Ein Arbeitsleben lang beim gleichen Zahnarzt

Von der Ausbildung bis zur Rente: Margot Kirsch wechselte nie ihren Arbeitgeber

Fünf Jahrzehnte lang der Praxis die Treue gehalten: Claudia Seidl (links) und Herbert Einmayr dankten Margot Kirsch für ihre zuverlässigen Dienste.
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Fünf Jahrzehnte lang der Praxis die Treue gehalten: Claudia Seidl (links) und Herbert Einmayr dankten Margot Kirsch für ihre zuverlässigen Dienste.

Das ist selten geworden in unserer schnelllebigen Zeit: Die Neumarkterin Margot Kirsch blieb ihr ganzes Arbeitsleben der Zahnarztpraxis Einmayr treu. Ihr Geheimnis: Jeden Tag mit Freude in die Arbeit zu gehen!

Neumarkt-St. Veit – Auf den 6. Juli 1972 ist der Ausbildungsvertrag datiert, den Margot Kirsch – damals noch mit ihrem Mädchennamen Margot Held – in schönster Schreibschrift unterschrieben hat. Damals hat die Jugendliche ihre Ausbildung in der Zahnarztpraxis Einmayr begonnen – und sie hat ihrem Ausbildungsbetrieb bis heute die Treue gehalten.

Der Ausbildungsvertrag vom 6. Juli 1972. Damals unterschrieb Margot Kirsch mit ihrem Mädchennamen Held den Vertrag.

In ihrem 50. Berufsjahr hat sie nun den Ruhestand angetreten. Dabei blickt sie auf turbulente Jahrzehnte zurück, in denen sie die technische Entwicklung und die zunehmende Digitalisierung hautnah miterlebt hat.

„Ich suche gerne den Kontakt mit Menschen und wollte eigentlich schon immer helfen. In einer Zahnarztpraxis, da war ich mir sicher, konnte ich diese Wünsche am besten miteinander vereinen“, erklärt sie ihren damaligen Berufswunsch. Im Nachhinein ist sie sich sicher, dass es vor allem die Vielseitigkeit des Berufes war, die ihr viel Freude bereitet hat.

Aufmunternde Worte bewirken Wunder

„Freilich waren Schreibarbeiten zu erfüllen, aber ich konnte auch mein handwerkliches Geschick gut einsetzen. Denn es fallen sehr viele manuelle Tätigkeiten, vor allem im zahntechnischen Labor bei einem Zahnarzt an. Die Arbeit am Patienten selbst immer wieder für Abwechslung“, berichtet sie.

Es sei Einfühlungsvermögen gefragt, denn der Gang zum Zahnarzt sei oft mit Ängsten und Schmerzen verbunden. Ein aufmunterndes Gespräch wirkte oft Wunder, sagt Kirsch, die sich am meisten drüber gefreut hat, wenn die Patienten mit einem glücklichen Lächeln und erleichtert den Behandlungsstuhl verlassen haben.

Von Anfang an fühlte sie sich im Team geborgen. Einer der wichtigsten Gründe, warum sie nahezu 50 Jahre lang ihrem Ausbildungsbetrieb in Neumarkt-St. Veit die Treue gehalten hat.

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Viel Organisationstalent ist gefragt

Als Ehefrau und Mutter von drei Kindern sei oft viel Organisationstalent gefragt gewesen, um allen gerecht zu werden. Vor allem bei Krankheiten der Kinder, oder bei familiären Schicksalsschlägen wurde sie sowohl von der Seite des Arbeitgebers, als auch von den Kolleginnen bestmöglich unterstützt,

In den fast fünf Jahrzehnten hat sich in Zahnarztpraxen natürlich viel verändert. Immer wieder fanden auch neue Behandlungstechniken Anwendung und zogen neue Geräte in die Zahnarztpraxis ein. Das Röntgen wurde digital, die Behandlungsräume mit Computern ausgestattet.

So veränderte sich das Berufsbild zusehends. Die fortschreitende Technisierung war so manches Mal eine große Herausforderung, gibt Kirsch zu. „Aber man lernt mit jeder neuen Aufgabe hinzu und erweitert seinen Wissensstand.“

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Modernisierung bringt viel Erleichterungen mit sich

Auf der handwerklichen Seite ergaben sich daher viele Erleichterungen und Zeitersparnisse. Hingegen wurden die Vor- und Nacharbeiten, mit Aufklärung und Dokumentation fortlaufend größer. „In meiner Anfangszeit genügte eine DIN A 5 Karteikarte, die den Patienten während seiner Behandlungszeit oft über Jahre begleitete. In den vergangenen Jahren werden acht bis zehn Seiten nur für einen Heil- und Kostenplan benötigt, um alle Vorschriften gewissenhaft zu erfüllen.

...und im zahntechnischen Labor.

Früher lediglich eine DIN A 5 Karteikarte

Der alljährlich zunehmende Bürokratismus mit Dokumentationen seitens des Zahnarztes und des Personals, war nur mehr schwer zu meistern. Corona mit deren Vorgaben für zusätzliche Hygiene seit dem vergangenen Jahr, erschwerte die Situation zusätzlich.

Der unerwartete und tragische Tod des ersten Chefs Herbert Einmayr senior im Jahr 1992 beschreibt sie als ein einschneidendes Ereignis. Jedoch konnte die Praxis lückenlos durch Herbert Einmayr junior übernommen werden, der seit 1991 in der Praxis tätig war.

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Vielseitigkeit gefragt: Margot Kirsch am Schreibtisch...

In 50 Jahren gab es drei Chefs

2018 übernahm die Zahnärztin Claudia Seidl die Praxis und Herbert Einmayr wurde angestellter Zahnarzt. Ihre neue Chefin macht Kirschs Treue am harmonischen Miteinander fest, die sie selbst bereits in ihrer Zeit als Assistenzärztin in der Praxis Einmayr erfahren durfte. „In der heutigen Zeit ist es nicht mehr selbstverständlich, dass ein Arbeitnehmer einem Betrieb so lange die Treue hält.“

Die Chemie muss stimmen

Und auch Margot Kirsch betont: „Die Chemie muss stimmen. Jeden Tag mit Freude in die Arbeit zu gehen, ist ein wertvolles Gut. Die Zusammenarbeit und das Wissen, der Mensch zählt und steht über allem, machte die gemeinsame Zeit so sehr wertvoll.“

Und diesen Tipp gibt die erfahrene Zahnarzthelferin allen Berufsanfängern mit auf den Weg: „Es ist immer wichtig, ob im beruflichen oder privaten Umfeld, dass eine gelungene Zusammenarbeit geprägt ist von gegenseitigem Respekt, Ehrlichkeit, Toleranz und viel Humor, um so viele Jahre Freude am Beruf zu haben.“

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