man ist von der Impfung überzeugt oder nicht.“

Sie haben eine Meinung zu diesem Thema? Klicken Sie hier und schreiben Sie uns einen Leserbrief.

Das Gesundheitsamt: Apotheker brauchen Impfschulung und geeignete Räume

Welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein, damit ein Apotheker eine Corona-Impfung durchführen darf? Darf er das überhaupt? Wir haben beim Landratsamt und Gesundheitsamt Mühldorf nachgefragt.

Dürfen Apotheker aufgrund ihrer Ausbildung impfen?

Dr. Benedikt Steingruber, Leiter des Gesundheitsamtes Mühldorf: Das Thema Impfen ist kein fester Bestandteil im Rahmen des Hochschulstudiums der Pharmazie. Grundsätzlich sind Impfungen eine Aufgabe des Arztes. Aktuell prüft das Gesundheitsministerium, ob und wie den Apothekern diese Aufgabe übertragen werden kann. Voraussetzung wird unter anderem eine Schulung beziehungsweise Qualifizierung der Apotheker sein.

Könnte der Einstieg der Apotheker die Impfquote steigern?

Landrat Max Heimerl: Grundsätzlich ist jede Unterstützung der Impf- und Boosterkampagne zu begrüßen. Daher wäre es gut, wenn auch Apotheker oder Zahnärzte impfen könnten. Aktuell wird die Impfquote im Landkreis Mühldorf aber nicht durch fehlende Kapazitäten in der Ärzteschaft beeinflusst. Zudem bietet das neue Impfzentrum mehr Flexibilität und Räumlichkeiten, um auch einer höheren Nachfrage gerecht zu werden. Voraussetzung ist, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht und die Bereitschaft steigt, eine Erstimpfung in Anspruch zu nehmen.

Was würde gegen die Impfung durch Apotheker sprechen?

Dr. Steingruber: Zu beachten ist, dass in den Apotheken geeignete Räumlichkeiten vorhanden sind und eine Versorgung der Geimpften im Notfall, wie zum Beispiel bei einem allergischen Schock, gewährleistet sein muss.

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